MÖRDERISCHER FRIEDEN | Mörderischer Frieden
Filmische Qualität:   
Regie: Rudolf Schweiger
Darsteller: Adrian Topol, Max Riemelt, Susanne Bormann, Damir Dzumhur, Anatole Taubman, Peter arz, Cornelia Köndgen, Bo Hansen, Max von Pufendorf, Frank Kessler
Land, Jahr: Deutschland 2007
Laufzeit: 91 Minuten
Genre: Dramen
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: S
im Kino: 12/2007


José García
Foto: Movienet

Der Militäreinsatz im Ausland bildet in den Vereinigten Staaten ein eigenes Filmgenre: Galten diese Spielfilme in den siebziger Jahren dem Vietnam-Krieg und seinen Folgen, so werden zurzeit in Hollywood wieder Kriegsfilme gedreht, die sich mit jüngsten militärischen Einsätzen auseinandersetzen, sei es in Afghanistan und Irak, etwa Robert Redfords „Von Löwen und Lämmern“ (siehe Filmarchiv), oder im Kampf gegen den Terror  so Gavin Hoods „Machtlos“ (siehe Filmarchiv).

Im Europa hingegen ist die filmische Auseinandersetzung mit dem Krieg vor der eigenen Haustür eher spärlich gesät. Eine Ausnahme stellte etwa der mit dem Preis für „Bestes Drehbuch“ in Cannes sowie mit dem Oscar 2002 als „Bester nicht-englischsprachiger Film“ ausgezeichnete Film des bosnischen Regisseurs Danis Tanovic „No Man’s Land“ dar, der in einer sozusagen „kammerspielartigen“ Inszenierung die Absurdität des Krieges vor Augen führt.

Die Bundeswehr beteiligt sich zwar seit Jahren laut eigener Darstellung „gemeinsam mit Streitkräften befreundeter Nationen und Partnern an friedenserhaltenden, stabilisierenden und friedenserzwingenden Operationen“, am stärksten im Rahmen der „ISAF” in Afghanistan und Usbekistan sowie der „KFOR“ im Kosovo. Eine filmische Behandlung der Bundeswehr-Auslandseinsätze stand jedoch noch aus.

Rudolf Schweigers Spielfilmdebüt „Mörderischer Frieden“ füllt nun diese Lücke: Der Spielfilm erzählt von zwei Soldaten der KFOR (Kosovo Force)-Friedenstruppe und den Schwierigkeiten, mit denen sie sich bei ihrem Auslandseinsatz im Kosovo im Jahr 1999 konfrontiert sehen.

Die Bundeswehrsoldaten Tom (Adrian Topol) und Charly (Max Riemelt) gehören zu einer Bundeswehr-Kompanie im KFOR-Einsatz, der nach der Beendigung des Krieges „friedenserhaltend“ eingreifen soll. Denn zwischen Serben und Albanern gehen die Abrechnungen, das Morden und Plündern weiter. Toms und Charlys Kompanie hat den Auftrag, die Angehörigen der albanischen Miliz zu entwaffnen und die letzten im Ort ansässigen Serben in eine Schutzzone umzusiedeln.

Als ein Heckenschütze das Feuer auf einen Marktplatz eröffnet und die junge Serbin Mirjana (Susanne Bormann) verletzt, rettet sie Charly todesmutig, aber gegen den Befehl handelnd, wobei er selbst angeschossen wird. Tom verfolgt den Scharfschützen, der sich als ein kaum 13-Jähriger entpuppt: Der albanische Junge Durcan (Damir Dzumhur) verweigert allerdings jede Aussage über das Waffenlager der Albaner.

Diese Information ist für die UN-Blauhelme allerdings eminent wichtig. Denn der albanische Milizkommandeur Enver (Anatole Taubman) will mit aller Macht die Serben aus dem Dorf vertreiben und sich an Mirjanas Familie rächen – ihr Vater Dr. Goran Jovovic (Peter artz) war an serbischen Massakern an den Albanern beteiligt, wovon Mirjana freilich keine Ahnung hat.

Dass Rudolf Schweiger in seinem Spielfilm nicht auf eine Liebesgeschichte verzichten wollte, obwohl sie sich recht gekünstelt ausnimmt, steht letztlich der Dramaturgie nicht im Weg, weil sie der Einführung des Kriegsverbrecher-Themas dient.

Schwerer wiegt es aber, dass „Mörderischer Frieden“ in der Inszenierung arg dilettantisch wirkt: So bleiben die Kulissen immer als Kulissen erkennbar. Dass Albaner, die offensichtlich Wochen lang durch das Gebirge geirrt sind, wie neu eingekleidet aussehen, spricht nicht gerade für Authentizität. Gleiches lässt sich etwa auch von der Sprache sagen: Unter „gebrochen deutsch reden“ verstehen die Filmemacher offensichtlich, lediglich mit starkem Akzent sprechen. Wenn aber dieselben Akteure komplizierte Gedankengänge in grammatikalisch einwandfreiem Deutsch ausdrücken können, sorgt dies ebenfalls für Irritationen.

Wenn eine bombastische, zu den Bildern kaum passende Filmmusik dazu kommt, dann leidet der Gesamteindruck nachhaltig. „Mörderischer Frieden“ bietet darüber hinaus eine klischeehafte Figurenzeichnung, bei der die (meisten) deutschen Soldaten als mutige und sympathische Menschen, die Albaner als Bösewichte dargestellt werden. Der Anspruch, die Stimmung bei einem Bundeswehr-Auslandseinsatz schildern zu wollen, kann Rudolf Schweigers kaum einlösen.
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