BREAKTHROUGH - ZURÜCK INS LEBEN | Breakthrough
Filmische Qualität:   
Regie: Roxann Dawson
Darsteller: Chrissy Metz, Josh Lucas, Topher Grace, Mike Colter, Marcel Ruiz, Sam Trammell, Dennis Haysbert
Land, Jahr: USA 2019
Laufzeit: 116 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 5/2019


José García
Foto: Fox

Menschen, die für klinisch tot erklärt und dann wieder ins Leben zurückgeholt wurden, erzählen in der Regel von sogenannten Nahtoderfahrungen. Ähnliche Visionen schilderte John Smith zwar nicht, als er in St. Charles, Missouri, im Januar 2015 aus dem Koma erwachte. Der 14-jährige John war aber 15 Minuten lang ohne Sauerstoffzufuhr unter dem Eis eines kleinen Sees. Als die Rettungsmannschaften ihn herausholten, konnten sie bei ihm keinen Puls feststellen. Sie brachten ihn dennoch in die Notaufnahme eines nahegelegenen Krankenhauses, wo ein Ärzteteam 45 Minuten lang um Johns Leben kämpfte - vergeblich, denn alle Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Inzwischen war Johns Adoptivmutter im Krankenhaus eingetroffen. Die Ärzte sagten ihr, sie könne sich von ihrem Sohn verabschieden. Joyce jedoch betete: "Heiliger Geist, bringe meinen Sohn sofort zurück!" Auf medizinisch unerklärliche Weise meldete das EKG-Gerät auf einmal einen Puls bei John. In der Krankenakte wurde später vermerkt: "Patient dead, mother prayed, patient came back to life" ("Patient tot. Die Mutter betete. Der Patient wurde wieder lebendig").

Joyce Smith berichtete ihre Erlebnisse im Zusammenhang mit der wundersamen Heilung ihres Sohnes im Buch "The Impossible: The Miraculous Story of a Mother´s Faith and Her Child´s Resurrection", das sie 2017 gemeinsam mit Ginger Kolbaba schrieb. Basierend auf dem Buch und den wahren Begebenheiten verfasste Grant Nieporte das Drehbuch für den Spielfilm "Breakthrough - Zurück ins Leben", bei dem Roxann Dawson Regie führt. In den Vereinigten Staaten lief der Film am 17. April in mehr als 2 800 Kinos an. Bislang hat er dort mehr als 33 Millionen Dollar eingenommen. Nun startet er auch im regulären deutschen Kinoprogramm.

Die Filmemacher führen die Familie Smith ein: Der ursprünglich aus Guatemala stammende John (Marcel Ruiz) wurde als Baby von Joyce (Chrissy Metz) und Brian Smith (Josh Lucas) adoptiert. Der Junge spielt sehr gerne Basketball, hat aber in der Schule mit einigen Mitschülern Probleme. Er gibt sich in typisch pubertierender Manier auch abweisend gegenüber der Mutter. Sie ist wiederum kirchlich engagiert, kommt allerdings mit den "lockeren" Umgangsformen des neuen Pastors Jason Noble (Topher Grace) nicht klar ? so weigert sie sich, ihn mit dem Vornamen anzusprechen. Und die "jugendgemäße" Musik, die der Pastor in der Kirche aufführen lässt, findet sie alles andere als erbaulich.

Nach dieser verhältnismäßig kurzen Einführung schildert der Film die Ereignisse. Zwischentitel machen verschiedene Zeitangaben, die den dokumentarischen Charakter unterstreichen. Es ist der 19. Januar 2015. Trotz Mahnungen geht John zusammen mit zwei Freunden an dem Wintertag auf den zugefrorenen See Sainte Louise. Plötzlich bricht das Eis unter den Jungen. Die zwei anderen können sich retten, aber John geht unter. Die alarmierten Retter können John zwar bergen, aber er gibt kein Lebenszeichen von sich - schließlich war er bereits 15 Minuten unter Wasser. John wird ins Cardinal Glennon Children´s Hospital gebracht, wo ein Ärzte- und Pflegeteam 45 Minuten lang den Jungen wiederzubeleben versucht. Schließlich geben sie auf ? die Ärzte erklären John Smith für tot. Gerade in diesem Augenblick trifft die Mutter ein. Joyce Smith weint. Aber sie fleht auch Gott an, ihren Sohn "zurückzuholen". Überraschenderweise setzt Johns Puls wieder ein. Allerdings ist John damit noch nicht über den Berg. Denn zunächst wird er in ein künstliches Koma versetzt, um seinem Körper die Chance zur Heilung zu geben. Der verständnisvolle, besonnene Chefarzt Doctor Garrett (Dennis Haysbert) erklärt Joyce, dass John nach dem Aufwachen mit Sicherheit schwere neurologische Schäden haben wird. Joyces Antwort: "Tun Sie Ihr Bestes, nicht weniger. Den Rest lassen Sie Gott richten."

Im Bemühen, die Ereignisse möglichst tatsachengetreu nachzuzeichnen, bleibt das Drehbuch etwas eindimensional. Die Vorstellung der Charaktere und Konflikte wirkt ziemlich plakativ. Sowohl darin als auch in der Inszenierung von Regisseurin Roxann Dawson wird eine eher fernsehkompatible Ästhetik deutlich. Es werden beispielsweise kaum Totalen eingesetzt. Die vielen Nahaufnahmen einer Kamera, die in der Regel eng an den Protagonisten bleibt, sorgen für eine zusätzliche emotionale Aufladung der Dialoge, was die gefühlige Musik unterstreicht. Allerdings gelingen Kameramann Zoran Popovics exzellente Unterwasserszenen, die etwa durch den Einsatz der Zeitlupe ästhetisch überhöht werden. Auch der Nebenstrang mit der Bekehrung des Rettungsmanns Tommy Shine (Mike Colter), der sich als Atheist bezeichnet, und der bei der Rettungsaktion eine mysteriöse Stimme vernimmt, nimmt sich ziemlich dick aufgetragen aus. Andererseits ist "Breakthrough - Zurück ins Leben" hervorragend besetzt. Allen voran beeindruckt Chrissy Metz als liebende und gläubige Mutter, die von der Verzweiflung zur Hoffnung wechselt, und sich gegen alle stellt, die an Johns Erholung nicht glauben mögen. Auch Topher Grace überzeugt als fürsorgender Pastor, der einerseits durch seine Modernisierungsbemühungen bei einigen Gemeindemitgliedern aneckt, sich andererseits aufrichtig um das Wohl der Smith-Familie sorgt. Lediglich Josh Lucas gerät leider hinter diesem Duo etwas in den Hintergrund.

"Breakthrough - Zurück ins Leben" erzählt nicht nur von der Liebe einer Mutter, sondern auch von der Kraft des Gebets. Dabei legt der Film freilich auch darauf Wert, dass dazu ebenso die Annahme von Gottes Willen gehört.

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