SHOPLIFTERS - FAMILIENBANDE | Manbiki Kazoku
Filmische Qualität:   
Regie: Hirokazu Kore-eda
Darsteller: Lily Franky, Sakura Andô, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki
Land, Jahr: Japan 2018
Laufzeit: 121 Minuten
Genre:
Publikum: ab 16 Jahren
Einschränkungen: X
im Kino: 12/2018


José García
Foto: Wild Bunch

Der japanische Drehbuchautor und Regisseur Hirokazu Kore-eda beschäftigt sich in seinen Filmen - von "Nobody Knows" über "Like Father, Like Son" bis "Unsere kleine Schwester" - mit ungewöhnlichen Familienkonstellationen. Sein aktueller Film "Shoplifters - Familienbande" handelt ebenfalls von einer ungewöhnlichen Familie:

Irgendwo in Tokio versucht eine Familie mit dem mageren Einkommen von Osamus (Lily Franky) Aushilfsarbeiten und den Gelegenheitsjobs seiner Frau Nobuyo (Sakura Ando) sowie mit der Rente der Großmutter Hatsue (Kilin Kiki) über die Runden zu kommen. Da dies kaum zum Leben reicht, stehlen Vater und Sohn Shota (Kairi Jyo) Lebensmittel. Nach einem solchen Ladendiebstahl entdecken die beiden ein kleines, verwahrlostes Mädchen, das in eisiger Kälte auf einem Balkon sitzt. Sie nehmen die kleine Yuri (Miyu Sasaki) mit nach Hause. Als sie an Yuris Arm Brandflecken entdecken, beschließen sie, die Kleine nicht zu ihrer Familie zurückzubringen, sondern sie zu behalten. Nach und nach lebt Yuri in ihrer Ersatzfamilie auf, die sozusagen im "Keller" der Gesellschaft lebt. Schnell wird es aber auch deutlich, dass die Familie etliche Geheimnisse hütet.

Auch wenn der Zuschauer die Familie als Betrüger und Kleinkriminelle erlebt, gestaltet sie der Regisseur als so herzliche Menschen, dass man schnell für sie Partei ergreift. Insbesondere die Fürsorge für die kleine Yuri, die außerdem als Einzige kein Geld in die Familienkasse bringt, rührt an. So erlebt sie ungeahnte Freuden, etwa bei ihrem ersten Strandbesuch. Vielleicht geht es Hirokazu Kore-eda nicht so sehr darum, eine Alternative zum "konventionellen" Familienbegriff zu liefern, als vielmehr auf eine gesellschaftliche Heuchelei hinzuweisen, wie er selbst ausführt: "In Japan werden Straftaten wie Rentenbetrügereien und Eltern, die ihre Kinder zu Ladendieben machen, heftig kritisiert. Natürlich ist diese Kritik berechtigt. Dennoch frage ich mich, warum Menschen wegen solch geringfügiger Verstöße so wütend werden, obwohl es viele Kriminelle gibt, die weitaus schlimmere Verbrechen begehen, ohne dafür verurteilt zu werden."

"Shoplifters - Familienbande" gewann die diesjährige Goldene Palme auf dem Filmfestival Cannes. Der Film wurde kürzlich in die "Short-List" für den nichtenglischsprachigen Oscar gewählt.
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