ERLÖSUNG - FLASCHENPOST VON P | Flaskepost fra P
Filmische Qualität:   
Regie: Hans Petter Moland
Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Jakob Oftebro, Pål Sverre Hagen, Jacob Lohmann, Amanda Collin, Johanne Louise Schmidt
Land, Jahr: Dänemark 2016
Laufzeit: 112 Minuten
Genre:
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: G, X
im Kino: 6/2016
Auf DVD: 11/2016


José Garcia
Foto: NFP / Henrik Ohsten

Die Romane aus der "Sonderdezernat Q: Carl Mørck"-Reihe des 1950 geborenen dänischen Schriftstellers Jussi Adler-Olsen sind auch im deutschsprachigen Raum äußerst erfolgreich. Die sechs bisher erschienenen Bücher gingen mehr als fünf Millionen Mal über den Ladentisch. In den letzten Jahren wurden die zwei ersten Romane außerdem für die große Leinwand adaptiert: "Erbarmen" ("Kvinden i Buren", 2013) und "Schändung" ("Fasandraeberne", 2014). Nun startet im Kino die Verfilmung des dritten Carl Mørck-Falls mit dem Titel "Erlösung - Flaschenpost von P" ("Flaskepost fra P"). Hatte in den zwei ersten Adler-Olsen-Verfilmungen Mikkel Noergaard Regie geführt, so nimmt bei "Erlösung - Flaschenpost von P" der norwegische Filmemacher Hans-Petter Moland Platz auf dem Regiestuhl. Das Drehbuch stammt allerdings von Nikolaj Arcel, der bereits die Drehbücher zu den ersten beiden Verfilmungen verfasste.

Mit der titelgebenden Flaschenpost beginnt nun die dritte Carl Mørck-Verfilmung denn auch. In einer schnellgeschnitten, mit Spannungsmusik untermalten Sequenz schickt ein Junge eine Flaschenpost auf den Weg. Nach einem Schnitt ist nur noch ein Skelett zu sehen. Offenbar erst Jahre später wird die Flasche gefunden. Darin befindet sich in einer kaum entzifferbaren Schrift ein mit Blut geschriebener Hilferuf. Der Fall landet auf Carl Mørcks (Nikolaj Lie Kaas) Tisch, der sich allerdings noch von den früheren Fällen sehr mitgenommen, ja geradezu verstört zeigt. Deshalb nehmen Moercks Kollege Assad (Fares Fares) und Assistentin Rose (Johanne Louise Schmidt) die Schrift des Hilferufs ins Augenschein. Offenbar stammt sie von einem Kind. Dem ist es zu entnehmen, dass der schreibende Junge, von dessen Namen lediglich der Anfangsbuchstabe "P" entziffert werden kann, und sein Bruder entführt wurden. Und offensichtlich schwamm diese Flasche schon einige Jahre im Wasser. Allerdings dürfte es nicht allzu schwer sein, herauszufinden, bei wem es sich um"P" handelt. So fragt Mørck seinen Kollegen: "Weißt Du, wie viele Kinder in den letzten Jahren spurlos verschwunden sind? - Zwei!" Und einer von ihnen hieß Poul.

Die Spur führt nach Jütland. Dort, auf dem platten Land, hat der Zuschauer bereits eine Familie kennengelernt. Da sind es zunächst Kinder, die ein eigenartiges Gebet sprechen, bei dem sie von "Deinen Auserwählten" reden. Bald stellt sich heraus, dass die Familie zu einer Sekte mit dem Namen "Die Jünger des Herrn" gehört. Mitten beim Abendessen erhalten sie Besuch vom jungen Missionar Johannes (Paal Sverre Hagen), der bei Elias (Jacob Lohmann) und seiner Frau Rakel (Amanda Collin) als guter Freund, bei den Kindern Magdalena (Olivia Terpet Gammelgaard) und Samuel (Jasper Friis Moeller) als jovialer Onkel auftritt. Allerdings wollte er damit lediglich das Vertrauen der Familie gewinnen. Am nächsten Morgen überredet er die Kinder, in sein Auto einzusteigen. Und auf einmal sind Magdalena und Samuel verschwunden.

Weil jemand dies beobachtet hatte und es der Polizei meldete, beschäftigen sich die Kommissare der Abteilung Q mit beiden Fällen gleichzeitig. Der Jahre alte Fall und die gegenwärtige Kindesentführung weisen deutliche Parallelen auf. Nur: Warum haben damals Pouls Eltern das Verschwinden ihres Kindes nicht angezeigt? Warum behaupten Elias und Rakel, dass ihre Kinder bei einer Tante in Schweden seien? Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Fällen findet Rose heraus: Die Kinder gehören zu strengen freikirchlichen Gemeinden, und sie verschwinden in zeitlicher Nähe zu kirchlichen Feiertagen. Auf einmal steht Religion im Mittelpunkt - auch bei den Gesprächen zwischen dem sich als Atheisten ausgebenden Mørck, der durch die erlittenen Verwundungen eine geradezu nihilistische Weltsicht vertritt, und dem Gläubigen Assad, der in allem einen Sinn erkennt und eine felsenfeste Zuversicht ausstrahlt. Dass der hartgesottene Polizist Carl Mørck am Ende bei einer Trauerfeier gerührt in den Gesang einfällt, kann ebenfalls als "Erlösung" angesehen werden.

Die Gespräche zwischen den beiden nuanciert gezeichneten Figuren gehören zu den Stärken von "Erlösung - Flaschenpost von P". Leider wird in die Zeichnung des Psychopathen Johannes nicht so viel Sorgfalt investiert. Immerhin erfährt der Zuschauer, dass er in seiner Kindheit unter seiner religiös irregeleiteten Mutter litt. Seitdem führt er einen regelrechten Krieg gegen Gott. Dabei fallen für einen Thriller sehr bemerkenswerte Sätze, insbesondere weil sie mit vollem Ernst gesprochen werden: "Ich bin einer der Söhne Satans". Johannes habe sich dem Teufel verschrieben, nachdem er ein schreckliches Verbrechen begangen habe. Auf die Frage, warum er gerade Kinder aus gläubigen Familien entführt, antwortet der Serientäter: "Wir werden Gott besiegen, indem wir den Menschen ihren Glauben nehmen".

Die Dramaturgie von "Erlösung - Flaschenpost von P" leidet indessen darunter, dass die Identität des Entführers sehr früh enthüllt wird - deswegen wird sie hier auch in aller Offenheit angesprochen. Regisseur Hans Petter Moland versucht, trotz dieser Hypothek beispielsweise dadurch Spannung zu erzeugen, dass die Ereignisse der Vergangenheit mit denen aus der Gegenwart gegengeschnitten werden, oder auch durch ausgesuchte Landschaftsaufnahmen etwa von Rapsfeldern und durch Einstellungswechsel des Kameramanns John Andreas Andersen. Darüber hinaus greift er auf genreübliche Kniffe zurück, so etwa spannungsgeladene Verfolgungen, bei denen der Entführer der Polizei stets einen Schritt voraus ist.
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