WEIN UND DER WIND, DER | Ce qui nous lie
Filmische Qualität:   
Regie: Cédric Klapisch
Darsteller: Pio Marmaï, Ana Girardot, Jean-Marc Roulot, François Civil, Maria Valverde, Yamèe Couture, Eric Caravaca
Land, Jahr: Frankreich 2016
Laufzeit: 114 Minuten
Genre:
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: X
im Kino: 8/2017


José Garcia
Foto: Studiocanal

Zu Beginn des Spielfilmes "Der Wein und der Wind" erzählt eine Off-Stimme von drei Geschwistern einer Winzerfamilie auf drei Zeitebenen: Als Kinder und als Jugendliche waren sie unzertrennlich. In den Film streut Mit-Drehbuchautor und Regisseur Cédric Klapisch immer wieder Rückblenden ein, die aus der Familiengeschichte berichten. Mit der Zeit nahm das Leben der Geschwister jedoch einen unterschiedlichen Verlauf. Der Älteste Jean (Pio Marmai) fühlte sich von seinem Vater eingeengt, und wanderte deshalb aus. In Argentinien lernte er seine Frau kennen, mit der er sich dann in Australien niederließ. Dort versucht er sich als Weinbauer. Aber so einfach ist es offenkundig nicht, denn Jean hat Schulden. Als er dann nach Jahren nach Burgund zurückkehrt, weil sein Vater (Eric Caravaca) im Sterben liegt, spürt Jean vor allem Sehnsucht nach seinem kleinen Sohn Ben, der bei der Mutter geblieben ist.

Jeans Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil) blieben zu Hause, und halfen dem Vater dabei, das Gut über die Jahre aufrechtzuerhalten. Allerdings hat Jérémie inzwischen geheiratet, und nun muss er sich auch noch gegen seinen herrischen Schwiegervater durchsetzen. Schon lange wollte er beispielsweise mit Frau und Kind in ein eigenes Haus ziehen, aber die drei leben immer noch in einer Art Pförtnerhaus auf dem Gut seiner Schwiegereltern. Juliette, die schon von ihrem Vater nicht ernstgenommen wurde, hat nun vor allem dafür zu kämpfen, dass die Winzer sie als "Chefin" anerkennen. Als der Vater stirbt, stehen die drei ungleichen Geschwister vor neuen Herausforderungen. Denn gemeinsam müssen sie entscheiden, ob sie die Familientradition weiterführen möchten. Der französische Originaltitel "Ce qui nous lie" ("Was uns verbindet") spielt darauf an.

Insbesondere Juliette ist entschlossen, allen Schwierigkeiten zum Trotz, das Weingut weiterzuführen. Schon als Kind war sie es, die sich unter den Geschwistern am meisten für die Weinherstellung begeistern konnte, und auch am härtesten ihren Geschmacksinn für Wein trainierte. Inzwischen hat sie eigene Pläne, wie sie den väterlichen Weinstil fortführen und dabei eigene Akzente setzen kann. Wenn die Geschwister in die Fußstapfen des Vaters treten und die Weinproduktion weiterführen wollen, müssen sie freilich eine horrende Summe an Erbschaftssteuer zahlen. Auch deshalb hat Jérémies Schwiegervater bereits ein Auge auf das Weingut geworfen. Vorerst müssen die Geschwister die Frage nach der Zukunft des Weingutes vertagen, denn langsam wird es Herbst, und die anstehende Weinlese will organisiert werden. So machen sich die drei gemeinsam ans Werk.

Regisseur Cédric Klapisch setzt teilweise einen halbdokumentarischen Stil ein, beispielsweise in etlichen Szenen bei der Weinlese oder auch bei der großen Feier nach Ernteschluss. Dies gilt aber auch für die Landschaftsaufnahmen im Allgemeinen. Denn der Regisseur drehte "Der Wein und der Wind" in den vier Jahreszeiten, um die Arbeit der Winzer über ein Jahr hinweg zu verdeutlichen. Dazu führt er selbst aus: "Man kann, nur als Beispiel, diese wunderbaren Herbstfarben nicht künstlich herstellen. Man muss vor Ort sein, wenn sie da sind. Genauso wie im Frühling, wenn die Bäume blühen... Dann mussten wir einmal im Januar urplötzlich auf das Gut zurück, weil es geschneit hatte... Dieser Film hatte seinen eigenen Drehplan — und den bestimmte ausschließlich die Natur." Zur Naturverbundenheit trägt außerdem bei, dass die Geschwister ohne chemische Zusätze arbeiten — im Gegensatz etwa zu ihrem Nachbarn.

Der dokumentarische Charakter erstreckt sich auch auf die Dialoge, in die einige Fachausdrücke eingeflossen sind. Um die "Balance zwischen Authentizität und Verständlichkeit" (Klapisch) zu erreichen, stand Cédric Klapisch und seinem Mit-Drehbuchautor Santiago Amigorena der Burgunder-Winzer Jean-Marc Roulot zur Seite: "Er half uns, die verschiedenen Fachausdrücke zu ,übersetzen?, sie fürs Publikum verständlich zu machen. Dann gab es wieder Momente, in denen ich die Fachausdrücke, die Jean-Marc vorschlug, in ,normale? Worte zurückübersetzte. Dennoch haben wir auch klassischen ,Wein-Talk? im Film belassen. Etwa wenn Juliette sagt: ,Der malo ist dieses Jahr sehr schnell." Nur zehn Prozent aller Franzosen wissen da wohl, was sie meint. Trotzdem hielten wir an dieser Dialogzeile fest, und ich schrieb Erklärungen drum herum, so dass die Zuschauer begreifen konnten, dass es sich um eine Stufe der Vinifizierung handelt."

Cédric Klapisch schafft darüber hinaus die Balance, die Konflikte der drei Hauptfiguren mit einer ruhigen, teilweise beobachtenden Kameraführung (Kamera: Alexis Kavyrchine) in Einklang zu bringen, so dass der Eindruck einer beiläufigen Inszenierung entsteht. Dazu erklärt er: "Im Film zeige ich, wie im Verlauf eines Jahres Wein entsteht. Parallel dazu erzähle ich zehn Jahre aus dem Leben einer Winzerfamilie. Dabei versuche ich die Beziehung zwischen dem Wein und den Menschen zu finden, unter Berücksichtigung des Zyklus der Natur und der Entwicklung dieser drei Elemente. Zuerst ist man ein Kind, dann ein Erwachsener, dann ein Elternteil." "Der Wein und der Wind" erzählt unaufgeregt von den Verflechtungen zwischen den Geschwistern, aber auch zwischen diesen Menschen und der Natur beziehungsweise der Weinherstellung. Ein Film, der von Wein, Familie und Liebe handelt, der nicht nur erzählt, wie der Wein im Laufe des Jahres entsteht, sondern auch, dass die Liebe wie der Wein mit der Zeit besser werden kann.
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