PADDINGTON 2 | Paddington 2
Filmische Qualität:   
Regie: Paul King
Darsteller: Eylas M?Barek (Stimme), Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Julie Walters, Hugh Grant, Brendan Gleeson, Jim Broadbent, Madeleine Harris, Samuel Joslin
Land, Jahr: Großbritannien 2017
Laufzeit: 103 Minuten
Genre:
Publikum: ohne Altersbeschränkung
Einschränkungen: --
im Kino: 11/2017


José García
Foto: Studiocanal

Die vom kürzlich verstorbenen Autor Michael Bond erdachte, zwischen 1958 und 2017 erschienene Kinderbuchreihe um den putzigen Bären Paddington wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Die erste "Realverfilmung" über den kleinen Bären in rotem Schlapphut und blauem Dufflecoat aus dem Urwald Perus, der in London allerlei Abenteuer erlebt, wurde von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert. Die Filmemacher verknüpften eine hervorragend gelungene Mischung aus computererzeugten Bildern und Realfilm mit einem regelrechten Loblied auf die Familie. Bei Produktionskosten von 55 Millionen Dollar erspielte "Paddington" mehr als 258 Millionen Dollar ein. Eine Kino-Fortsetzung der Abenteuer des possierlichen Paddington war deshalb nur eine Frage der Zeit. Nun startet im regulären Kinoprogramm "Paddington 2". Regie führt erneut Paul King, der diesmal zusammen mit Simon Farnaby auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet.

Eine Rückblende erzählt zu Beginn, wie Paddington von Onkel Pastuso und vor allem von Tante Lucy gerettet und dann adoptiert wurde. In einem Brief an Tante Lucy, die bald ihren 100. Geburtstag feiern wird, erzählt Paddington (deutsche Stimme: Elyas M´Barek) von seinem Leben in London. Da es sich bei dieser Einführung um keine reinen "Was bisher geschah"-Szenen handelt, gilt sie sowohl Kennern des ersten Films als auch denjenigen Zuschauern, die sich erstmals einen "Paddington"-Kinofilm anschauen. Der Film stellt die Familie vor, die in London den knuddeligen Bären aufgenommen hat: Henry und Mary Brown (Hugh Bonneville, Sally Hawkins) mit ihren Kindern Judy (Madeleine Harris) und Jonathan (Samuel Joslin). Im Haus wohnt darüber hinaus die irgendwie zur Familie gehörende Mrs. Bird (Julie Walters). Paul King und sein Mitdrehbuchautor Simon Farnaby streut dabei — oder auch etwas später — in die Vorstellung Fertigkeiten der Familienmitglieder ein, die sich im weiteren Verlauf des Filmes als bedeutsam herausstellen werden.

Die eigentliche Handlung beginnt, als Paddington ein Geburtstagsgeschenk für seine Tante Lucy sucht. Im bereits aus der ersten Paddington-Verfilmung bekannten Antiquitätengeschäft von Mr. Gruber (Jim Broadbent) entdeckt Paddington ein Pop-Up-Buch mit Stadtansichten der britischen Metropole. Da ihre Tante Lucy immer davon geträumt hatte, London kennenzulernen, meint der putzige Bär das richtige Geschenk gefunden zu haben. Das einzige Problem: Es handelt sich um ein recht wertvolles und deshalb auch teures Buch. Deshalb versucht er durch verschiedene Jobs, Geld zu verdienen. In diesen Episoden wird eine gute Portion Slapstick eingesetzt, die allerdings kaum mit der eigentlichen Filmhandlung zu tun hat — wohl die einzige Schwäche von "Paddington 2".

Allerdings geht es sofort mit der eigentlichen Handlung weiter: Der abgehalfterte Schauspieler Phoenix Buchanan (Hugh Grant) hat es ebenso auf das Buch abgesehen. Der ehemals gefeierte Theater- und Filmschauspieler macht inzwischen nur noch Werbung für Hundefutter. Nun meint er, mit dem Buch sein Schicksal wenden zu können. Denn dieses alte Buch ist eigentlich noch viel wertvoller, als es den Anschein hat. Allerdings glaubt die Polizei, dass Paddington der Dieb ist. Trotz allen Aussagen von Menschen, die den gutmütigen Bären kennen, sind die Indizien gegen ihn erdrückend.

Spielte schon im ersten "Paddington"-Film Nicole Kidman eine böse Präparatorin, die Paddington ausstopfen und im Museum auszustellen wollte, so übernehmen in "Paddington 2" gleich zwei bekannte Schauspieler wichtige Rollen: Hugh Grant parodiert sich selbst in wunderbarer Manier als alternder Schauspieler, dessen bessere Zeiten längst vorbei sind — seine Künste werden noch im Nachspann weiter gezeigt. Deshalb empfiehlt es sich, nach dem Filmende im Kino sitzen zu bleiben. Brendan Gleeson verkörpert den allseits gefürchteten Gefängniskoch Knuckles McGinty, der mit Paddington allerdings die Schwäche für Orangenmarmeladen-Brote teilt. Deshalb werden die beiden bald dicke Freunde, als der gutmütige, kleine Bär doch noch ins Gefängnis gesteckt wird. Wie schon im ersten "Paddington"-Film spielt Peter Capaldi erneut den mürrisch-engstirnigen Nachbarn Mr. Curry, dem der kleine Bär ohnehin ein Dorn im Auge ist.

Wie häufig bei Filmen "für die ganze Familie" spielt "Paddington 2" auch auf bekannte Filme an, die in die Handlung eingebaut wurden, so etwa ein Zitat aus Woody Allens "Manhattan Murder Mystery" (1993). Die Detailverliebtheit der Filmemacher äußert sich beispielsweise auch im Namen der Zeitung, die Knuckles McGinty liest: "Hard Times".
Die perfekte Animation von Paddington wird noch von der Interaktion mit den realen Schauspielern übertroffen, so dass der Zuschauer fast vergisst, dass es sich bei Paddington um einen computeranimierten Bären handelt. Dazu kommt das märchenhafte London, so etwa die Straße ("Windsor Gardens"), in der Familie Brown lebt, die an britische Klassiker wie "Mary Poppins" (Robert Stevenson, 1964) erinnert.

Bei der Verleihung des Prädikats "besonders wertvoll" führt die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW aus: "Der zweite Teil ist poetischer und ausgereifter als sein Vorgänger, und so lustig, dass er die Zuschauer zu Lachsalven- und Tränen treibt. Der Film strotzt von visuellen und dramaturgischen Einfällen. Running Gags werden nicht überstrapaziert, irrwitzige Slapstick-Sequenzen sind integraler Bestandteil der Handlung." Außerdem weist "Paddington 2" wie bereits sein Vorgänger auf die Bedeutung von Familie und Freundschaft hin.
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