PICKNICK MIT BÄREN | A Walk in the Woods
Filmische Qualität:   
Regie: Ken Kwapis
Darsteller: Robert Redford, Nick Nolte, Emma Thompson, Mary Steenburgen, Rei Dave, Kristen Schaal
Land, Jahr: USA 2015
Laufzeit: 98 Minuten
Genre: Komödien/Liebeskomödien
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: D
im Kino: 10/2015
Auf DVD: 2/2016


José García
Foto: Aalmode

Der bekannte Reiseschriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) findet sein Rentnerdasein ziemlich langweilig. Gerade eben bekam er es bei einem Fernsehinterview wieder einmal zu spüren: Der Interviewer stellt ihm nicht nur lauter einfallslose Fragen, sondern lässt ihn auch kaum aussprechen. Die im Anschluss daran stattfindende Beerdigung, an der er widerwillig auf Drängen seiner Frau Catherine (Emma Thompson) teilnimmt, hebt auch nicht gerade seine Stimmung. Zufällig entdeckt Bryson ein Schild, das auf den Wanderweg „Appalachian Trail“ hinweist. Der Reiseschriftsteller will es noch einmal wissen. Er setzt sich in den Kopf, den 3 515 Kilometer langen „Appalachian Trail“, der im Nordosten der Vereinigten Staaten vom Springer Mountain im US-Bundesstaat Georgia bis zum Mount Kathadin in Maine verläuft, zu bezwingen.

Den Widerstand seiner Frau gegen ein solches Unternehmen kann er nur brechen, indem er auf Catherines Bedingung eingeht: Den Wanderweg in Begleitung zu meistern. Alle Versuche, einen seiner Freunde dazu zu bewegen, einen der längsten Wanderwege der Welt auf sich zu nehmen, scheitern jedoch. Plötzlich meldet sich aber bei Bill Bryson ein alter Freund aus Jugendjahren, der über Dritte von Brysons Vorhaben gehört hat. Als aber Stephen Katz (Nick Nolte) aus dem Flugzeug aussteigt, stellt es sich heraus, dass der ehemalige Alkoholiker Katz nicht nur viel zu dick, sondern auch ziemlich abgewrackt ist. Dennoch machen sich die beiden auf den Weg.

Bereits zu Beginn des von einem Torbogen markierten Appalachen-Wegs auf einem nie enden wollenden ansteigenden Bergpfad verlassen Stephen die Kräfte. Nur sehr langsam schleppt er sich den Anstieg hinauf. Aber aufgeben will er auf gar keinen Fall, obwohl auch seine Ausrüstung im Gegensatz zu Brysons Equipment alles andere als perfekt ist. Die Alten werden immer wieder von jüngeren Wanderern überholt, aber das macht ihnen nichts aus: Hauptsache, sie marschieren immer weiter. So geht es weiter durch Schneestürme, Wildbäche und durch eine atemberaubende Landschaft. Meistens gehen sie alleine. Hin und wieder gesellt sich jemand zu ihnen, so etwa die regelrechte Nervensäge Mary Ellen (Kristen Schaal), die von sich behauptet, sie wolle am liebsten allein gehen, weil sie alle anderen Menschen langweilig findet, sich aber in Wirklichkeit an die zwei Alten wie eine Klette heftet. Zu den weiteren Episoden zählen etwa auch ein Aufenthalt in einem Motel, bei dem Bill die Bekanntschaft der bezaubernden Motelbesitzerin Jeannie (Mary Steenburgen) macht, sowie Annährungsversuche an eine schlanke Dame im Waschsalon. Irgendwann einmal bekommen die ältlichen Wanderer natürlich auch den Besuch der titelgebenden Bären.

„Picknick mit Bären“ basiert auf dem autobiografischen Reisebericht „A Walk in the Woods: Rediscovering America on the Appalachian Trail“ (1997, auf Deutsch: „Picknick mit Bären“, 1999) von Bill Bryson. Robert Redford verkörpert den Buchautor: Er lebt - wie der Autor zur Zeit der Abfassung des Buches - in Hanover, New Hamshire, und ist mit einer britischen Krankenschwester verheiratet (die allerdings in der Wirklichkeit Cynthia heißt). Dennoch besteht ein Unterschied: Als Brysons Buch erschien, war der Autor 45 Jahre alt. Robert Redford ist dagegen inzwischen 78, Nick Nolte 74 Jahre alt. In der Verfilmung spielt denn auch die Reflexion über das Altern eine zentrale Rolle.

Eine Wanderung durch die Wildnis als Läuterung, sozusagen die säkularisierte Spielart einer Wallfahrt, wurde zuletzt in Jean-Marc Valles Spielfilm „Der große Trip � Wild“ (DT vom 17. Januar) thematisiert, in dem eine von Reese Witherspoon verkörperte junge Frau die Strapazen des Pacific Crest Trail - der spiegelbildliche US-Wanderweg zum Appalachian Trail - als S�hne auf sich nahm. So ganz tiefgründig sind die Motive von Bill Bryson und Stephen Katz zwar nicht, obwohl Stephens Exzessen-Vergangenheit dies schon andeuten könnte. Wie die junge Frau nach ihrer Wandererfahrung im �u�ersten Westen der Vereinigten Staaten werden auch die �ltlichen Wanderer im �u�ersten Osten aus ihrem Trip verwandelt zur�ckkommen. Auch sie m�ssen nicht nur �u�ere Hindernisse, sondern vor allem sich selbst �berwinden.

In �Picknick mit B�ren� steht die innere Reise, der Wandel der Wanderer insbesondere auch im Zusammenhang mit ihrer Freundschaft. Zwar waren Bill Bryson und Stephen Katz Studienfreunde. Seitdem ist allerdings viel Zeit vergangen. Sie haben sich nicht nur aus den Augen verloren, sondern auch ganz unterschiedlich entwickelt, sodass sie zu Beginn der Wanderung noch kaum Gemeinsamkeiten haben.

Zwar nimmt sich die Handlung von �Picknick mit B�ren� episodenhaft und mit Slapstickeinlagen durchsetzt aus. Die von Kameramann John Bailey eingefangenen Landschaftsbilder und vor allem die Schauspielkunst der zwei Leindwandveteranen, die gegens�tzlicher kaum wirken k�nnten, �berzeugen jedoch: Stellt Nick Nolte seinen Stephen Katz als griesgr�migen Polterer dar, so setzt Robert Redford auf minimalistische Gesten und Blicke, womit sich die beiden hervorragend erg�nzen. Dadurch wirken die Dialoge und manche Witze nat�rlich.

Zur Schauspielkunst passen auch die inhaltliche Themen, die �Picknick mit B�ren� anspricht: das �lterwerden, Treue � Bill bekennt Frauenheld Stephen irgendwann einmal, dass er in den letzten vierzig Jahren seiner Frau die Treue gehalten hat � und vor allem Freundschaft.
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