OPERATION DUVAL - DAS GEHEIMPROTOKOLL | La Mécanique de l?ombre
Filmische Qualität:   
Regie: Thomas Kruithof
Darsteller: François Cluzet, Alba Rohrwacher, Denis Podalydes, Sami Bouajila, Simon Abkarian
Land, Jahr: Frankreich 2016
Laufzeit: 90 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 11/2017


José García
Foto: temperclayfilm

Der etwa Mittfünfziger Duval (François Cluzet) arbeitet penibel als Buchhalter. Während seine Kollegen schon irgendetwas feiern, sitzt er noch am Computer. Der Chef erinnert ihn daran, dass er bis zum nächsten Morgen noch eine bestimmte Akte fertigstellen muss. Duval muss deshalb eine Nachtschicht einlegen. Weil er feststellt, dass die Ordnung in der Firma ziemlich chaotisch ist, beschriftet Duval die Aktenordner und ordnet sie neu: Am nächsten Morgen stehen alle Aktenordner aufgereiht auf dem Teppichboden. Duval selbst sitzt auf dem Boden mit leerem Blick.

Zwei Jahre später sucht Duval nach einem offensichtlichen Burnout immer noch nach Arbeit. Seit einem Jahr ist er wenigstens "trocken": Von der Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker wird er dafür gefeiert. Deren Chef bittet ihn, sich um den Neuzugang Sara (Alba Rohrwacher) zu kümmern, damit die junge Frau einen weiteren Kontakt für Notfälle hat. Die platonische Beziehung zu Sara wird zu einer Art Nebenhandlungsstrang im Spielfilm "Operation Duval ? Das Geheimprotokoll" von Drehbuchautor und Regisseur Thomas Kruithof.

Die eigentliche Handlung beginnt, als Duval auf einer Beerdigung einen alten Bekannten trifft. Zwar kann ihm dieser keine Arbeitsstelle anbieten, aber ein paar Tage später erhält Duval einen etwas eigenartigen Telefonanruf. Er soll direkt am nächsten Tag, einem Samstag, zu einem Vorstellungsgespräch kommen. Das Gespräch entpuppt sich als reine Formalität. Monsieur Clément (Denis Podalydes), der sich als Mitarbeiter des Geheimdienstes vorstellt, hat offenkundig seine Wahl schon vorher getroffen ? er sei davon überzeugt, dass Duval für die Aufgabe am besten geeignet sei. Die Aufgabe bestehe darin, abgehörte Gespräche von "Personen, die Frankreich gefährlich werden können" abzutippen. Etwas seltsam nehmen sich jedoch die Bedingungen der Arbeitsstelle aus: Duval soll in einer eigens gemieteten Wohnung in einem schäbigen und anonymen Wohnblock arbeiten. Er soll die jeden Tag neu deponierten Kassetten auf einer alten Schreibmaschine transkribieren und die getippten Seiten so ablegen, dass sie dann abgeholt werden können. Rauchen darf er dort nicht, die Wohnung verlassen oder die Vorhänge öffnen in der Arbeitszeit ebenso wenig. Darüber hinaus darf er über seine Arbeit mit niemandem reden. Duval wundert sich zwar über die Anweisungen, aber für den fürstlichen Lohn von 1 500 Euro pro Woche kann ihm das alles egal sein.

In einer schnellgeschnittenen Sequenz zeigt der Film, wie Duval die monotone Arbeit verrichtet. Parallel dazu meldet sich Sara verzweifelt. Duval eilt zu ihr. Von da an werden sich die beiden immer häufiger treffen. In seiner Arbeitsstelle läuft alles seinen gewohnten Gang ... bis eines Tages auf einem der Bänder von einer Geiselnahme in Mauretanien die Rede ist. Plötzlich hört sich eine Stelle so an, als sei jemand ermordet worden. Am nächsten Tag liest Duval in der Zeitung vom "Selbstmord" genau dieses Mannes. Und dann erscheint auch noch ein gewisser Gerfaut (Simon Abkarian) in der Wohnung, der sich als sein direkter Vorgesetzter ausgibt. Dem unscheinbaren Mann wird alles zuviel, so dass er kündigen will. Gerfaut möchte aber nichts davon hören. Er zwingt sogar Duval dazu, bei einem Rechtsanwalt einzubrechen, um ein wichtiges Beweisstück sicherzustellen. Plötzlich taucht ein weiterer Geheimdienst-Agent auf, der Duvals Mitarbeit gegen Clément erpressen möchte.

Vor allem zu Beginn nimmt "Operation Duval ? Das Geheimprotokoll" kafkaeske Züge an. Wie Josef K. aus Kafkas "Der Prozess" gerät Duval in ein albtraumhaftes Labyrinth. Er droht von einer undurchschaubaren Bürokratie überrollt zu werden. Duval erinnert freilich auch an manche Figuren in den Filmen Alfred Hitchcocks: Viele Protagonisten seiner Thriller sind Normalbürger, die nichts mit kriminellen Machenschaften zu tun haben, die jedoch durch einen Zufall oder irgendwelche Umstände in geheimnisvolle und bedrohliche Vorgänge hineingezogen werden, so etwa der von James Stewart verkörperte Dr. McKenna in "Der Mann, der zuviel wusste" (1956) oder der von Cary Grant gespielte Werbefachmann Roger O. Thornhill in "Der unsichtbare Dritte" ("North by Northwest", 1959).

In Thomas Kruithofs Spielfilmdebüt spielt François Cluzet den Jedermann, der ahnungslos in politische und Geheimdienstmachenschaften gerät, mit unbeweglicher Miene. Politischen Charakter nimmt "Operation Duval ? Das Geheimprotokoll" außerdem an, weil Clément sich als Handlanger eines rechtsgerichteten Präsidentschaftskandidaten herausstellt. Die Wahlplakate, die immer wieder im Film zu sehen sind, geben einen Werbeslogan wieder ("Frankreich ist wieder da"), der nicht zufällig an Trumps "Make America Great Again" erinnern soll.

Für die "Kälte der Macht" setzt Thomas Kruithof insbesondere zu Beginn entsättigte, grau-blaue Farben ein, so etwa in dem Büro, wo Duvals Vorstellungsgespräch stattfindet. Unterstrichen wird die unbehagliche Lage, in die Duval immer tiefer hineingerät, durch eine thrillermäßige Spannungsmusik. Unbehagen sollen wohl auch manche Bildeinstellungen verbreiten, in denen Details aus Geräten im Großformat gezeigt werden, die deshalb zunächst schwer auszumachen sind. Der gewöhnliche Mann, der zufällig zum Rädchen in politischen Spielen wird, entwickelt sich allerdings wie die Protagonisten in den Hitchcock-Filmen zum Helden wider Willen, der den Profis der "Mechanik der Schatten" (so der Originalfilmtitel "La Mécanique de l´ombre") ein Schnippchen schlägt.
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