texte zum film - Dr. phil. José Garcia - Aachen
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ZWISCHEN ZWEI WELTEN - THE MOUNTAIN BETWEEN US

(The Mountain between us) USA, 2017
 
Filmische Qualität:   
Regie: Hany Abu-Assad 
Darsteller: Kate Winslet, Idris Elba, Beau Bridges, Dermot Mulroney  
Laufzeit: 103 Minuten
Genre:  
Publikum: ab 16 Jahren 
Einschränkungen:  
 

José García

 

Der 1961 in Nazareth geborene Regisseur Hany Abu-Assad wurde mit seinem ersten Spielfilm "Ranas Wedding" weltweit bekannt. Darin wies er auf den von Straßensperren und sonstigen Hindernissen geprägten Alltag der Palästinenser in den besetzten Gebieten hin. Für seinen nächsten Spielfilm "Paradise Now", der von Selbstmordattentätern handelte, erhielt Hany Abu-Assad 2006 eine Oscar-Nominierung als bester nichtenglischsprachiger Film, und gewann einen Golden Globe. Der halbdokumentarische Charakter der Inszenierung in diesen ersten Spielfilmen machte in seinem letzten Film "Ein Lied für Nour", der vom palästinensischen Sänger Mohammed Assaf und seinem Sieg beim Gesangwettbewerb "Arab Idol" handelte, einer konventionelleren Erzählweise Platz. Mit dem nun im regulären Kinoprogramm anlaufenden "Zwischen zwei Leben - The Mountain between us" gibt der palästinensische Regisseur sein Regiedebüt in einem US-Spielfilm.

Basierend auf dem gleichnamigen, 2010 erschienenen Roman von Charles Martin erzählt "Zwischen zwei Leben" ein Abenteuerdrama nach einem Flugzeugabsturz. Das Drehbuch von J. Mills Goodloe und Chris Weitz enthält eine kurze Exposition: Der Flug der erfolgreichen Fotoreporterin Alex Martin (Kate Winslet) nach New York wurde wegen eines aufziehenden Sturms in Idaho gestrichen. Sie muss jedoch unbedingt dorthin, denn für den nächsten Tag ist ihre Hochzeit geplant. Um es doch noch rechtzeitig zu schaffen, mietet sie ein Privatflugzeug, das sie vom nordwestlichen US-Staat nach Denver bringen soll. Denn dort hofft sie, einen Flug nach Hause nehmen zu können. Auf dem Weg zum Hangar hört sie zufällig mit, wie ein britischer Neurochirurg verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, ebenfalls an die Ostküste zu fliegen. Denn der Spezialist Ben Bass (Idris Elba) soll in Baltimore eine wichtige Operation durchführen. Kurzentschlossen tun sich die beiden zusammen.

Schnell nehmen sie Platz in einer kleinen zweimotorigen Maschine. Der ältere Pilot Walter (Beau Bridges) vertraut auf seine Erfahrung, es trotz Sturms schnell nach Denver zu schaffen. Deshalb hält er es nicht einmal für nötig, den Flug anzumelden. Allerdings erleidet Walter während des Fluges einen Schlaganfall, als sich das Kleinflugzeug über den Uinta Mountains im Nordosten des US-Bundesstaates Utah befindet. Die kleine Maschine stürzt ab. Walter stirbt, Alex erleidet eine schwere Beinverletzung. Ben und Walters Labrador überstehen den Absturz so gut wie unverletzt. Ben versorgt das verletzte Bein der Fotografin, so gut er im zerrissenen Flugzeugrumpf kann, begräbt den toten Piloten, und verschafft sich einen ersten Überblick: Überall sind nur Berge und Schnee zu sehen. Eine Kamerafahrt zeigt dies unmissverständlich. Schwer zu sagen, wo erste Anzeichen von Zivilisation zu finden sind. Und: Mit Rettung ist wohl nicht zu rechnen, weil Walter den Flug nicht angemeldet hatte. Niemand weiß, dass Alex und Ben dieses Flugzeug gechartert hatten, geschweige denn, wo sie sich befinden.

Während der etwa zwei Tage, an denen Alex bewusstlos ist, erweist sich Ben als methodisch und diszipliniert handelnder Mann: Er versorgt nicht nur Alex, sondern baut auch einen Schutzraum im zertrümmerten Flugzeugrumpf. Er wartet zunächst einmal, ob doch noch irgendwoher Rettung kommt. Die Frage, ob er sich allein auf die Suche nach einer Rettungsmöglichkeit machen soll, stellt sich für ihn offensichtlich nicht. Als Alex wieder einigermaßen gehen kann, machen sich die beiden auf den Weg ins Tal.

Der Überlebenskampf der zwei unterschiedlichen Charaktere in rauer Landschaft bringt die zwei Figuren dem Zuschauer näher. Die Drehbuchautoren J. Mills Goodloe und Chris Weitz und der Regisseur Hany Abu-Assad stellen ihr Können unter Beweis, ein Abenteuerdrama zu inszenieren. Sie fügen einige Spannungselemente in die Handlung ein, etwa ein Puma, der einmal Alex bedroht, als sie im Flugzeuginnern alleine ist. Dabei werden sie von Kamerafrau Mandy Walker bestens unterstützt, der nicht nur wunderschöne Bilder der furchteinflößenden Berglandschaft gelingen. Die spektakuläre Aufnahme des Absturzes, die sie vom Flugzeuginnern aus fotografiert, bleibt besonders in Erinnerung.

Auch wenn das Überlebensdrama weiterhin bestimmend bleibt, weil die beiden Protagonisten immer wieder auf Hindernisse stoßen, verlagert sich mit zunehmender Filmdauer der Mittelpunkt des Filmes in Richtung Liebesgeschichte. Der Filmtitel "Zwischen zwei Leben" bezieht sich einerseits auf die Auswirkungen einer solchen Erfahrung auf das Leben "danach". Außerdem stellt er Alex´ Zerrissenheit zwischen ihrem allerdings erst gegen Ende in Erscheinung tretenden Verlobten Mark (Dermot Mulroney) und Ben in den Fokus der zweiten Filmhälfte. Trotz der guten Chemie zwischen den beiden Protagonisten wirkt die Romanze zwischen den beiden um ihr Überleben Kämpfenden eher gekünstelt.

Neben der beeindruckenden wilden Landschaft überzeugen vor allem die zwei Darsteller. Denn Hany Abu-Assads Film ist (fast) ein Zwei-Personen-Stück in einer durchaus als episch zu bezeichnenden Handlung. "Zwischen zwei Leben ? The Mountain between us" erweist sich jedoch vor allem als eine Lobeshymne auf den Überlebenswillen in einer schier aussichtslosen Situation. Der Optimismus eines Ben drückt sich beispielsweise in dem Satz "Es ist schon genial, was Gott gemacht hat" aus, als er die Fähigkeit des menschlichen Körpers lobt, sich schnell zu akklimatisieren.

 

Foto: 20th Century Fox

Im Kino: 12/2017 - Auf DVD: 0/0.