THE FOUNDER | The Founder
Filmische Qualität:   
Regie: John Lee Hancock
Darsteller: Michael Keaton, Laura Dern, John Carroll Lynch, Nick Offerman, Patrick Wilson, Linda Cardellini, B. J. Novak, Katie Kneeland, Andrew Benator
Land, Jahr: USA 2016
Laufzeit: 115 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 4/2017


José Garcia
Foto: 24 Bilder

Mitte der 1950er Jahre verdient Ray Kroc (Michael Keaton) mit Anfang fünfzig immer noch seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Multimixern mehr schlecht als recht, obwohl er sein ganzes Leben schon vom großen Geschäft träumt. Bei den zu dieser Zeit aufkommenden Fast-Food-Restaurants vorwiegend auf Parkplätzen oder in der Nähe von Motels hat er wenig Erfolg. Keiner will etwas von diesen Milchshake-Maschinen wissen. Bis Ray Kroc eines Tages bei einem Anruf im Büro von einem Schnellimbiss erfährt, der auf einmal acht solche Geräte bestellt hat. Kroc wird neugierig und macht sich sofort auf der Route 66 auf den Weg nach San Bernardino in Kalifornien zu dem Kunden.

Als er dort ankommt, traut Ray Kroc seinen Augen nicht. Vor einem Schnellimbiss steht eine lange Schlange. Aber die Kunden werden sehr schnell bedient, und außerdem bekommen sie Hamburger, Pommes oder Softdrinks mundgerecht serviert. Ray Kroc will unbedingt mit den Besitzern, den McDonald-Brüdern Mac (John Carroll Lynch) und Dick (Nick Offerman) sprechen. In einer Rückblende schildern die beiden, wie sie die schnelle Fertigung geschafft haben — eine Art "Burger-Ballett". Die Brüder sind jedoch nicht nur auf die Schnelligkeit ihres Personals, sondern auch auf die Qualität der Produkte stolz. Deshalb finden sie das in Phoenix, Arizona nach ihren Vorstellungen gebaute Restaurant mit den "Golden Arches", aus denen später das McDonald´s-Logo werden soll, misslungen. Deshalb weisen sie das Angebot von Ray Kroc ab, Franchise-Restaurants zu eröffnen. Erst als er sie bei ihrem Patriotismus packt, indem er von einer Fast-Food-Kette von Küste zu Küste spricht, sind sie bereit zu verhandeln. Kroc versteigt sich sogar noch darauf, McDonald´s als "die neue amerikanische Kirche" zu bezeichnen. Einer seiner ersten Mitarbeiter wird ja Leonard Rosenblatt (Andrew Benator), der vorher Bibeln verkauft hatte. Da es sich aber um einen "amerikanischen Traum" handelt, rekrutiert Kroc seine Mitarbeiter unter allen Religionsangehörigen wie Juden oder Muslimen — was Regisseur John Lee Hancock in einer schnell geschnitten Sequenz zeigt.

Mit der Zeit geraten die McDonald-Brüder immer mehr in den Hintergrund, während Ray Kroc eine Filiale nach der anderen eröffnet, so dass bald das ganze Land mit McDonald´s übersät ist — regelrecht "from coast to coast". Und die Expansion ins Ausland lässt auch nicht lange auf sich warten.

Drehbuchautor Robert D. Siegel und Regisseur John Lee Hancock konzentrieren sich auf das Aufeinandertreffen zwischen den beiden Brüdern und dem gewieften Geschäftsmann, der sich als "Gründer" des McDonald´s Fast-Food-Imperiums feiern lässt. So gesehen ist der Filmtitel "The Founder" als ironisch zu betrachten. Die Filmemacher zeichnen die verschiedenen Verhandlungen nach, die zwischen Ray Kroc und den Brüdern geführt werden. Sie weisen auf die Immobilien-Investitionen durch Ray Kroc hin, womit er die eigentlichen "Gründer" ausbootete. Trotz der pastellfarbenen Töne, die Kameramann John Schwartzman bevorzugt, um die fünfziger Jahre wieder erstehen zu lassen, ist der Ton des Filmes nicht so auf Harmonie bedacht wie etwa in Hancocks früheren Filmen "Blind Side - Die große Chance" (2009) und "Saving Mr. Banks" (2014), in dem es ebenfalls um einen Konflikt zwischen "Mary Poppins"-Erfinderin Pamela L. Travis und Walt Disney bei der Verfilmung der Romanvorlage geht.

In "The Founder" setzt John Lee Hancock insbesondere auf die Ambivalenz der Charaktere. Natürlich werden Mac und Dick McDonald als integre Persönlichkeiten gezeichnet, die an ihren Qualitätsmaßstäben festhalten wollen. Auf der anderen Seite eignet ihnen eine gewisse Naivität in den Verhandlungen mit Ray Kroc an. Und dieser wird nicht einfach verteufelt als waschechter Kapitalist, der über Leichen geht — obwohl er auch einmal die Parole ausgibt: "Business ist Krieg". Ambivalent ist der von Michael Keaton verkörperte Ray Kroc allemal. Auf der anderen Seite ergreift er die Gelegenheit beim Schopf, die sich ihm bietet. Verständlich, dass er sich über die Unentschlossenheit der McDonald-Brüder immer wieder ärgert, bis er die Geduld verliert und das Heft in die Hand nimmt. Wäre es nach dem Geschäftsgebaren der McDonald-Brüder gegangen, dann wäre die Fast-Food-Kette McDonald´s sicher nicht das geworden, was sie heute ist. Auf der anderen Seite wird Ray Kroc jedoch immer gehässiger. Als eine Art Grenzüberschreitung zeigt "The Founder" die Entscheidung Ray Krocs, Instant-Pulver statt Milch für die Shakes einzusetzen. Bemerkenswert ist, dass diese unethische Handlung damit korrespondiert, dass Kroc mit der verheirateten Filialleiterin Joan Smith (Linda Cardellini) eine außereheliche Beziehung beginnt, die zur Scheidung von seiner langjährigen Frau Ethel (Laura Dern) führt.

"The Founder" lebt insbesondere auch vom Spiel Michael Keatons, dem nach etlichen Jahren Kinoabwesenheit vor zwei Jahren mit "Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" von Alejandro González Inárritu ein eindrucksvolles Comeback gelang. Er gestaltet Ray Kroc ähnlich Riggan Thomson in Inárritus Film als äußerst komplexe Persönlichkeit, die einem Traum folgt und dabei ungeheure Kraft und unternehmerisches Geschick entwickelt, aber auf der anderen Seite immer mehr zu einem skrupellosen Machtmenschen wird. Dass Michael Keaton diesen äußerst ambivalenten Charakter glaubwürdig darstellt, trägt in erheblichem Maße zum Gesamteindruck von "The Founder" bei.
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