ROGUE ONE: A STAR WARS STORY | Rogue One: A Star Wars Story
Filmische Qualität:   
Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Riz Ahmed, Donnie Yen, Ben Mendelsohn, Forest Whitaker, Mads Mikkelsen, Jimmy Smits, Genevieve O´Reilly, James Earl Jones (Stimme von Darth Vader), Anthony Daniels
Land, Jahr: USA 2016
Laufzeit: 133 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 12/2016


José García
Foto: Disney

Seit beinah vier Jahrzehnten, als "Krieg der Sterne" (1977) das Licht der Kinos erblickte, beginnt jeder "Star Wars"-Film mit der Aufschrift "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis" in grüner Farbe. So auch jetzt im gerade im Kino angelaufenen "Rogue One: A Star Wars Story" von Chris Weitz und Tony Gilroy (Drehbuch) sowie Gareth Edwards (Regie). Allerdings ist "Rogue One" kein Teil der eigentlichen "Star Wars"-Saga (bislang Episoden I bis VII), die eine fortlaufende Geschichte rund um die Familie Skywalker erzählt, sondern ein in sich abgeschlossenes Abenteuer als ein Nebenstrang der Saga.

Chronologisch gehört die Handlung des gerade im Kino angelaufenen Films in die Zeit unmittelbar vor "Episode IV — Eine neue Hoffnung" (so wurde später der eingangs erwähnte "Krieg der Sterne" wegen seiner Einordnung in das Gesamtepos umbenannt), nachdem in "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" (2005) Anakyn Skywalker endgültig der dunklen Seite der Macht verfiel und sich in den dunklen Lord "Darth Vader" verwandelte. Vielleicht deshalb fehlt im Vorspann von "Rogue One" der berühmte, von der "Star Wars"-Fanfare untermalte Lauftext, der in steilem Winkel von unten nach oben durchs Bild läuft, bis er in einem entfernten Sternenhimmel wieder verschwindet.

Episode IV begann mit Prinzessin Leia Organas Hilferuf an Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi, wobei sie die Baupläne des sogenannten "Todessterns" im Druiden R2-D2 versteckte. Daran soll "Rogue One" anschließen — dass der Zuschauer weiß, wie der neue Film eigentlich enden soll, tut der Spannung jedoch keinen Abbruch. Denn "Rogue One" erzählt eine eigenständige Geschichte. Sie beginnt mit einer Einführung, die sich etwa 15 Jahre vor den Hauptereignissen im Film abspielt.

Galen Erso (Mads Mikkelsen) lebt zurückgezogen als Farmer — der erste der zahlreichen Querweise von "Rogue One". Denn Luke Skywalker lernte der Zuschauer 1977 als Farmer kennen, ehe er sich zusammen mit Obi-Wan nach Alderaan aufmachte. Galen Erso wird von imperialen Truppen aufgesucht: Direktor Orson Krennic (Ben Mendelsohn) braucht die Hilfe des Wissenschaftlers, um den Todesstern zu Ende zu bauen, eine mächtige Waffe, mit der die ganze Galaxis unterjocht und jede Rebellion unterdrückt werden soll. Ersos Frau Lyra (Valene Kane) wird getötet, aber seine kleine Tochter Jyn kann fliehen. Sie wird vom Rebellen Saw Gerrera (Forest Whitaker) gerettet. Der gesetzlose Rebell Gerrera — dessen Name nicht zufällig an (Ché) Guevara erinnert — wird dem Zuschauer später wieder begegnen.

Ebenso Jyn. Denn die eigentliche Handlung von "Rogue One" beginnt, als Jyn (Felicity Jones) etwa 15 Jahre später vom Rebellen-Geheimdienstler Cassian Andor (Diego Luna) aus den Fängen des Imperiums befreit wird. Durch den abtrünnig gewordenen Piloten des Imperiums Bodhi (Riz Ahmed) haben die Rebellen vom Bau des Todessternen erfahren. Zusammen mit dem geschwätzigen Druiden K-2SO sowie mit einigen wenigen Rebellen, allen voran dem blinden Chirrut Îmwe (Donnie Yen) und seinem Gefolgsmann Baze Malbus (Wen Jiang), machen sich Bodhi, Cassian und Jyn auf, um an die Baupläne des Todessterns zu gelangen.

Nimmt sich die Handlung von "Rogue One" eher schlicht aus, so liegt der Reiz des Filmes von Gareth Edwards in der Frage, wie sich dieser "Neben der Reihe"-Film inhaltlich und visuell ins gesamte Epos einfügt. Inhaltlich beantwortet er die Frage, wie die Baupläne des Todessterns in die Hand der Rebellen fielen und wieso diese vom Imperium als unschlagbar angesehene Waffe doch noch eine Schwachstelle aufweisen konnte. Mit dem Gesamtepos hat "Rogue One" ebenfalls das Motiv des von den Eltern getrennt aufgewachsenen Kindes, das für die Rebellen eine Schlüsselstellung übernimmt, gemeinsam. Jyn folgt darin Luke und Rey ("Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht"). Eine Brücke zu den Filmen der Sternensaga bilden auch bekannte Gestalten, etwa Leias Stiefvater Senator Bail Organa und Mon Mothma, die erneut von Jimmy Smits beziehungsweise von Genevieve O´Reilly gespielt werden, oder auch diese zwei Gestalten aus der Schmugglerbar am Raumhafen Mos Eisley (in "Episode IV"), die hier kurz auf der Leinwand zu sehen sind.

Wichtiger nimmt sich jedoch das visuelle Gesamtkonzept aus. "Rogue One" sieht genau so aus, wie George Lucas seinen ersten "Krieg der Sterne" gedreht hätte, wenn ihm die heutigen technischen Möglichkeiten zur Verfügung gestanden hätten. Die Weltraumszenen mit den imperialen Sternenkreuzern oder auch Jägern, die X-Wings der Rebellen ... alles wirkt von der Beleuchtung und der Kameraführung her wie in der ersten Trilogie 1977-1983, nur eine Spur realistischer und bedrohlicher. Dazu kommen die detailgetreu nachgebauten Kulissen etwa des Rebellenstützpunktes. Allerdings enttäuscht die Filmmusik von Michael Giacchino ... es sei denn, sie variiert die Originalthemen von John Williams.

Realistischer, weniger märchenhaft sind auch die Charaktere, die sich teilweise in Grauzonen bewegen. Cassian entwickelt sich vom skrupellosen Spion, dem alle Mittel recht sind, zum idealistischen Kämpfer. Erst als er seine Menschlichkeit wiederentdeckt, kann zu ihm gesagt werden: "Jetzt bist Du ein richtiger Rebell". Aber auch Jyn erfährt eine Katharsis, bei der ein für die "Star Wars"-Welt so bedeutendes Kind-Vater-Verhältnis eine wichtige Rolle spielt.

Übrigens: Woher der Name "Rogue One" kommt, der wörtlich übersetzt so etwas wie "Der Schurke Nummer Eins" heißen könnte, erfährt der Zuschauer selbstverständlich auch im gleichnamigen Film.
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