O’HORTEN | O'Horten
Filmische Qualität:   
Regie: Bent Hamer
Darsteller: Bård Owe, Bjarte Hjelmeland, Henny Moan, Gard Eidsvold, Bjørn Floberg, Ghita Nørby, Espen Skjønberg, Trond Viggo Torgersen
Land, Jahr: Norwegen / Deutschland 2007
Laufzeit: 89 Minuten
Genre: Zwischenmenschliche Beziehungen
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: S
im Kino: 12/2008
Auf DVD: 6/2009


José García
Foto: Pandora

Ein Zug nährt sich in einer verschneiten Landschaft einem Tunnel. Im Führerhaus sitzt der 67-jährige Odd Horten (Bård Owe), der nun seine vorletzte Fahrt von Oslo nach Bergen absolviert. Am nächsten Tag soll er dann in die norwegische Hauptstadt zurückfahren. Dann tritt er in den Ruhestand ein.

Diesen einen letzten Tag schildert der norwegische Drehbuchautor und Regisseur Bent Hamer in seinem Spielfilm „O’Horten“ mit einem beachtlichen Gespür für kleine Gesten, wie Odd Horten etwa den Vogelkäfig daheim zudeckt, ehe er seine Wohnung verlässt. Mit diesem sicheren Gefühl geht ein ebenfalls detailverliebtes Produktionsdesign einher, das sich etwa in der altmodisch, aber reinlich sauberen Wohnungseinrichtung ausdrückt.

Nachdem der zuverlässige Lokführer den Zug ausgerechnet am Tag vor seiner Pensionierung verpasst hat, erlebt er allerlei skurrile Begegnungen in seinem neuen Rentnerdasein. Zunächst besucht er seine an Altersdemenz leidende Mutter im Altersheim, beobachtet die Verhaftung des Kochs seines Stammlokals, findet sich auf einmal mitten auf dem Rollfeld eines Flughafens, woraufhin er selbst von den Sicherheitskräften abgeführt wird. Schließlich rettet er einen Mann vor dem Erfrieren, was ihm neue „Abenteuer“ beschert.

Die episodenhafte Handlung von „O’Horten“ besteht aus diesen präzise beobachteten, immer wieder ins Absurde gleitenden Situationen. Es ist weniger das Geschehen als die lakonisch-stoische Haltung von Odd Horten, was den Zuschauer fesselt. Zumal Regisseur Bent Hamer die unterschiedlichen Episoden mit einer Prise lakonischen Humors garniert. So bemerkt etwa der Kellner im Restaurant nach der Verhaftung des Kochs: „Ich brauche Sie vermutlich nicht darauf hinzuweisen, dass ich keine Bestellungen für warme Gerichte mehr entgegen nehme.“

Wie beim finnischen Regiemeister Aki Kaurismäki stellen sich indes all diese verschrobenen Geschichten als Vehikel heraus, um ein Porträt menschlicher Einsamkeit zu entwerfen. Mit mal unbeweglicher, mal ins Melancholische chargierender Miene gestaltet Bård Owe seinen Odd Horten als einen Menschen, der an einem Wendepunkt seines Lebens nach Halt und menschlicher Wärme sucht.
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