KÖNIGE DER WELLEN | Surf’s Up
Filmische Qualität:   
Regie: Ash Brannon, Chris Buck
Darsteller: (dt. Stimmen): Robert Stadlober, Jessica Schwarz, Thomas Fritsch, Dieter Landuris, Daniel Fehlow, Bodo Wolf
Land, Jahr: USA 2005
Laufzeit: 85 Minuten
Genre: Animation
Publikum:
Einschränkungen: --
im Kino: 9/2007
Auf DVD: 1/2008


José García
Foto: Sony

Nach ihrem ersten Animationsfilm „Jagdfieber“ (siehe Filmarchiv) legt die von Sony eigens für den Bereich der Computeranimation gegründete Tochter „Sony Pictures Animation“ einen zweiten abendfüllenden Film in dieser boomenden Sparte vor: „Könige der Wellen“ („Surf’s Up“).

Als computergenerierte Leinwandhelden spielten Pinguine bereits eine bemerkenswerte Nebenrolle in „Madagaskar“ (siehe Filmarchiv). Später übernahmen sie die Hauptrolle in „Happy Feet“ (2006). In „Könige der Wellen“ sind nun die flugunfähigen Seevögel als Surfer in der Südsee zu sehen.

Im Mittelpunkt des neuen Sony-Animationsfilms steht der Felsenpinguin Cody Maverick (deutsche Stimme: Robert Stadlober) mit seinen artgemäßen langen gelben Federn auf dem Kopf. Als Kind durfte Cody der Surf-Legende „Big Z“ einmal begegnen. Klar, dass er als Heranwachsender einen großen Traum hegt: ein so großer Surf-Champion wie „Big Z“ zu werden. Als ein Surf-Scout-Küstenvogel in Codys Heimat Buenos Eisig mit seinem Wal Station macht, ergreift der Teenager-Felsenpinguin seine Chance.

So gelangt Cody zusammen mit dem verrückten Huhn Chicken Joe (Dieter Landuris) ins Surferparadies Pin Gu Eiland, wo der „Big Z-Memorial-Surf-Cup“ im Gedenken an den größten Pinguin-Surfer aller Zeiten, der bei seinem letzten Wettbewerb zehn Jahre zuvor im Meer spurlos verschwand, alljährlich ausgetragen wird. In Pin Gu Eiland verliebt sich Cody in die hübsche Rettungsschwimmerin Lani (Jessica Schwarz), und lernt deren Onkel „Freak“, einen verwahrlosten großen Pinguin, kennen. Dieser entpuppt sich allerdings als der seit zehn Jahren verschollene „Big Z“, der nun eine neue Lebensaufgabe darin findet, den Möchtegern-Surfmeister unter seine Fittiche zu nehmen.

Was sich wie ein abgedroschenes Drehbuch liest – heruntergekommener ehemaliger Champion hilft einem neuen Sport-Talent bei den Vorbereitungen auf eine Meisterschaft –, wird indes in eine ziemlich originelle Erzählform gekleidet. Denn die Rahmenhandlung besteht aus einer Sport-Reportage. Der Stil der „falschen Dokumentation“, die stellenweise an Woody Allens „Zelig“ und „Sweet and Lowdown“ erinnert, eröffnet neue Möglichkeiten der Inszenierung.

So werden etwa grobkörnige, auf alt getrimmte Bilder als TV-Archivaufnahmen präsentiert, die teils wackelige Handkamera begleitet das sportliche Geschehen, Sportler in Großaufnahmen geben Interviews und Sportreporter sprechen ihre Kommentare in die Kamera. Dadurch, dass etwa auch ein Kamerateam durch den Film führt, bekommt „Könige der Wellen“ darüber hinaus eine weitere, beinahe selbstbezügliche Erzählebene, was eine Neuerung im Animationsfilm darstellt.

In „Könige der Wellen“ besticht insbesondere die Animation etwa des Wassers sowie der Unterwasser-Aufnahmen. Tricktechnisch ist der neue Film aus dem „Sony Pictures Animation“-Studio auf der Höhe der heutigen Möglichkeiten.

Allerdings erhalten seine Figuren, etwa im Vergleich zu den Filmen aus der tonangebenden Animationsschmiede Pixar („Findet Nemo“, „Die Unglaublichen“), kaum Tiefe, so dass „Könige der Wellen“ trotz des durchaus originellen Ansatzes einer falschen Dokumentation doch letztendlich etwas blutleer wirkt.

Denn die Parodie auf Sportreportagen und Reality-Shows verbraucht sich im Laufe des Filmes. Nach etwa einer Stunde scheint das Konzept ausgedient zu haben. Nun konzentriert sich „König der Wellen“ auf den Surf-Wettbewerb, womit die Story immer konventioneller wird, und die Allerweltsaussagen in Plattitüden übergehen.

Obwohl „Könige der Wellen“ durchaus über weite Passagen visuell und stilistisch zu überzeugen vermag, stellt sich insbesondere in der Schlussphase des Filmes erneut heraus, dass ein Animationsfilm an erster Stelle ein gutes Drehbuch braucht, das von gut entwickelten Charakteren getragen wird. Und beides hat „Könige der Welten“ nun einmal lediglich eingeschränkt zu bieten.
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