DINKY SINKY | Dinky Sinky
Filmische Qualität:   
Regie: Mareille Klein
Darsteller: Katrin Röver, Till Firit, Ulrike Willenbacher, Michael Wittenborn, Götz Schulte, Franciska Rako, Katarina Hauter, Alexander Bayer
Land, Jahr: Deutschland 2016
Laufzeit: 94 Minuten
Genre:
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 2/2018


José Garcia
Foto: Zorro Film

Fast sechzig Jahre nach der Einführung der sogenannten "Antibabypille" wird gerade das gegenteilige Phänomen zu einem regelrechten Problem wenigstens in den entwickelten Ländern. Allein in Deutschland leben laut der Internetplattform "wunderweib" etwa 1,5 bis zwei Millionen Menschen "mit unerfülltem Kinderwunsch". Im Jahre 2013 widmete etwa "Die Zeit" dem unerfüllten Kinderwunsch gar eine "Themenwoche". Im März 2017 veröffentlichte die "Süddeutsche Zeitung" einen Beitrag mit dem vielsagenden Titel "Wenn die Sehnsucht nach einem Kind krank macht". Beim Eingeben des Schlagworts "Kinderwunsch" wirft beispielsweise Google hunderttausende Ergebnisse aus, die sich mit dessen Ursachen und Folgen beschäftigen, oder einfach damit Werbung machen ("Wir haben die Lösung"). Erstaunlich, dass dabei in den allermeisten Fällen lediglich von künstlicher Befruchtung die Rede ist.

Kein Wunder also, dass Spielfilme, die von Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch handeln, künstliche Befruchtung oder Leihmütterschaft in den Mittelpunkt stellen, so etwa Bernard Bellefroids "Melodys Baby" und Anders Morgenthalers "Um jeden Preis". Mareille Kleins neu anlaufender Spielfilm "Dinky Sinky" handelt von der Sportlehrerin Frida (Katrin Röver), bei der die biologische Uhr ganz schön heftig tickt. Ihre Freundinnen sind bereits Mütter geworden, so dass die inzwischen 36-Jährige dreifache Tante und vierfache Patin ist. Nur für sie selbst ging der Kinderwunsch bislang nicht in Erfüllung, obwohl seit zwei Jahren die Beziehung zu ihrem Freund Tobias (Till Firit) einem strikten Zeugungsprogramm unterliegt. Tobias reagiert jedoch immer gereizter auf Fridas Ungeduld. Als sie einen Spezialisten für künstliche Befruchtung aufsucht und Tobias einen Heiratsantrag macht, reißt beim jungen Mann der Geduldsfaden. Zu sehr fühlt er sich von Frida nur noch als Mittel zum Zweck instrumentalisiert.

Durch Tobias´ Reißaus platzt denn auch Fridas Traum von Heim und Familie. Mit 36 Jahren gerät nun ihr ganzer Lebensentwurf vollkommen aus den Fugen, was auch in einem merkwürdigen Verhalten in der Schule seinen Niederschlag findet. Soll sie nun mit Mitte dreißig von vorne beginnen? Im Internet gibt es genügend Partnerbörsen, in denen sie sich nach einem geeigneten Vater für ihr Kind umschauen kann. Ihre eigene Mutter Brigitte (Ulrike Willenbacher) hat ihrem Witwendasein dadurch ein Ende gesetzt, dass sie eben im Internet den mehrfach geschiedenen Hartmut (Michael Wittenborn) kennenlernt hat — was allerdings dazu führt, dass Brigitte zu sehr auf sich fixiert ist und ihrer Tochter wohl kaum eine Stütze sein kann.

Zu ihrem Film führt Drehbuchautorin und Regisseurin Mareille Klein aus: Für Frauen, deren Kinderwunsch nicht in Erfüllung gehe, sei "der Verzicht auf ein Kind leidvoll. Es fühlt sich an, als hätten sie etwas verloren, obwohl sie es nie hatten. ,Dinky Sinky? nimmt diese Trauer ernst. Gleichzeitig stellt der Film die Angst vor einer unerfüllten Zukunft vehement in Frage. Frida, die Hauptfigur, ist in erster Linie nicht deshalb unglücklich, weil sie kein Kind hat, sondern weil sie sich auf die Idee eines Kindes fixiert. Alles andere in ihrem Leben wird diesem Wunsch angepasst und geht verloren. Fridas Problem ist ihre Vision eines Lebens mit Leerstelle."

Mareille Klein schildert das Lebensgefühl einer Generation, die wohl spät — vielleicht zu spät — Arbeit und Familie zu vereinbaren sucht. Der Filmtitel steht für "Double" beziehungsweise "Single Income No Kids Yet": "Doppeltes" beziehungsweise "Ein Einkommen, noch keine Kinder" — denn dies ist der Weg, den Frida wenigstens vorerst beschreitet. Als sehenswert in Mareille Kleins Film stellt sich besonders der Kontrast zwischen Fridas Freundinnen und ihr selbst heraus. Katrin Röver macht den Schmerz, den Frida spürt, geradezu sichtbar.
Darüber hinaus sucht Mareille Klein eine gewisse Situationskomik in den Nebenfiguren. So liefert etwa die Beziehung zwischen Brigitte und Hartmut dazu wunderbare Momente, wobei insbesondere Michael Wittenborn seinen Hartmut mit einer Mischung aus Großspurigkeit und Unbeholfenheit gestaltet, die eben nur noch komisch wirkt. Es ist freilich bezeichnend, dass der Arzt Frida sofort eine künstliche Befruchtung vorschlägt. Unter den Ärzten scheint es sich noch nicht genügend herumgesprochen zu haben, dass die natürlichen Fruchtbarkeitsmethoden um ein Vielfaches wirksamer sind.
Diese Seite ausdrucken | Seite an einen Freund mailen | Newsletter abonnieren