PASSENGERS | Passengers
Filmische Qualität:   
Regie: Morten Tyldum
Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Andy Garcia
Land, Jahr: USA 2016
Laufzeit: 116 Minuten
Genre:
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: X
im Kino: 1/2017


José Garcia
Foto: Sony

Majestätisch durchkreuzt das Raumschiff "Avalon" die Tiefen des Alls. Ein riesiges Raumfahrzeug, das in seiner elliptisch-offenen Form an die gigantische, rotierende, über der Erde schwebende Raumstation "Elysium" im gleichnamigen Film von Neill Blomkamp "Elysium" erinnert, die sich wiederum als eine Weiterentwicklung des Doppelrad-Raumschiffs in Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" (1968) ausnimmt. Eine gigantische Energiequelle und ein Hauptschild sorgen dafür, dass sich die Avalon durch Meteoritenfelder auf dem Weg zum von der Erde 120 Jahre entfernten Planeten "Homeland II" sicher fortbewegt, wo eine Kolonialwelt entsteht.

Der Spielfilm "Passengers" von Jon Spaiths (Drehbuch) und Morten Tyldum (Regie) ist in einer Zukunft angesiedelt, die in keinem Augenblick ausdrücklich genannt wird. Aus einigen Indizien lässt sie sich jedoch als eine weit entfernte Zukunft erahnen. Dazu zählen nicht nur die technischen Neuerungen — virtuelle 3D-Modelle oder auch die medizinische Kammer mit Diagnose- und Heilungsfunktion, die ebenfalls aus "Elysium" bekannt war —, sondern etwa auch die Tatsache, dass bereits eine ganze Reihe solcher Weltraum-Reisen stattgefunden haben oder dass Crew-Mitglieder mehrfach eine solche Reise unternommen haben.

Wie auch immer: Weder der genaue Zeitpunkt ist bekannt noch der Zustand, in dem sich die Erde zu diesem Zeitpunkt befindet — im Gegensatz wiederum zu "Elysium". In Neill Blomkamps Film zogen die Menschen, die es sich leisten konnten, auf die über der Erde schwebende, paradiesische Raumstation, weil sie der erschöpften Erde entkommen wollten. In "Passengers" wandern die Menschen aus den unterschiedlichen Gründen aus. An einer Stelle heißt es, es gebe so viele Gründe dafür wie Passagiere auf der Avalon. Und das sind etwa fünftausend. Sie sind vor der Reise in einen Kälte- oder "Hyperschlaf" versetzt worden, und warten in riesigen Schlafkammern auf die Landung auf "Homeland II". Genauer: Sie sollen vier Monate zuvor geweckt werden, damit sie sich auf die neuen Aufgaben auf ihrem neuen Planeten vorbereiten können. Bei Jim Preston (Chris Pratt) führt allerdings eine Fehlfunktion dazu, dass er viel zu früh geweckt wird — 90 Jahre, bevor das Space Shuttle den neuen Planeten erreichen soll.

Der Mechaniker Jim kann zunächst einmal das äußerst elegante Innere der Avalon bewundern mitsamt ihren technischen Errungenschaften. Diese erweisen sich freilich teilweise eher als Fluch denn als Segen. So gelangt Jim beispielsweise nicht auf die Kommandobrücke, weil ihm die nötige Freigabe fehlt. Alle Versuche, die trennende Tür zu öffnen, scheitern. Ebenso scheitern seine Versuche, sich erneut in den "Hyperschlaf" zu befördern. Und weil eine Nachricht an die Erde 19 Jahre und eine Antwort nochmals 36 Jahre in Anspruch nimmt, beginnt Jim, sich mit seinem Schicksal abzufinden, für immer zu reisen und niemals anzukommen, sein restliches Leben auf dem Raumschiff zu verbringen.

Jim verhält sich ähnlich wie der von Bill Murray verkörperte Phil in "Und täglich grüßt das Murmeltier" (Harold Ramis, 1993). Zwar ist er nicht in einer Zeitschleife, wohl aber in einer Aufeinanderfolge des immer selben Tages gefangen. Diese ersten Szenen, in denen der Mechaniker verschiedene Unterhaltungsangebote der Avalon ausprobiert, inszeniert Regisseur Morten Tyldum, der vor zwei Jahren mit "The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" für den Oscar nominiert wurde, mit Slapstick-Komik. Der entscheidende Unterschied zu Phil in Ramis´ Film: Jim ist allein. Sein einziger Begleiter ist der als Barkeeper arbeitende Android Arthur (Michael Sheen). Mit ihm lässt sich zwar plaudern, aber diese Unterhaltungen ersetzen richtige Gespräche mit einem menschlichen Wesen nicht. Nach einem Jahr ist Jim der Verzweiflung nahe.

Die Situation ändert sich schlagartig, als eine zweite Passagierin, die Autorin Aurora Lane (Jennifer Lawrence), ebenso aufwacht. Nach und nach verlieben sich die beiden ineinander — bis ein einschneidendes Ereignis sie einholt und der Beziehung ein jähes Ende bereitet. Sie gehen sich von nun an aus dem Weg. Sogar die Tage, an denen sich der eine oder die andere mit Arthur unterhalten darf, werden sorgfältig aufgeteilt. Doch dann geschieht etwas, was das ganze Raumschiff und damit das Leben von mehr als 5 000 Menschen in Gefahr bringt. Nun müssen Jim und Aurora zusammen eine Lösung finden.

Visuell gelingt es "Passengers", das Produktionsdesign von Guy Hendrix Dyas in Zusammenarbeit mit der Kamera von Rodrigo Prieto und der Musik von Thomas Newman zu einer atemberaubenden Welt zu vereinigen. Eindrücklich nimmt sich insbesondere eine Swimmingpool-Szene ohne Schwerkraft aus. Die ebenfalls überzeugenden Ausflüge ins All erinnern etwa an Alfonso Cuaróns "Gravity" (2013). Mit "Gravity" hat "Passengers" auch gemein, dass der Science-Fiction-Hintergrund lediglich die Folie bildet, auf der sich ein menschliches Drama abspielt.

Morten Tyldum bietet eine Mischung aus (Liebes-)Komödie und persönlichem Drama im Weltall, die nicht immer reibungslos funktioniert. Besonders bewegend ist der an die biblische Erzählung angelehnte Sündenfall ("Was habe ich getan?"). Leider bleibt die Aufarbeitung der Schuldfrage, die auf das ebenso biblische "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" folgt, eher oberflächlich. Denn Morten Tyldum benennt zwar das moralische Dilemma, vertieft es aber nicht. Im Gegensatz zu "Gravity" weichen die existenziellen Fragen eher konventioneller Action und Dramaturgie.
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