IDIOTEN DER FAMILIE | Idioten der Familie
Filmische Qualität:   
Regie: Michael Klier
Darsteller: Lilith Stangenberg, Jördis Triebel, Hanno Koffler, Florian Stetter, Kai Scheve
Land, Jahr: Deutschland 2018
Laufzeit: 102 Minuten
Genre:
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: X
im Kino: 9/2019


José Garcia
Foto: Nadja Klier

In einer vom Individualismus geprägten Gesellschaft bleibt für die Solidarität in der (Groß-)Familie kaum Platz. Häufig handeln Spielfilme mal als Komödie, mal als Drama davon, dass ein Vater, eine Mutter im Alter von den eigenen Sprösslingen ins Altersheim abgeschoben werden soll, weil sie oder er den erwachsenen Kindern für deren Selbstverwirklichung im Wege steht.

Michael Klier, der zusammen mit Karin Aström das Drehbuch zu "Idioten der Familie" verfasste, Regie führt und den Film produziert, variiert die Ausgangslage insofern, als es hier die geistig behinderte Ginnie (Lilith Stangenberg) ist, die in eine Klinik gebracht werden soll. Die 26-Jährige lebt bei ihrer 40-jährigen Schwester Heli (Jördis Triebel) im Elternhaus am Rande von Berlin. Heli hat sich um das Nesthäkchen der Familie gekümmert, seit die Eltern tot sind. Nun will die Künstlerin aber ein neues Leben beginnen.

Ehe Ginnie ins Heim abgeschoben wird, kommen die drei Brüder Frederik (Kai Scheve), Tommie (Hanno Koffler) und Bruno (Florian Stetter) für ein Wochenende zu Besuch. Sie waren Heli nie eine richtige Hilfe, und lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sie keine Verantwortung für die unberechenbare kleine Schwester übernommen wollen.

Dadurch, dass der Film fast ausschließlich in einem Haus und an einem einzigen Wochenende spielt, entsteht der Eindruck, "Idioten der Familie" sei so etwas wie gefilmtes Theater. Ein Eindruck, den die beobachtende Kamera von Patrick Orth verstärkt. Dadurch wird "Idioten der Familie" aber auch zu einem Schauspieler-Film, wobei die von Jördis Triebel verkörperte Heli eine Reihe Nuancen aufweist, während die drei Brüder eher klischeehaft gezeichnet sind.
Die Beobachtungen, die Michael Klier insbesondere über die drei Brüder in seinen Film einfließen lässt, machen auch verständlich, warum er den Filmtitel in der Mehrzahl gewählt hat. Denn dieser bezieht sich keineswegs auf die geistig behinderte Ginnie.

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