texte zum film - Dr. phil. José Garcia - Aachen
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MARIA MAGDALENA

(Mary Magdalene) USA, 2018
 
Filmische Qualität:   
Regie: Garth Davis 
Darsteller: Rooney Mara, Joaquin Phoenix, Chiwetel Ejiofor, Tahar Rahim, Denis Ménochet, Ariane Labed 
Laufzeit: 120 Minuten
Genre:  
Publikum: ab 12 Jahren 
Einschränkungen:  
 

José García

 

Maria Magdalena erscheint — durchweg als Maria aus Magdala — in den Evangelien insbesondere im Zusammenhang mit der Kreuzigung und vor allem mit der Auferstehung Jesu. Sie zählt stets zu der Frauengruppe, die der Kreuzigung von weitem zusah beziehungsweise "bei dem Kreuz Jesu" stand. Matthäus fügt hinzu: Diese Frauen "waren Jesus seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient". Zusammen mit der "anderen Maria" oder "Maria, der Mutter des Joses" hatte sie beobachtet, wohin Jesu Leichnam gelegt wurde.

Wohl mit ihr und mit Salome kaufte sie "wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben". Sprechen die Synoptiker von den "Frauen", die Zeuginnen der Auferstehung wurden, so ist bei Johannes die Rede ausschließlich von Maria von Magdala. Ihr erscheint als erster der Auferstandene und gibt ihr den Auftrag, den Jüngern auszurichten, sie sollen nach Galiläa zurückkehren.

Wohl aus einer bei Markus enthaltenen Randnotiz — "Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte" — entwickelte sich seit einer Predigt Papst Gregors I. im Jahre 591 die Gleichsetzung Magdalenas mit der "Sünderin", die in Simons Haus Jesu die Füße wusch. Deshalb wurde Maria Magdalena gar als "Prostituierte" angesehen. In letzter Zeit wurde sie allerdings "rehabilitiert": Der Römische Kalender weist seit 1969 darauf hin, dass sie weder mit Maria von Bethanien noch mit der Sünderin gleichzusetzen sei. Am 3. Juni 2016 erhob ein Dekret der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ihren bisherigen Gedenktag am 22. Juli zum Fest.

In der eigenen Präfation, die aus diesem Anlass verfasst wurde, heißt es, sie habe Jesus als erste nach der Auferstehung angebetet. "Er ehrte sie mit dem apostolischen Amt vor den Aposteln, damit die gute Botschaft des neuen Lebens bis an die Enden der Erde gelange." Darin drücke sich der Titel "Apostolorum apostola" (Apostelin der Apostel) aus, "weil sie den Aposteln das verkündigt, was diese dann ihrerseits in der ganzen Welt verkünden werden" — so der Kongregationssekretär Erzbischof Arthur Roche mit Bezug auf Rhabanus Maurus und Thomas von Aquin in einem Kommentar zum Dekret.

Magdala als ihre Geburtsstadt wurde erst in den Jahren 2009 bis 2015 entdeckt. Sie war offenbar eine wohlhabende Stadt am See Genezareth, deren Fischfang laut Flavius Josephus in Rom verkauft wurde. Hier beginnt denn auch der Spielfilm "Maria Magdalena" von Philippa Goslett und Helen Edmundson (Drehbuch) sowie Garth Davis (Regie), wo Maria Magdalena (Rooney Mara) in der Familienfischerei arbeitet. Als sie verheiratet werden soll, wehrt sie sich dagegen: "Heiraten ist nicht meine Bestimmung." Daraus folgern ihre Verwandten, sie sei besessen. Nun wird auch Jesus (Joaquin Phoenix) zu ihr gerufen, der feststellt: "Es sind keine Dämonen hier, Maria Magdalena." Was allerdings im Gegensatz zur bereits erwähnten Perikope aus dem Markusevangelium steht ("Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte"). Nachdem sie von Jesus selbst getauft wird, schließt sich Maria den Aposteln an. Von den Jüngern Jesu, mit denen sie Bekanntschaft schließt, ragen insbesondere Petrus (Chiwetel Ejiofor), Johannes (Zohar Shtrauss) und Judas (Tahar Rahim) heraus. Maria Magdalena tauft beispielsweise Frauen. Indem Maria Magdalena als sehr selbstbewusste, gegen die patriarchale Gesellschaft rebellierende Frau dargestellt wird, unterstreicht der Film die neue Rolle der Frau im Christentum. Allerdings folgt "Maria Magdalena" offensichtlich auch gnostischen Schriften, beispielsweise dem "Thomasevangelium", das von einer Rivalität zwischen Petrus und Maria Magdalena erzählt. So ist etwa der Einwand Petri zu verstehen: "Es ist nicht recht, dass er Dich dazu erhebt, uns zu führen". Ist dies mit Jesu Lehre schon schwer zu vereinbaren, der ja Petrus als den "Felsen" einsetzte, so verblüfft dann erst recht Magdalenas Aussage: "Seine (Petri) Kirche ist nicht Jesu Kirche". Über die Bezeichnung Maria Magdalenas als "Gefährtin des Herrn" in einer weiteren gnostischen Schrift (dem "Evangelium der Maria") ist viel spekuliert worden, bis hin zu Dan Browns "Sakrileg", laut dem Maria mit Jesus verheiratet gewesen sei. Eine solche spekulative Sicht nehmen die Filmemacher von "Maria Magdalena" zwar nicht ein. Sie stellen sie jedoch als "Lieblingsjünger" Jesu dar. Gerade dort, wo die Tradition Johannes sieht, erscheint im Film Magdalena, etwa beim Letzten Abendmahl oder bei der Kreuzesabnahme. Hatte beispielsweise Mel Gibson Maria und Johannes am Fuß des Kreuzes zusammen gezeigt, so ist in Garth Davis´ Film nur Maria Magdalena zu sehen.

"Maria Magdalena" besticht nicht nur durch die detailgenaue Rekonstruktion der Zeit, sondern auch durch Schauspieler aus der ersten Riege Hollywoods. Zwar nimmt sich der "Musikteppich", den Jóhann Jóhannsson und Hildur Gudnadóttir ausbreiten, als ziemlich penetrant aus.

Die Kamera von Greig Fraser bietet hingegen wunderbare Landschaftsbilder. Ebenso wie die Kamera überzeugen auch das Szenenbild von Fiona Crombie und die kluge Dramaturgie des Regisseurs. Der Film erlaubt einen originellen Blick auf die letzten Wochen im Leben Jesu, wenn er etwa im Morgengrauen betet, Lazarus auferweckt oder die Händler aus dem Tempel vertreibt. Selbst sehr bekannte Passagen wie die Kreuzigung oder die Verzweiflung des Judas zeigt der Film in einem neuen Licht.

 

Foto: Universal

Im Kino: 3/2018 - Auf DVD: 0/0.