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José García Foto: Ascot Elite ![]() Durch die Berge streifen allerdings nicht nur Sebastian und Belle sowie die Jäger auf der Suche nach der Bestie. Die Nähe zur Schweiz zieht Menschen ins Dorf an, die vor den Nazis fliehen, die im Jahre 1943 Frankreich zum Teil besetzen. Einer der Fluchthelfer ist der Arzt Guillaume (Dimitri Storoge), der auf die schöne Angélina, Sebastians Tante, ein Auge geworfen hat. Die Lage verkompliziert sich, als der deutsche Leutnant Peter (Andreas Pietschmann), der Flüchtlinge aufspüren und den Fluchthelfer im Dorf entdecken und verhaften soll, ebenfalls an Angélina Interesse bekundet. Nicolas Vaniers Spielfilm Belle & Sebastian basiert auf der gleichnamigen sechziger Jahre-Fernsehserie nach Cécile Aubrys Kinderbuch, die ab 1968 auch in Deutschland zu sehen war. Die erste Kino-Verfilmung der ehemaligen Fernsehserie durch den vorwiegend als Dokumentarfilmer bekannten Nicolas Vanier besticht durch die beeindruckenden Bilder einer ursprünglichen Berglandschaft. Bereits die ersten, von einer erhabenen Musik untermalten Aufnahmen mit einem Adler und den dazu gehörigen Ansichten der schneebedeckten Alpen an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz aus der Vogelperspektive sowie die ausgesuchten Bilder eines schroffen Felsvorsprungs etablieren den hohen Anspruch, den Kameramann Éric Guichard an seine Arbeit stellt. Dagegen nimmt sich das Drehbuch von Regisseur Vanier und seinen Co-Autoren Juliette Sales und Fabien Suarez manchmal gewissermaßen holprig aus. Die Verlegung der Handlung, die in der Fernsehserie in den sechziger Jahren angesiedelt war, in die Vierziger und damit in die Zeit der Besatzung durch Nazi-Deutschland erlaubt, die wunderbare Freundschaft zwischen dem Jungen und Belle mit dem historischen Hintergrund zu verknüpfen. Die Drehbuchautoren widerstehen bei der Figurenzeichnung der Versuchung einer Schwarzweiß-Malerei. Denn im Dorf sind nur wenige Franzosen bereit, gegen die Besatzung aufzubegehren und den Flüchtlingen zu helfen. Trotz ihrer Abneigung gegen die Besatzer sind die meisten einfach angepasst. Auf der anderen Seite gibt es auch den guten Deutschen, der im Geheimen Widerstand leistet. Zwar spielt der Nebenstrang mit der deutschen Besatzung und der Fluchthilfe eine bedeutende Rolle in Belle & Sebastian. Nicolas Vanier schafft es jedoch, die Beziehung zwischen dem zehnjährigen Jungen und dem riesigen Hund in den Mittelpunkt seines Filmes zu stellen. So sind immer wieder Szenen zu sehen, in denen Belle und Sebastian in den Bergen einfach nur herumtollen. In für Kinderfilme typischer Manier ziehen Erwachsene nicht nur gegen Sebastian, sondern auch gegen Belle den Kürzeren, etwa wenn die Hündin deutschen Soldaten konfiszierte Würste einfach stibitzt. Auch wenn die Verknüpfung der zwei Handlungsstränge nicht immer ganz gelingt, ist es ein Verdienst von Regisseur Vanier, diese Lausbuben-Sequenzen mit den ernsten historischen Tatsachen verwoben zu haben. Bei der Verleihung des Prädikats besonders wertvoll unterstrich die Filmbewertungsstelle Wiesbaden diesen Aspekt: Der Film übermittelt auch ein Hohelied auf den Humanismus. In diesem authentischen Bergdorf leben Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens jüdischen Flüchtlingen über die Grenze helfen. Damit erzählt der Film zugleich einen Teil der Geschichte Frankreichs und öffnet einen differenzierenden Blick auf die deutschen Besetzer und diesen Abschnitt des Zweiten Weltkriegs. Dem jungen Publikum wird dadurch ein Zugang zu einem Abschnitt europäischer Geschichte eröffnet, und dies in keineswegs verharmlosender Weise. Über das natürliche Spiel von Félix Bossuet als Sebastian und die nuancierte Darstellung des brummigen Alten mit dem Herzen auf dem rechten Fleck durch den bekannten französischen Schauspieler Tchéky Karyo hinaus gelang den Filmemachern ein besonderer Coup: Der Jäger André wird von Mehdi dargestellt, der vor 45 Jahren in der Fernsehserie Sebastian verkörperte, und der außerdem der Sohn der Kinderbuchautorin Cécile Aubrey ist, auf deren Buch sowohl die Fernsehserie als auch Nicolas Vaniers Spielfilm basieren. |
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