EIN HOLOGRAMM FÜR DEN KÖNIG | A Hologram For The King
Filmische Qualität:   
Regie: Tom Tykwer
Darsteller: Tom Hanks, Alexander Black, Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen, Tom Skerritt, David Menkin, Megan Maczko, Christy Meyer, Ben Whishaw
Land, Jahr: Deutschland/ Großbritannien 2016
Laufzeit: 98 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: X
im Kino: 5/2016
Auf DVD: 9/2016


José García
Foto: X-Verleih

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Dave Eggers erzählt "Ein Hologramm für den König" (Drehbuch und Regie: Tom Tykwer) vom 54-jährigen Alan Clay (Tom Hanks), der gerade seine Arbeitsstelle in den Vereinigten Staaten verloren hat. Denn nachdem Clay die Produktion von Schwinn-Fahrrädern nach China ausgelagert hatte, führten die Chinesen die Fahrradproduktion in Eigenregie fort - zu einem niedrigeren Preis. Privat läuft es für Alan auch nicht besser, wurde seine Ehe doch gerade eben geschieden. Der Job, der Clay nach Saudi-Arabien bringt, kommt ihm deshalb willkommen. Denn damit könnte er wenigstens für die Studiengebühren seiner Tochter Rachel (Megan Maczko) aufkommen. Der IT-Spezialist soll König Abdullah für eine mitten in der Wüste neu entstehende Wirtschaftsmetropole ein innovatives Kommunikationssystem mit Hologrammanwendung begeistern.

Der Aufenthalt in Saudi-Arabien beginnt für Clay alles andere als reibungslos. Gleich am ersten Morgen verschläft er wegen des Jetlags, so dass der IT-Experte den Shuttlebus verpasst, der ihn und sein Team vom Hotel zur entstehenden Stadt bringen soll. Daher nimmt Alan Clay die Dienste des einheimischen Privatfahrers Yousef (Alexander Black) in Anspruch. Versäumt hat er allerdings nicht allzu viel. Denn der König kommt an dem Tag nicht. Dadurch hat der IT-Spezialist wenigstens Zeit, sich um die Arbeitsbedingungen seines Teams zu kümmern. Denn ohne richtige W-Lan-Verbindung und Klimaanlage in einem Zelt mitten in der Wüste zu arbeiten, ist für die Vorbereitungen auf die Präsentation nicht gerade förderlich. So macht sich Alan Clay auf den Weg ins Verwaltungsgebäude. Damit beginnt ein kafkaesk anmutender Wettkampf gegen die saudi-arabische Bürokratie. Einen Tag nach dem anderen wartet Alan Clay vergeblich auf den erhofften Auftraggeber. Seine Mission droht, sich in eine Neuauflage des "Und täglich grüßt das Murmeltier" (Harold Ramis, 1993) oder des "Warten auf Godot" zu verwandeln: Ein ums andere Mal heißt es, der König würde am nächsten Tag kommen. Ein ums andere Mal fährt Clay deshalb mit Yousefs Privattaxi durch die Gegend, wodurch er aber Land und Leute kennenlernt.

Im Verwaltungsgebäude der Geisterstadt lernt er auch die dänische Geschäftsfrau Hanne (Sidse Babett Knudsen) kennen, die ihn mit den Gepflogenheiten der Wirtschaftswelt im Gastland vertraut macht. Deren Annäherungsversuchen während einer Feier in der dänischen Botschaft mit reichlich Alkohol- und Drogenkonsum widersetzt sich Alan Clay allerdings. Die Stresssituation, in der sich der amerikanische Geschäftsmann befindet, hat psychosomatische Auswirkungen: Alan Clay bekommt eine Zyste im Rücken, die er von der Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) operativ entfernen lässt. Aus der zufälligen Begegnung wird jedoch bald mehr: Clay beginnt, sich für Zahra zu interessieren, was auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint.

Dadurch gerät Clays Auftrag aber auch zunehmend in den Hintergrund. "Ein Hologramm für den König" entwickelt sich immer mehr zu einem "Culture-Crash-Film", der die kulturellen Unterschiede mal plakativ, mal subtiler ins Bild setzt. Frank Griebe, der seit "Die tödliche Maria" (1993) bei so gut wie allen Tom-Tykwer-Filmen die Kamera geführt hat, fängt die flimmernde Wüste, den strahlend blauen Himmel auf der einen sowie die funkelnden Fassaden der Hochhäuser in der Stadt auf der anderen Seite in üppigen Bildern ein. Mit dem Zusammenstoß der Kulturen geht ebenfalls eine Neuorientierung, eine Sinnsuche einher, die Alan Clay aus der Lebenskrise herausführen könnte.

Tom Hanks verkörpert den US-amerikanischen Geschäftsmann, der sich in einer fremden Kultur zurechtfinden muss, mit einer Mischung aus Resignation, Naivität und Staunen über die ihm unbekannte Welt sowie über seine eigene Entwicklung. Zuweilen erinnert er deshalb an den im Transitbereich eines US-amerikanischen Flughafens eingesperrten Viktor Navorski aus der fiktiven Ostrepublik Krakozhia, den Tom Hanks in Steven Spielbergs "Terminal" (2004) darstellte. Wie Viktor Navorski bleibt auch Alan Clay zwischen zwei Welten gefangen. Die groteske Situation spiegelt sich sowohl in ?Terminal? als auch in "Ein Hologramm für den König" Hanks Gesicht wider. Die Mimik und die Blicke Tom Hanks tragen zum größten Teil den Film.

Auf amüsante, im Subtext aber auch auf ernste Weise kritisiert Tykwers Film sowohl die amerikanische als auch die arabische Gesellschaft. "Wir haben keine Gewerkschaft - wir haben Filipinos", heißt es beispielsweise einmal. Obwohl in Saudi-Arabien offiziell Alkoholverbot gilt, gibt es ebenso Mittel und Wege, solchen zu besorgen. Und die Ungleichstellung der Frau in der islamischen Gesellschaft wird ebenso angesprochen. Die allgegenwärtige Maxime der Kostenreduzierung in der westlichen Wirtschaft schneidet jedoch nicht viel besser ab. Nicht umsonst hat gerade die Produktionsverlagerung nach China Alan Clay arbeitslos gemacht. Dies alles zeigt ?Ein Hologramm für den König? jedoch nicht auf eindringliche Weise. Denn Tykwers Film ist alles andere als eine mit dem Zeigefinger vorgebrachte Kapitalismuskritik, sondern eher eine leichtfüßige Komödie, die aus der absurden Lage, in der sich der IT-Experte und sein Team befinden, immer wieder Situationskomik entstehen lässt. Nur die romantische Liebesgeschichte wirkt etwas aufgesetzt. "Ein Hologramm für den König"verknüpft witzige mit ernsten Elementen, eine Komödie über den Zusammenstoß der Kulturen mit der Suche nach einem neuen Lebenssinn.
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