HIDDEN FIGURES - UNERKANNTE HELDINNEN | Hidden Figures
Filmische Qualität:   
Regie: Theodore Melfi
Darsteller: Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons, Glen Powell
Land, Jahr: USA 2016
Laufzeit: 126 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 1/2017


José Garcia
Foto: 20th Century Fox

Im Jahre 1961 herrscht bei der US-Weltraumbehörde NASA in Langley, Virginia Hochbetrieb. Im Jahr des Berliner Mauerbaus und ein Jahr vor der Kubakrise findet der Kalte Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion freilich auch im Weltall statt. Bereits 1958 hatte die Sowjetunion mit dem bahnbrechenden Abschuss ihres Sputnik-Satelliten ins All einen wichtigen Vorteil erzielt. Bei der NASA wurde fieberhaft an einem Weltraumprogramm mit dem Ziel gearbeitet, den ersten Menschen ins All zu befördern. Aber auch hier kamen ihnen die Sowjets zuvor: Am 12. April 1961 wurde Juri Alexejewitsch Gagarin der erste Mensch im Weltall. Mit dem Amtsantritt John F. Kennedys als Präsident der Vereinigten Staaten im Januar 1961 hofften viele seiner Landsleute, im Wettlauf gegen die Sowjetunion in diesem Bereich aufzuholen.

Zu dem Zeitpunkt, als die Berechnungen noch per Hand vorgenommen werden, gehört zum NASA-Personal in Langley eine Gruppe schwarzer Mathematikerinnen, die als Hilfskräfte Berechnungen durchführt ("Computer in Röcken"). Weil noch eine strikte Rassentrennung herrscht, die erst 1964 mit dem "Civil Rights Act" von Lyndon B. Johnson aufgehoben wurde, arbeitet diese Abteilung getrennt von den anderen Wissenschaftlern und Technikern in einem eigenen Trakt. Ihnen widmete Margot Lee Shetterly, deren Vater bei der NASA angestellt war, den Tatsachenroman "Hidden Figures", auf dem der Spielfilm von Theodore Melfi und seiner Mitdrehbuch-Autorin Allison Schroeder "Hidden Figures ? Unerkannte Heldinnen" basiert, und bei dem sich Shetterly unter den ausführenden Produzenten befindet.

Nach einer kurzen Einführung im Jahre 1926, als die kleine Katherine Johnson bereits in Mathematik heraussticht, konzentriert sich "Hidden Figures" auf drei Frauen: Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughn (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe), drei brillante Mathematikerinnen, die als Hilfskräfte Berechnungen durchführen. Als der Druck auf die für die Errechnung der Flugbahnen der Raketen zuständige "Space Task Group" größer wird ("wir können kein Weltraumprogramm verantworten, das nichts in den Weltraum befördert"), fordert deren Chef Al Harrison (Kevin Costner) Unterstützung. Vivian Mitchell (Kirsten Dunst), die Leiterin der Abteilung "Computer in Röcken", wählt für diesen Posten Katherine Johnson wegen ihrer Kenntnisse in analytischer Geometrie. Insbesondere der leitende Ingenieur Paul Stafford (Jim Parsons) stellt seine Feindseligkeit gegenüber der brillanten Analytikerin deutlich zur Schau. Denn nach und nach begreift er, dass sie ihm überlegen ist und eine Gefahr für seine eigene Stellung darstellt.

Zwar zeigt "Hidden Figures ? Unerkannte Heldinnen" die Benachteiligung und Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den 1960er Jahren bei weitem nicht so extrem wie etwa der Spielfilm "Selma", der den Widerstand der Behörden in den Südstaaten gegen ein eigentlich verbrieftes Recht in den Mittelpunkt stellt. Zwar liegt über Melfis Film eine Art Hochglanz, der zusammen mit der eindringlichen Musik von Hans Zimmer, Pharrell Williams und Benjamin Wallfisch die Ecken und Kanten glättet. Dennoch: Der Film verdeutlicht manche Absurditäten der Rassentrennung: Weil in dem Gebäude der "Space Task Group" keine Damentoilette für sie vorgesehen ist, muss Katherine das "colored bathroom" im Gebäude der Hilfskräfte aufsuchen und dafür über das halbe Gelände rennen ... bis Al Harrison persönlich dem zeitraubenden Rennen ein Ende setzt. Auch Dorothy wird ihren Kampf ausfechten, nicht nur die Arbeit einer Abteilungsleiterin auszuführen, sondern auch die Anerkennung zu erfahren, die mit der offiziellen Verleihung des Titels einhergeht. Ihre Stunde schlägt, als die NASA den ersten Computer erwirbt, und sie als Einzige ihn zum Laufen bringen kann. Von den drei im Mittelpunkt des Filmes stehenden Frauen wird jedoch lediglich die private Geschichte der Katherine näher beschrieben: Als Witwe findet sie in dem Soldaten Jim Johnson (Mahershala Ali) einen treuen Ehemann, der sie als Wissenschaftlerin respektiert und der ihren drei Kindern ein guter Ersatzvater wird.

Trotz überraschungsarmer Handlung, was nicht nur an den historischen Tatsachen, sondern insbesondere auch an einer eher altbackenen Hollywood-Dramaturgie liegt, überzeugen in "Hidden Figures ? Unerkannte Heldinnen" die drei charmanten Hauptdarstellerinnen, die von einem ebenso glaubwürdigen Kevin Costner unterstützt werden.
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