ROTE BÄR, DER | Un oso rojo
Filmische Qualität:   
Regie: Israel Adrián Caetano
Darsteller: Julio Chávez, Soledad Villamil, Luis Machín, René Lavand, Agostina Lage
Land, Jahr: Argentinien / Spanien / Frankreich 2002
Laufzeit: 97 Minuten
Genre: Dramen
Publikum: Erwachsene
Einschränkungen: G
im Kino: 4/2007


José García
Foto: Zorro Film

Obwohl klassische Western seit langem nicht mehr zum gängigen Kinorepertoire gehören, scheint im südlichen Teil des Doppelkontinents eine der althergebrachten Western-Figuren, der „Outlaw“, auf der Leinwand weiter zu leben. So etwa im Adrián Caetanos Film „Der rote Bär“, der bereits beim Filmfestival Cannes 2002 am Wettbewerb teilnahm, aber erst jetzt im deutschen Kino Premiere feiert.

Nach sieben Jahren Gefängnis versucht Oso (Julio Chávez) an sein altes Leben in einem Vorort von Buenos Aires wieder anzuknüpfen. In der Zwischenzeit hat sich allerdings einiges geändert: Seine Frau Natalia (Soledad Villamil) ist jetzt mit Sergio (Luis Machín) zusammen und nicht gerade erfreut, dass Oso wieder vor ihr steht. Doch Oso besteht darauf, dass ihn endlich seine Tochter Alicia (Agostina Lage) kennen lernt. Obwohl Sergio wie so viele Argentinier den wirtschaftlichen Absturz des Landes hautnah erfahren, den Job verloren, und dafür jede Menge Spielschulden angehäuft hat, hält Natalia zu ihm. Mit dem Geld ist es auch für Oso nicht so einfach: Vom letzten gemeinsamen Unternehmen schuldet ihm zwar der Kleinkriminelle Turco (René Lavand) noch einiges, aber auch dieser zeigt sich über Osos Erscheinen nicht besonders glücklich. Außerdem plant Turco bereits den nächsten Überfall. Dabei könnte Oso eine wichtige Rolle spielen. Oder soll er lieber bei dem einfachen, aber legalen Job, den er bekommen hat, bleiben? Das Dilemma eines jeden „Gesetzlosen“.

„Der rote Bär“ dekliniert zwar die Grundbestandteile eines Großstadt-Westerns vom Saloon-Showdown bis zum Kampf eines einsamen Wolfs gegen alle anderen, die ihn aufs Kreuz legen wollen, des Gesetzlosen, der sich eher an seinen Verhaltenscode als an allgemeine Moralvorstellungen hält. Regisseur Adrián Caetano und seine Co-Autorin Graciela Speranza zeichnen jedoch auch ein sozialkritisches Bild eines Landes nach, in dem Familie und Gesellschaft zerfallen. Richtig dosierte komische Momente und vor allem die grenzenlose Liebe eines Vaters zu seiner kleinen Tochter verhindern indes, dass „Der rote Bär“ den Zuschauer trost- und hoffnungslos aus dem Kinosaal entlässt.
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