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José García Foto: Senator ![]() Durch diese trostlose Landschaft ziehen ein Vater (Viggo Mortensen) und sein etwa 10-jähriger Sohn (Kodi Smit-McPhee) in Richtung Süden. Dorthin treibt sie die Hoffnung, dass das Klima erträglicher sein und es dort weitere Überlebende geben könnte. Ihre Habseligkeiten schieben sie in einem Einkaufswagen vor sich her. Der Mann hat aber auch einen Revolver und zwei letzte Kugeln bei sich: eine für seinen Sohn, die andere für sich selbst. Dass die Gefahren allgegenwärtig sind, erfahren sie im Laufe ihrer Odyssee immer wieder, etwa durch Diebe und Plünderer oder besonders eindrücklich in einem dunklen Keller, in dem Vater und Sohn auf eine ganze Reihe halbverhungerter Menschen treffen, die von Kannibalen gefangen gehalten werden. Trotzdem erleben die zwei Namenlosen auch hin und wieder kleine Glücksmomente, wenn sie etwa eine Dose Cola in einem demolierten Automaten finden oder einen kleinen, abgelegenen See mit ungewohnt klarem Wasser entdecken, in dem sie endlich baden können. Ein großes Fest beschert ihnen beispielsweise die Entdeckung eines unterirdischen Schutzbunkers mit zahlreichen Vorräten. Ergreifender nimmt sich freilich die Begegnung mit einem alten, fast blinden Mann (Robert Duvall) aus, der von seinen qualvollen Jahren unterwegs erzählt, aber nun angesichts des unschuldigen Kindes aus der Gewissheit, dass selbst in dieser unmenschlichen Welt die Menschlichkeit noch eine Chance hat, neuen Lebensmut schöpft. Die Kamera von Javier Aguirresarobe fängt in ihren verwaschenen Farben eine verfallene Welt ein, die eine Art Folie für das beinahe kammerspielartige Vater-Sohn-Verhältnis bildet. Die dämmrigen Bilder kontrastieren umso stärker mit den in bunte Farben getauchten Rückblenden, die der Mann in seinen nächtlichen Träumen immer wieder durchlebt. Ein Familienglück im reinsten Sonnenschein, als seine Frau (Charlize Theron) gerade den Jungen zur Welt gebracht hatte. Bald aber brach die Apokalypse herein, die Familie kämpfte ums Überleben, während es draußen immer dunkler und kälter wurde. Während er niemals die Hoffnung aufgab, zerbrach seine Frau an der Aussichtlosigkeit und nahm sich das Leben. Die fast ausschließliche Konzentration auf Vater und Sohn lässt die starke schauspielerische Leistung von Viggo Mortensen deutlich zu Tage treten. Er verkörpert eine Figur glaubwürdig, die aus Liebe zu seinem Sohn gegen alle Hoffnung hofft, die sich aber auch selbst nicht immer an die hehren Prinzipien der Menschlichkeit hält, so etwa als der Mann einen Dieb überlistet und ihn dann in den sicheren Tod schickt. Ebenso beeindruckend: das konzentrierte Spiel, mit dem der junge Kodi Smit-McPhee die Rolle des Kindes füllt. Die stark episodenhafte Erzählung wechselt die kleinen lichten Momente mit Vorfällen ab, die den immer gleichen Zustand der Angst und allgegenwärtiger Gewalt gnadenlos ausdrücken. Aber auch diese kontrastiert The Road mit der Zuwendung des Vaters zu seinem kleinen Sohn, dem er nicht nur Geborgenheit, sondern vor allem Hoffnung zu vermitteln sucht. Knüpfte The Book of Eli die Frage des Überlebens an den Glauben an etwas an, was über die Kräfte und Fähigkeit des Menschen hinausgeht und in der Bibel seinen Ausdruck fand, so kreisen Drehbuchautor Joe Penhall und Regisseur John Hillcoat in The Road um die Geborgenheit in der Familie, in der die Menschenwürde ihren letzten Zufluchtsort findet. Unter einer trost- und hoffnungslosen Oberfläche stellt The Road die Frage nach dem Sinn des Lebens in einer entmenschlichten Welt. Die Antwort findet der Zuschauer in der durch die teils verstörende, teils lyrisch-hoffnungsvolle Musik von Nick Cave und Warren Ellis gesteigerten, bewegenden Zärtlichkeit zwischen Vater und Sohn. |
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