texte zum film - Dr. phil. José Garcia - Aachen
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GREYZONE - NO WAY OUT

(Greyzone - No Way Out) Dänemark, Schweden, Deutschland , 2018
 
Filmische Qualität:   
Regie: Jesper W. Nielsen, Fredrik Edfeldt, Jörgen Bergmark 
Darsteller: Brigitte Hjort Sørensen, Ardalan Esmaili, Joachim Fjelstrup, Tova Magnusson, Lars Ranthe, Johan Rabaeus, Virgil Katring-Rasmussen, Kida Khodr Ramadan 
Laufzeit: 450 Minuten
Genre:  
Publikum: ab 16 Jahren 
Einschränkungen:  
 

José Garcia

 

Die Bedrohung durch den Terrorismus nach dem 11. September 2001 spielt in der filmischen Fiktion naturgemäß insbesondere in US-amerikanischen Spielfilmen eine große Rolle. Aber auch in europäischen Filmen, etwa in den in Berlin angesiedelten "A Most Wanted Man" und "Berling Falling", wird die Gefahr eines terroristischen Anschlages heraufbeschworen. Handelt "Berlin Falling" von einem mit den Taliban sympathisierenden Einzeltäter, der einen Anschlag auf den Berliner Hauptbahnhof plant, so führt der nach einer Romanvorlage von John Le Carré realisierte "A Most Wanted Man" direkt in die Welt der global operierenden Geheimdienste, wobei der Film außerdem moralische Fragen im Zusammenhang mit der Terroristenbekämpfung aufgreift.

Die dänisch-schwedisch-deutsche Fernsehserie "Greyzone - No Way Out", die zwar ZDFneo vom 13. September bis zum 11. Oktober in Doppelfolgen ausstrahlt, aber bereits in der ZDF-Mediathek vollständig abrufbar ist, erzählt von einer Kooperation europäischer Länder im Kampf gegen mögliche Terroranschläge auf europäischem Boden. Die Drehbuchautoren Oskar Söderlund und Morten Dragstedt sowie die Regisseure Jesper W. Nielsen (Folgen 1-5), Fredrik Edfeldt (Folgen 6-8) und Jörgen Bergmark (Folgen 9-10) verknüpfen zwei Erzählstränge miteinander.

Im Hafen von Göteborg macht die schwedische Polizeibeamtin Eva Forsberg (Tova Magnusson) eine erschreckende Entdeckung: Auf der Spur von Waffenschmugglern findet das Mitglied des schwedischen Nachrichtendienstes SÄPO in einem in der Ladefläche versteckten Fach eines aus Deutschland eingereisten Lkws einen Sprengkopf, der offensichtlich von einer Flugabwehrrakete in einer NATO-Basis gestohlen wurde. Die Polizistin erschießt einen der Täter, aber der Lkw-Fahrer entkommt verletzt. Den gilt es zu finden, will der Geheimdienst erfahren, für wen der Sprengkopf bestimmt war. Unter Eva Forsbergs Leitung wird ein dänisch-schwedisches Team zusammengestellt, zu dem Henrik Dalum (Lars Ranthe) und Jesper Lassen (Joachim Fjelstrup), Mitglieder des dänischen Inlandsnachrichten- und Sicherheitsdienstes PET, gehören. Im Mittelpunkt des zweiten Handlungsstrangs steht die Softwareentwicklerin Victoria Rahbeck (Birgitte Hjort Sorensen). Nachdem sie in Frankfurt einen Vortrag über die Steuerungssysteme für Drohnen ihrer schwedischen Firma "SparrowSat" gehalten hat, kommt ihr ehemaliger Kommilitone Iyad Adi Kassar (Ardalan Esmaili) auf sie zu. Das Wiedersehen mit dem attraktiven Iyad, den sie seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hatte, macht ihr offenbar Freude. Deshalb sagt sie gerne zu, als Iyad sie bittet, für eine Fachzeitschrift mit ihr ein Interview zu führen. Da ihr einstiger Mitstudent demnächst nach Kopenhagen muss, wo Victoria lebt, lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. Einige Tage später erscheint Iyad tatsächlich bei Victoria, als gerade ihr sechsjähriger Sohn Oskar (Virgil Katring-Rasmussen) zusammen mit ihrem Ex-Mann zu einem Kurzurlaub nach Paris geflogen sind. Victoria kann noch nicht ahnen, dass diese Begegnung ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen wird.

Zunächst verlaufen die beiden Handlungsstränge parallel. Die Drehbuchautoren nehmen sich Zeit, um sie miteinander zu verknüpfen. Das gehört zur Dramaturgie einer zehnteiligen Serie, um eine ganze Reihe Figuren und Konflikte einzuführen. Im Vergleich zu anderen Fernsehserien fällt bei "Greyzone - No Way Out" eine schlüssig einheitliche Handlung auf, die sich nicht in Nebenschauplätzen auflöst. Dies gilt etwa ebenfalls für die Kameraführung, obwohl jeder Regisseur seinen eigenen Kameramann mitbringt: Erik Zappon (Folgen 1-5), Linus Eklund (Folgen 6-8) und Erik Molberg Hansen (Folgen 9-10) gelingen kinotaugliche Bilder, die von einer spannungsreichen, sich jedoch nie in den Vordergrund drängenden Musik (Henrik Lindstrand) sowie von einem zwar dynamischen, aber keineswegs überdrehten Schnitt unterstützt wird. Darüber hinaus erweisen sich Birgitte Hjort Sorensen und Tova Magnusson als Idealbesetzungen für die beiden starken Frauenrollen von "Greyzone - No Way Out".

Die Inszenierung folgt zwar der Tradition des skandinavischen "Film noir", ohne jedoch eine ganz so düstere Stimmung wie etwa in den Verfilmungen der Stieg Larsson-Trilogie "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" (alle 2009) oder zuletzt in der ebenfalls deutsch-dänisch-schwedischen Koproduktion "Die Nile Hilton Affäre". Obwohl die Handlung beziehungsweise die Figurenzeichnung nicht ganz ohne Klischees auskommt, überzeugen nicht nur die Erzählweise, sondern auch die darin verhandelten Themen ? von der hochaktuellen Diskussion um den Einsatz von Drohnen bis zu den allgemein gültigen moralischen Fragen, die sich nicht nur eine der Hauptfiguren im Zusammenhang mit der Bedrohung der eigenen Familie, sondern auch der Staatsapparat in seinen Geheimdienstaktivitäten und in der Terrorismusbekämpfung stellen muss. "Greyzone - No Way Out" stellt außerdem unter Beweis, dass europäische Serien-Produktionen mit ihren US-amerikanischen Konkurrenten mithalten können.


"Greyzone - No Way Out". Zehnteilige Fernsehserie à 45 Minuten. In der ZDF-Mediathek verfügbar.

 

Foto: ZDF, Agnete Schlichtkrull

Im Kino: 10/2018 - Auf DVD: 0/0.