LA NANA – DIE PERLE | La Nana
Filmische Qualität:   
Regie: Sebastián SIlva
Darsteller: Catalina Saavedra, Claudia Celedón, Alejandro Goic, Andrea García-Huidobro, Mariana Loyola, Agustín Silva, Darok Orellana
Land, Jahr: Chile 2009
Laufzeit: 94 Minuten
Genre: Dramen
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: X
im Kino: 6/2010


José García
Foto: Arsenal

Bereits der deutsche Filmtitel „La Nana – Die Perle“ verdeutlicht die Schwierigkeit, die Funktion der Hauptperson in Sebastian Silvas chilenischem Spielfilm angemessen zu übertragen, scheint diese Stellung in Europa doch seit Generationen ausgestorben zu sein. Die Bezeichnungen Hausmädchen, Hausangestellte, Haushaltshilfe umschreiben das, was etwa in Chile eine „Nana“ (nicht mit der amerikanischen „Nanny“ zu verwechseln!) meint, nicht angemessen. „Sie gehört mehr oder weniger zur Familie“, so der Kommentar des Regisseurs.

Raquel (Catalina Saavedra) lebt seit 23 Jahren bei einer Familie der Oberschicht in Santiago de Chile. Der Film beginnt mit ihrem 41. Geburtstag, als das Ehepaar Pilar (Claudia Celedon) und Mundo Váldez (Alejandro Goic) und deren Sohn Lucas (Agustin Silva) Raquel richtig bedrängen müssen, damit sie aus der Küche herauskommt und mit der Familie an ihrem Tisch ein wenig feiert. Die beinahe an einen Loriot-Sketch erinnernde peinliche Stimmung veranschaulicht die ambivalente Stellung Raquels: Obwohl sie länger als alle vier Valdez-Kinder im Haushalt lebt, gehört sie nicht dazu, wird auch nie richtig zur Familie gehören. Dies macht ihr insbesondere die rebellierende älteste Tochter Camila (Andrea García-Huidobro) unmissverständlich klar.

Der Psychokrieg zwischen Camila und Raquel hinterlässt Spuren. Die „Nana“ ist so genervt, dass sie bald krank wird. Zu ihrer Entlastung wird eine zweite Haushaltshilfe eingestellt – was Raquel als eine Art Kriegserklärung auffasst. Ihr gelingt es, diese und noch weitere Hilfen aus dem Haus zu jagen. Erst Lucys (Mariana Loyola) fröhliche, aber auch bestimmte Art schafft eine Atmosphäre des Vertrauens. Raquel erfährt auf diese Weise wohl zum ersten Mal Freundschaft unter Gleichen.

Trotz einiger Schwächen, etwa die nachlässige, eher fernsehmäßige Kameraführung oder auch die schon krankhaft-zwanghaft zu nennenden Bemühungen, die verschiedenen Hausmädchen zu entblößen, zeigt der mit dem Jurypreis beim Sundance-Filmfestival ausgezeichnete Film ein fein austariertes Psychogramm der Hauptfigur. Darüber hinaus unterstreicht „La Nana – Die Perle“ die Kraft der Freundschaft und der Liebe, die den härtesten Panzer aufzubrechen vermag. Zum großen Teil lebt dieser „kleine“, große Film indes von der glaubwürdigen Darstellung Raquels durch Catalina Saavedra, die für diese Rolle völlig zu Recht zahlreiche internationale Preise erhielt.
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