DUNKLE TURM, DER | The Dark Tower
Filmische Qualität:   
Regie: Nikolaj Arcel
Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Katheryn Winnick, Abbey Lee, Jackie Earle Haley, Claudia Kim, Fran Kranz, Michael Barbieri
Land, Jahr: USA 2017
Laufzeit: 94 Minuten
Genre:
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: G +
im Kino: 8/2017


José García
Foto: Sony

Der 1947 geborene Stephen King gehört zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Seine weltweite Gesamtauflage übersteigt die 400 Millionen Exemplare in mehr als 50 Sprachen. Etliche Romane oder Kurzgeschichten von Stephen King wurden verfilmt - von "Shining" (Stanley Kubrick, 1980) über "Mystery" (Bob Reiner, 1990) und "Dolores" (Taylor Hackford, 1995) bis hin zu dem siebenfach für den Oscar nominierten "Die Verurteilten" (Frank Darabont, 1994) und dem mit vier Oscars ausgezeichneten und ebenfalls unter der Regie von Frank Darabont entstandenen "The Green Mile" (1999). Die Internet-Filmdatenbank "IMDb" listet insgesamt 238 Titel auf, in denen er als "Writer" (entweder basieren die Drehbücher auf seinen Werken oder er wirkt selbst am Drehbuch mit) aufgeführt wird.

Unter seinen mehr als 50 Romanen ragt insbesondere der aus acht Bänden bestehende Romanzyklus "Der Dunkle Turm" heraus, zu dessen Vollendung der Autor laut eigenen Angaben fast 30 Jahre lang benötigte (erschienen von 1982 bis 2012). Auf mehr als fünftausend Seiten erzählt King im Romanzyklus die Geschichte von Revolvermann ("Gunslinger") Roland, der auf seinem Weg durch unterschiedliche Welten aus verschiedenen Zeiten und Szenarien gegen den "Mann in Schwarz" kämpft. Die Bücher gehören wohl zu den weniger bekannten Werken von Stephen King, zählen aber auf eine große weltweite Fangemeinde. Dass nun das Groß-Epos in einem 90-minütigen Spielfilm fürs Kino adaptiert werden soll, hat die meisten Fans dem Vernehmen nach ziemlich enttäuscht, ja teilweise erzürnt.

Das von Akiva Goldsman, Jeff Pinkner, Anders Thomas Jensen und Nikolaj Arcel stammende Drehbuch kann denn auch lediglich vage auf Kings Romanzyklus basieren. Regie führt Nikolaj Arcel, dessen Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt" mit zwei Silbernen Bären auf der Berlinale 2012 ausgezeichnet wurde. International bekannt wurde Nikolaj Arcel allerdings als Drehbuchautor für den düsteren Thriller "Verblendung" ("The Girl with the Dragon Tattoo, 2009). Ebenso finster nimmt sich die Stimmung in "Der Dunkle Turm" aus, dem die Ästhetik einer Zukunftsdystopie anhaftet. Die teilweise seltsam matten Bilder von Rasmus Videbaek wecken teilweise den Eindruck, durch einen Filter aufgenommen zu sein, der ihnen jeglichen Glanz abzieht.

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm." Mit diesem apokalyptischen Satz, der an die Geheime Offenbarung erinnert ("Die Frau aber floh in die Wüste", wohin der Drache sie verfolgt), beginnt der erste Band der Reihe. Um den Kampf zwischen dem Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba) und dem "Mann in Schwarz" Walter O´Dim (Matthew McConaughey) geht es ebenfalls im Spielfilm. Der Kampf gilt dem titelgebenden "Dunklen Turm", der das ganze Universum zusammenhält, und den der Mann in Schwarz zum Einsturz bringen will, damit er und "seine Dämonen" die Welt beherrschen können. Der "Gunslinger" Roland ist der Einzige, der den Dunklen Turm vor ihm verteidigen kann.

Im ersten Band des Romanzyklus "Schwarz" (Originaltitel: "The Gunslinger") begegnet der letzte Revolvermann dem 11-jährigen Jake Chambers unvermittelt. Der Film erzählt demgegenüber eher aus Jakes Sicht: Der 14-jährige Jake (Tom Taylor) lebt in unserer Welt, in New York City, bei seiner Mutter Laurie (Katheryn Winnick) und seinem Stiefvater Lon (Nicholas Pauling). Jake plagt immer wieder ein Alptraum, in dem er vom Mann in Schwarz, vom Revolvermann und vom Dunklen Turm träumt. Die Figuren aus seinen Albträumen zeichnet er immer wieder, so dass an den Wänden seines Zimmers Dutzende solcher Zeichnungen hängen. Er weiß, dass die Erdbeben, die seit einiger Zeit New York, aber auch andere Städte wie Tokyo und Berlin erschüttern, mit den Angriffen auf den Dunklen Turm zusammenhängen. Was er nicht weiß: Diese Angriffe werden mit Schreien von Kindern geführt. Er selbst ist in Gefahr, von den Dämonen des Manns in Schwarz gefangen genommen zu werden, und so gelingt er über ein "Transportationsportal" in die Mittwelt, wo sich der Revolvermann und der Mann in Schwarz bekämpfen.

In der Verfilmung bleiben einige Anspielungen auf den epischen Charakter der Vorlage erhalten. Allein der Name Roland verweist natürlich auf die Artus-Sage, die im Film hin und wieder erwähnt wird. So heißt es etwa, dass die Revolver des "Gunslinger" - der berühmte Colt 45 - aus dem Stahl von Excalibur gegossen seien. Der ritterliche Charakter des Roland, der in seinem Kampf gegen den Drachen - bezeichnenderweise kann der Mann in Schwarz auf seiner Hand Feuer entstehen lassen und es auf seine Gegner werfen - sogar als Georg, der Ritter schlechthin, erscheint, wird durch eine Inszenierung ersetzt, die eher an "Matrix" erinnert. Ein Beispiel: Als im ersten Band des Romanzyklus sich Roland und Walter gegenüberstehen, legt der Mann in Schwarz sieben Tarotkarten. Darin klingt die Szene aus Ingmar Bergmans "Das siebente Siegel" an, in der ein Ritter mit dem Tod Schach spielt - der Mann in Schwarz nennt Roland sogar "Kreuzritter". In der Verfilmung findet ein Showdown nach den Gesetzen des Action-Fantasy-Films statt.

Idris Elba und Matthew McConaughey spielen ebenfalls nach den Genregesetzen, aber ihre Figuren bleiben eindimensional. Der Revolvermann will einfach die Welt retten und sich an dem Mann rächen, der alle seinen geliebten Menschen getötet hat. Der Bösewicht will einfach die Welt beherrschen. Aus Kings epischer Erzählung ist eine austauschbare Fantasy-Geschichte geworden.
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