THE BIG SICK | The Big Sick
Filmische Qualität:   
Regie: Michael Showalter
Darsteller: Kumail Nanjiani, Zoe Kazan, Holly Hunter, Ray Romano, Anupam Kher, Zenobia Shroff, Adeel Akhtar
Land, Jahr: USA 2017
Laufzeit: 119 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: S, D
Auf DVD: 2017/0


José García
Foto: Weltkino

Im Jahre 2002 erzählte die Culture-Clash-Komödie "My Big Fat Greek Wedding" von der Tochter griechischer Einwanderer in Chicago, die sich endlich einmal verliebt — allerdings zum Schrecken ihrer Familie nicht in einen Griechen, sondern in einen irisch-stämmigen Mann. Auch wenn die weibliche Hauptfigur in "My Big Fat Greek Wedding" Toula heißt, schildert der Film, bei dem Joel Zwick Regie führt, im Grunde die Geschichte der griechisch-amerikanischen Komikerin Nia Vardalos. Sie schrieb nicht nur das Drehbuch zur turbulenten multikulturellen Komödie, sondern verkörperte auch Toula.

Der nun im regulären Kinoprogramm anlaufende Spielfilm "The Big Sick", der bei seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival im Januar viel Anklang fand, geht sogar noch einen Schritt weiter. "The Big Sick" handelt von der Liebesgeschichte zwischen dem pakistanisch-stämmigen Kumail Nanjiani und der weißen Amerikanerin Emily ebenfalls in Chicago. Eine Liebesgeschichte, die sich so oder so ähnlich in der Wirklichkeit ereignet hat, wovon die Fotos im Nachspann des Filmes zeugen. Versteckte sich die Unterhaltungskünstlerin Nia Vardalos in "My Big Fat Greek Wedding" wenigstens hinter dem Namen Toula und hinter einem Job im Reisebüro, so heißen die Hauptcharaktere in "The Big Sick" Kumail und Emily. Zwar wird Emily von der Schauspielerin Zoe Kazan dargestellt, aber Kumail spielt sich selbst. Und wie offensichtlich der echte Kumail will er eine Comedian-Karriere beginnen. Das Drehbuch zu "The Big Sick" stammt von den echten Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani. Wobei sich wieder einmal zeigt: Die schönsten Drehbücher schreibt das Leben selbst. Regie führt Michael Showalter.

Kumail (Kumail Nanjiani) wanderte als Kind mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Naveed aus Pakistan aus. Sein größter Wunsch ist es, als "Stand-Up-Comedian" Karriere zu machen. Um die Miete zu zahlen, muss er allerdings im Nebenjob als Taxifahrer arbeiten. Nach einem Auftritt lernt der junge Mann die Psychologiestudentin Emily (Zoe Kazan) kennen. Die beiden verlieben sich schnell ineinander. Kumail bringt es jedoch nicht übers Herz, seinen Eltern Sharmeen und Azmat (Zenobia Shroff, Anupam Kher) von Emily zu erzählen. Denn insbesondere seine Mutter besteht darauf, dass Kumail eine Frau aus der Chicagoer pakistanischen Gemeinde heiratet. Zu den immer wiederkehrenden Gags von "The Big Sick" gehört das Klingeln an der Haustür, wenn am Wochenende Kumail mit seiner Familie zu Abend isst. "Wer wird das wohl sein?" fragt ein ums andere Mal die Mutter. Und siehe da: Eine junge Frau steht vor der Tür, die "rein zufällig" vorbeikam und einfach "Guten Abend" sagen wollte. Und zufällig hat sie ein Bild von sich in der Größe eines Bewerbungsfotos dabei. Die Bilder von heiratsfähigen und -willigen pakistanischen Frauen füllen bei Kumail inzwischen eine ganze Zigarrenkiste. Genau diese Zigarrenkiste wird auch eine Rolle spielen. Denn als Emily sie entdeckt, ist es schnell mit der Beziehung vorbei — nicht so sehr weil sie auf diese Frauen eifersüchtig wäre, sondern weil die junge Frau versteht, dass Kumail es nie schaffen wird, seinen Eltern von ihr zu erzählen.

Als es zwischen den beiden aus zu sein scheint, erhält Kumail einen Anruf von Emilys bester Freundin. Emily sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Kumail eilt dorthin und erfährt, dass die Ärzte vor einem medizinischen Rätsel stehen. Sie können zunächst einmal nur eine Virusinfektion feststellen. Für weitere Untersuchungen entscheiden sie, Emily ins künstliche Koma zu versetzen. Alarmiert von Kumail kommen auch Emilys Eltern Beth und Terry (Holly Hunter, Ray Romano) ins Krankenhaus. Kumail muss feststellen, dass Beth über seine Beziehung zu Emily genau Bescheid weiß, und sie deshalb den jungen Mann mit wenig Gegenliebe ansieht.

Obwohl der eigentliche Ansatz von "The Big Sick" bereits bekannt ist, überzeugt der Film aus mehreren Gründen: Zwar scheint die Regie unauffällig. Durch an mehreren Stellen eingesetzte schnell- oder auch parallelgeschnittene Sequenzen bringt sie einen beschwingten Rhythmus in den Film gerade dann, wenn die Handlung etwas auf der Stelle tritt. Gut gelungen sind darüber hinaus die Handlungsnebenstränge, etwa Kumails Kollegen auf der Bühne, die von einem Auftritt in einer großen Show in Montreal träumen. Wie sich die Beziehung von Emilys Eltern zu Kumail im Laufe der gemeinsam verbrachten Zeit ändert, ist mit großem Gespür für zwischenmenschliche Nuancen erzählt. Denn die Empathie des Regisseurs zu den Figuren ist immer wieder fühlbar. Die schlagfertigen Dialoge zwischen Kumail Nanjiani und Zoe Kazan, der Enkelin des legendären Filmregisseurs Elia Kazan, gehören zu den Pluspunkten von "The Big Sick".

Auch wenn durch Emilys Krankheit der Film eine dramatische Wende erfährt, ziehen sich durch den Film die humorvollen Dialoge, die häufig mit den Terroranschlägen vom 11. September zusammenhängen, so etwa als Kumail und sein Bruder Naveed (Adeel Akhtar) in einem Café laut werden und Gäste auf sie aufmerksam werden: "Wir hassen Terroristen. Alles gut!", lautet Kumails schlagfertige Antwort.

Zwar zeigt "The Big Sick" zu Beginn eine ziemlich oberflächliche Sicht auf Liebesbeziehungen. Im Laufe der Handlung und insbesondere durch Emilys Krankheit sieht sich Kumail aber mit einer Lebensentscheidung konfrontiert, die auch zu einer reiferen Auffassung in Bezug auf die Liebe führt.
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