Aktuelle Filmkritiken
IM TUNNEL
Maren Adam (Maria Simon) lebt mit ihrem Mann Mehdi (Carlo Ljubek) und ihren Kindern Paula (Carolin Garnier) und Daniel (Tom Philipp) in einem Einfamilienhaus in Hamburg. Sie steht vor der Eröffnung eines eigenen Lokals, das sie zusammen mit ihrer Freundin Iris (Jasmin Gerat) betreiben möchte. Bei den dazu erforderlichen Umbauarbeiten hilft den beiden Marens Bruder, der im Keller des Gebäudes einen Tunnel entdeckt. Maren möchte, dass ihr Bruder den Eingang zum Tunnel einfach zumauert. Doch dazu kommt er nicht mehr. Denn bald darauf wird Marens Bruder in seiner Wohnung erschlagen aufgefunden. Mehdi und die Kinder versuchen, wieder in den Alltag zurückzukehren. Weil aber die Polizei trotz Ermittlungen den Mörder nicht finden kann, beginnt Maren auf eigene Faust zu recherchieren. Bald glaubt sie, Hinweise auf eine ungeheure Verschwörung gefunden zu haben. Ihr Bruder sei einer international agierenden Atommüllmafia zum Opfer gefallen, die im alten Tunnelsystem unter Hamburg Giftmüll einzulagern beginnt. Ihrer Verschwörungstheorie glaubt jedoch niemand. Die Polizei scheint eine falsche Fährte zu verfolgen. Und sogar ihr Mann scheint in dieses schmutzige Geschäft verwickelt zu sein. Sie fühlt sich allein gelassen, verfolgt und bedroht. Trotz Auseinandersetzungen mit ihrem Mann merkt Mehdi genauso wie Marens beste Freundin Iris viel zu spät, dass nicht [mehr]

Text: José García
Foto: ZDF/ Boris Laewen
GOLD
Im Jahre 1981 arbeitet Kenny Wells (Matthew McConaughey) als Verkäufer in der "Washoe Mining Corporation" in Reno. Dieses Unternehmen zur Ausbeutung von Bodenschätzen hatte sein Großvater gegründet. Zurzeit führt es Kennys Vater. Dem Unternehmen geht es offenbar sehr gut: Große Büroräume und eine stattliche Mitarbeiterzahl zeugen davon. Kenny fühlt sich glücklich, auch in seinem Privatleben mit Freundin Kay (Bryce Dallas Howard). Nach diesem Prolog, wohl als Rückblende erzählt, beginnt die eigentliche Handlung von Stephen Gaghans Spielfilm "Gold" sieben Jahre später. Aus dem gutaussehenden Kenny ist ein übergewichtiger Mann mit Halbglatze und schlechten Zähnen geworden. Der Vater ist offensichtlich gestorben, und nun führt Kenny Wells die Geschicke der Washoe Mining Corporation - freilich mit wenig Erfolg. Der Erbe der ehemals großen Firma ist nun ein Versager mit ausgesprochenem Alkoholproblem. Im Rausch erinnert er sich an eine Reise, die er Jahre zuvor nach Indonesien unternahm. Dort traf er Mike Acosta (Edgar Ramírez), der ein großes Kupfervorkommen entdeckt hatte. Nun fliegt Kenny Hals über Kopf nach Jakarta. Er will Acosta überzeugen, mit ihm auf Goldsuche zu gehen. Sein Traum sei eben ein Fingerzeig des Schicksals. Nach vielen Rückschlägen finden die beiden im indonesischen Dschungel in einer der Bohrproben Gold.

Zuhause macht der Fund Schlagzeigen. [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal
ZU GUTER LETZT
Mit einer Reihe alter Fotos von Shirley MacLaine beginnt der Spielfilm "Zu guter Letzt" ("The Last Word") von Mark Pellington (Regie) und Stuart Ross Fink (Drehbuch). So wird deutlich, dass es hier nicht nur um die von der alten Dame verkörperte Figur Harriet Lauler geht. "Zu guter Letzt" nimmt sich auch als eine Hommage an die Schauspielerin Shirley MacLaine selbst aus, die ab ihrem ersten großen Erfolg im Jahre 1960 ("Das Appartement") zur Hollywood-"Legende" aufstieg, und die in den nächsten Tagen 83 Jahre alt wird.

Harriet Lauler lebt alleine in einem geräumigen und luxuriösen Haus. Ein paar Pinselstriche — Szenen in der Küche, im Garten, beim Frisör — reichen, um ihren Charakter zu etablieren: Sie weiß alles besser, und am liebsten würde sie alles selber machen: kochen, gärtnern ... Selbst am Arzt, der sie nach einem Selbstmordversuch mit Schlaftabletten und einer Flasche Rotwein behandelt, lässt die Kratzbürste kein gutes Haar. Harriet Lauler war einst eine erfolgreiche Geschäftsfrau, aber auch im Ruhestand will sie Chefin sein und alle Menschen um sich kontrollieren. Unter dem Motto "Kontrolle ist wichtig" setzt sie sich in den Kopf, dass ihr eigener Nachruf unter ihrer Aufsicht geschrieben werden soll. Weil sie 25 Jahre lang mit ihren Anzeigen [mehr]

Text: José García
Foto: Tobis
VERLEUGNUNG
Im Jahre 1996 verklagte der britische Historiker David Irving die amerikanische Schriftstellerin und Professorin für Jüdische Zeitgeschichte und Holocaust-Studien Deborah E. Lipstadt sowie den britischen Verlag "Penguin Books" vor einem Londoner Gericht wegen Beleidigung, übler Nachrede und Geschäftsschädigung. Denn Lipstadt hatte im in eben diesem Verlag erschienenen Buch "Denying the Holocaust", 1993 (deutsch: Betrifft: Leugnen des Holocaust, 1994) Irving einen "Lügner" genannt. Der Urteilsspruch wurde am 15. März 2000 verkündet. Deborah E. Lipstadt schrieb darüber das Buch "History on Trial. My Day In Court With David Irving" (2005), auf dem das Drehbuch von David Hare für den Spielfilm "Verleugnung" ("Denial") basiert. Regie führt Mick Jackson.

"Verleugnung" beginnt mit der Einführung der zwei Protagonisten: David Irving (Timothy Spall) macht im Fernsehen Witze über Ausschwitz, Deborah E. Lipstadt (Rachel Weisz) hält eine Vorlesung über die Holocaust-Leugnung. Abgesehen von dieser Paralleleinführung erzählt Mick Jacksons Film konsequent aus Lipstadts Sicht. Nachdem Irving plötzlich in einer Vorlesung der Professorin Lipstadt an der Emory University in Atlanta auftaucht und den Studenten eine Geldprämie bietet, wenn sie einen Beweis für den gezielten Völkermord an den europäischen Juden erbringen, sind die Sympathien im Film von Anfang an klar verteilt: Irving erscheint als aufgeblasen, Lipstadt als bescheiden. Nach der Erscheinung [mehr]

Text: José García
Foto: universum
THE BIRTH OF A NATION - AUFSTAND ZUR FREIHEIT
Im Mittelpunkt von Nate Parkers Regiedebüt "The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit" steht Nathaniel "Nat" Turner, der im Jahre 1831 in Virginia einen Sklavenaufstand anführte. Der Film beginnt mit einem alten Ritual, das daran erinnern soll, dass Nats Mutter und Großmutter von Afrika nach Amerika verschleppt worden waren. Bereits als Nat neun Jahre alt ist, wird ihm eine besondere Führungsposition vorausgesagt. Auf der Baumwollplantage, wo er geboren wurde, spielt er ungezwungen mit dem gleichaltrigen Sohn der Plantagenbesitzer. Als Nats Vater beim Stehlen von Lebensmitteln erwischt wird, flieht er und wird nie mehr gesehen. Nat muss sich um Mutter und Großmutter kümmern. Der aufgeweckte Nat hat sich inzwischen das Lesen selbst beigebracht, was die Frau des Plantagenbesitzers (Penelope Ann Miller) dazu bringt, ihn beim Lesen der Heiligen Schrift zu unterrichten.

Als Erwachsener predigt Nat (Nate Parker) sonntags vor Besitzern und Sklaven zugleich. Sein Ruf als Prediger zieht immer größere Kreise, und bringt Plantagenbesitzer auf einen perfiden Gedanken: Der schwarze Prediger soll in den umliegenden Plantagen die Sklaven mit seiner Predigt "beruhigen" - denn Gerüchte über die wachsende Ungeduld der Sklaven in den Baumwollfarmen Virginias machen inzwischen die Runden. Samuel Turner (Armie Hammer), der die Farm nach dem Tod seines [mehr]

Text: José García
Foto: 20th Century Fox
40 TAGE IN DER WÜSTE
Das vierte Kapitel des Lukasevangeliums erzählt von der Vorbereitung Jesu auf sein öffentliches Auftreten durch 40-tägiges Fasten: "Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt." Die darin wiedergegebenen drei Versuchungen - seine Macht zum eigenen Vorteil durch Verwandlung von Steinen in Brot einzusetzen, sich vor dem Teufel niederzuwerfen, Gott auf die Probe zu stellen - haben Künstler, auch Filmkünstler inspiriert. Der kolumbianische Regisseur Rodrigo García, Sohn des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez und hierzulande bekannt mit seinen Filmen "Mütter und Töchter" und "Albert Nobbs" (2011), geht in seinem Spielfilm "40 Tage in der Wüste" einen anderen Weg.

Der Originaltitel des Filmes "Last Days in the Desert" spiegelt die Handlung besser als der deutsche Verleihtitel wider: In den letzten Tagen, die Jesus in der Wüste verbringt, spürt er nicht nur Hunger und Durst, sondern auch Kälte. Der vom schottischen, weltweit bekannten Schauspieler Ewan McGregor dargestellte Jeshua ist durch und durch Mensch. Nach einer kurzen Begegnung mit einer von einer Schlange begleiteten Frau (Susan Gray) wird er vom Teufel (Ewan McGregor in einer Doppelrolle) heimgesucht. Dass Jesus und der Versucher von [mehr]

Text: José García
Foto: Tiberius
Ü 100 - ACHT ÜBER HUNDERTJÄHRIGE UND IHRE LEBENSWELT
In Deutschland leben zurzeit etwa 17 500 Hundertjährige. Und die Gesellschaft altert weiterhin. Jedes zweite der seit dem Jahr 2000 geborenen Kinder wird wahrscheinlich ein dreistelliges Alter erreichen, so dass sich diese Zahl bis 2060 mehr als verzehnfachen wird. Wie leben Hochbetagte heute? Einen kleinen Einblick in ein Leben mit hundert Jahren (und mehr) gibt der Dokumentarfilm "Ü 100 ? Acht über Hundertjährige und ihre Lebenswelt" von Dagmar Wagner.

"Ich spüre gar nicht, dass ich älter werde", sagt etwa die 102-jährige Ruja Diebold. Eigentlich wollte sie im Film nicht mitmachen, denn dann wüsste ja jeder, wie alt sie sei. Allerdings war sie bereit, als Klavierspielerin mitzuwirken. Ihr Spiel bildet denn auch eine Art Rahmenhandlung für den Film. Dagmar Wagner zeigt sie manchmal in Halbtotale, manchmal richtet Kameramann Thomas Beckmann sein Objektiv auf Ruja Diebolds Hände, die zwar zerfurcht aussehen, aber noch immer flink über die Klaviatur wandern. Noch eine Art Rahmenhandlung: Das Fußballspiel von Bayern München, das sich die Älteste der Mitwirkenden im Fernsehen anschaut. Die 104-jährige Erna Rödling lebt seit neun Jahren in einer Seniorenresidenz am Starnberger See. Seitdem ist sie zu einem großen Fußball- und insbesondere Bayernfan geworden. Ein genauerer Blick auf den Bildschirm verrät die Entstehungszeit des Filmes: [mehr]

Text: José García
Foto: Konzept+Dialog
HÜTTE - EIN WOCHENENDE MIT GOTT, DIE
Im Jahre 2007 veröffentlichte der 1955 als Sohn von Missionaren in Kanada geborene und im heutigen West Papua aufgewachsene William Paul Young den christlichen Roman "The Shack" (Deutsch: "Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott"). Das Buch, das vorher von 26 Verlagen abgelehnt und deshalb im Eigenverlag "Windblown Media" erschien, blieb zunächst fast unbeachtet. Erst durch christliche Mundpropaganda in Kirchen, auf Internetforen und auf Radiosendern avancierte es 2008 zum Bestseller. "The Shack" hielt sich auf Platz 1 der New York Times 70 Wochen lang. Inzwischen erreichte das Buch eine weltweite Auflage von 22 Millionen Exemplaren.

Gil Netter, Produzent der bekannten Spielfilme "Blind Side - Die große Chance" (2009), "Wasser für die Elefanten" (2011) und "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" (2012) sicherte sich die Filmrechte, und produzierte den gleichnamigen Film zusammen mit "Windblown Media"-Gründer Brad Cummings. Regie führt Stuart Hazeldine nach einem Drehbuch von John Fusco und Andrew Lanham. Dadurch und durch die Beteiligung prominenter Darsteller, allen voran der insbesondere aus dem umsatzstärksten Film aller Zeiten "Avatar - Aufbruch nach Pandora" (2007) und zuletzt aus Mel Gibsons "Hacksaw Ridge - Die Entscheidung" bekannte Sam Worthington sowie die für "The Help" (2001) mit dem Oscar ausgezeichnete und für "Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen" [mehr]

Text: José García
Foto: Concorde
ES WAR EINMAL IN DEUTSCHLAND
Frankfurt am Main, 1946. Der jüdische Kaufmann David Bermann (Moritz Bleibtreu) hat den Holocaust überlebt. Er träumt von Amerika, wo er ein neues Leben beginnen möchte. Wie soll er aber das Geld für die Überfahrt und für den Start in der Neuen Welt beschaffen? In einer späteren Szene von Sam Garbarskis Film "Es war einmal in Deutschland", der in der "Special Gala"-Reihe der diesjährigen Berlinale uraufgeführt wurde und nun im regulären Kinoprogramm startet, erzählt Bermann vom Kaufhaus in der Frankfurter Innenstadt, das vor 1933 seinen Eltern gehörte. Auch er ist Kaufmann durch und durch. So kommt er auf den Gedanken, nach dem Krieg brauchten die Deutschen vor allem feinste Weißwäsche. Die Geschäftsidee ist zwar geboren. Aber im Jahre 1946 braucht David Bermann dafür eine Lizenz von der amerikanischen Militärregierung.

Die Lizenzerteilung lässt noch auf sich warten ? bald wird Bermann auch erfahren, warum. Da er aber nicht warten möchte, sucht er unter den "displaced persons" im Frankfurter Auffanglager Geschäftspartner. Seine fünf Geschäftsfreunde Fajnbrot (Tim Seyfi), Fränkel (Anatole Taubman), Szoros (Pál Mácsai), Verständig (Hans Löw) und Krautberg (Václav Jakoubek) besorgen ihm die Verkaufslizenz. Bermann, der eher wegen seiner Eloquenz und des Schalks im Nacken denn wegen des dünnen Schnurbarts an Groucho Marx [mehr]

Text: José García
Foto: X-Verleih
VERSUNKENE STADT Z, DIE
Der Spielfilm "Die versunkene Stadt Z" ("The Lost City of Z") von James Gray, der beim New York Film Festival Premiere feierte und nun im regulären Kinoprogramm startet, adaptiert das 2009 erschienene Buch von David Grann, der zusammen mit Regisseur Gray das Filmdrehbuch verfasste. Die Existenz einer versunkenen Zivilisation zu beweisen, wurde für den britischen Forschungsreisenden Percival Fawcett zur Lebensaufgabe. Der 1867 geborene Fawcett bekleidete diverse Posten bei der Armee des britischen Empires, ehe er insgesamt sieben Expeditionen in den südamerikanischen Urwald unternahm.

Der Film setzt im Jahre 1905 ein, als der noch junge Offizier Percival "Percy" Fawcett (Charlie Hunnam) zwar militärisch brilliert, aber mit seiner Stellung in Cork unzufrieden ist, weil er keine Aufstiegschancen sieht. Eine Gelegenheit, sich zu beweisen, wird ihm im März 1906 in Form einer Expedition ins Amazonasgebiet angeboten. Denn zu dieser Zeit war das Regenwaldplateau von Mato Grosso eines der letzten noch nicht vermessenen Gebiete der Erde. Zwischen Bolivien und Brasilien herrschte ein Grenzstreit wegen der vermuteten Kautschukbaumvorkommen in der Region. Die Royal Geographical Society wurde als Schlichter angerufen. Sie sollte das Gebiet vermessen, kartieren und so den endgültigen und anerkannten Grenzverlauf festlegen.

Mit dieser Aufgabe betraut die Londoner Royal Geographical Society Percy Fawcett. Zusammen mit seinem [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal