VERWÜNSCHT | Enchanted
Filmische Qualität:   
Regie: Kevin Lima
Darsteller: Amy Adams, Patrick Dempsey, James Marsden, Timothy Spall, Idina Menzel, Rachel Covey, Susan Sarandon, Michaela Conlin, Paige O'Hara
Land, Jahr: USA 2007
Laufzeit: 108 Minuten
Genre: Familienfilme
Publikum:
Einschränkungen: --
im Kino: 12/2007
Auf DVD: 5/2008


José García
Foto: Buena Vista

Der mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ ausgezeichnete Spielfilm „Shrek“ (2001) lieferte eine Parodie auf das klassische Märchen-Genre, die in den letzten Jahren von weiteren computeranimierten Filmen aufgegriffen wurde. Den Witz von „Shrek“ und seinen Nachfolgern „Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück“ (2004) sowie „Shrek der Dritte“ (2007) erreichten jedoch etwa „Die Rotkäppchen-Verschwörung“ (2006) und „Es war K’ Einmal im Märchenland“ (2007) allerdings nicht.

Nun übernimmt es Disney selbst, das Genre – und damit selbstredend auch die eigenen klassischen Zeichentrickfilme – „umzuinterpretieren“. Mit „Verwünscht“ („Enchanted“) beweist das traditionsreiche Filmstudio Selbstironie sowie die Absicht, in der Familienunterhaltung neue Wege zu beschreiten.

„Verwünscht“ beginnt wie so viele klassische Märchen: In einem Zeichentrick-Wald lebt die hübsche Märchenprinzessin Giselle, in deren Gesang die Tiere und Vögel des Waldes einstimmen. Zum Glück fehlt ihr nur noch die Liebe – und diese kommt in Gestalt des Märchenprinzen Edward von „Andalasia“ dahergeritten. Hochzeit soll gefeiert werden. Allerdings haben der Prinz und die Prinzessin die Rechnung ohne die böse Stiefmutter Königin Narissa gemacht, die ihre ungeliebte zukünftige Schwiegertochter am Tag ihrer Hochzeit in „die Welt ohne Happy End“ verbannt.

Nach diesen ersten, betont kitschigen zehn Minuten wechselt der Film plötzlich von Zeichentrick- auf Realfilm: Die „Welt ohne Happy End“ beginnt hinter einem Gullydeckel am New Yorker Times Square, wo sich Giselle (Amy Adams) in ihrem Hochzeitskleid kaum zurechtfindet. Ein Glück, dass sie vom allein erziehenden Scheidungsanwalt Robert (Patrick Dempsey) und seinem süßen Töchterchen aufgenommen wird.

Aber auch Prinz Edward (James Marsden) entschließt sich, zusammen mit seinem verräterischen Adjutanten Nathaniel (Timothy Spall) und Giselles besonderem Freund, einem Backenhörnchen, der Angebeteten zu folgen. Schließlich gelangt auch die böse Stiefmutter (Susan Sarandon) nach New York, um mit einem vergifteten Apfel Giselle ein für alle Mal aus beiden Welten zu schaffen.

In „Verwünscht“ gelingt Regisseur Kevin Lima die Übergänge von Zeichentrick- und Realwelt, aber auch die Animationseinlagen, etwa des Backenhörnchens als „Film im Film“, technisch hervorragend. Obwohl die visuellen Vorbilder in den klassischen Märchen von „Schneewittchen“ über „Aschenputtel“ bis „Dornröschen“ zu finden sind, erinnern die Gesang- und Tanzeinlagen eher an die Musicals der 60er Jahre. Nicht umsonst spricht in „Verwünscht“ die (Original-) Erzählstimme Julie Andrews, die sowohl in Robert Stevensons „Mary Poppins“ (1964) als auch in Robert Wises „Meine Lieder, meine Träume“ („The Sound of Music“ 1965) die Hauptrolle spielte.

Profitiert Amy Adams für ihre Rolle von ihrer naiven Ausstrahlung, so scheint insbesondere Susan Sarandon Gefallen an ihrer bösen Königin-Rolle zu finden. In der Konkurrenz um die witzigste Figur bleibt jedoch das lustige Backenhörnchen etwa gegenüber Timothy Spalls Nathaniel Sieger: Dem Streifenhörnchen gelingt es immer wieder, den Zuschauer zum Lachen zu bringen.

„Verwünscht“ jongliert gekonnt mit traditionellen Disney-Klischees und mit systemimmanentem, bewusstem Kitsch („Sind Sie einer Kitsch-Postkarte entsprungen“, fragt etwa Robert Giselle, als sie sich kennen lernen). Obwohl gegen Ende Giselle unter dem Motto „Eine Kreditkarte ist besser als eine gute Fee“ zu viel Gefallen am Konsumrausch findet und sich das Finale mit seinen „King Kong“-Anklängen ziemlich vom Märchenstil des Filmes entfernt, bleibt der selbstironische Spielfilm „Verwünscht“ insgesamt den traditionellen Familienwerten von Disney treu.
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