Aktuelle Filmkritiken
FINSTERES GLÜCK
Am Anfang des Spielfilms "Finsteres Glück" steht der Isenheimer Altar, unterlegt von Choral-Musik. Der in Zürich geborene Regisseur Stefan Haupt, der auch nach dem gleichnamigen Roman von Lukas Hartmann das Drehbuch verfasste, erklärt dazu, das Hauptwerk von Matthias Grünewald besitze im Film wie im Buch eine besondere Funktion "in dieser absolut ungeschönten Brutalität, die den Schmerz und das Leiden nicht kaschiert."

Einen brutalen Schicksalsschlag erlebt der achtjährige Yves (Noé Ricklin), als bei einem Verkehrsunfall seine Eltern und seine Geschwister sterben. Noch in derselben Nacht erhält Psychologin Eliane Hess (Eleni Haupt) einen Notruf. Sie eilt ans Krankenhausbett des Jungen, und von Anfang an spürt sie, dass Ives etwas beschäftigt, worüber er nicht sprechen kann, und die in der Unfallnacht passierte. Tante und Großmutter des Jungen streiten über das Sorgerecht für Yves, der jedoch weder bei der einen noch bei der anderen leben möchte.

"Finsteres Glück" handelt vorwiegend von der ungewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung, die zwischen dem Achtjährigen und der Psychologin entsteht, so dass nicht nur die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem bei ihr verschwimmt. Darüber hinaus weckt Elianes Verhalten bei ihren eigenen Töchtern Helen (Elisa Plüss) und Alice (Chiara Carla Bär) eine gewisse Eifersucht. Zum Glück kann aber Eliane auf ihren von ihr getrennt lebenden [mehr]

Text: José Garcia
Foto: W-fim
DON´T WORRY, WEGLAUFEN GEHT NICHT
John Callahan (1951-2010) wurde ein berühmter Zeichner von frechen, häufig bitterbösen, manchmal auch zynischen Comics. Seine unverwechselbare, etwas zittrige Linienführung hängt damit zusammen, dass Callahan gelähmt war, nachdem er mit 21 Jahren in betrunkenem Zustand einen Verkehrsunfall baute. Callahan veröffentlichte seine Zeichnungen in mehr als 50 Zeitschriften. Dabei bestand die größte Schwierigkeit, die er überwinden musste, nicht in seiner Behinderung, sondern eher im Alkoholismus - so der Zeichner selbst in seiner 1989 veröffentlichten Autobiographie "Don´t worry, He won´t get far on foot".

Der Buchtitel geht auf eine Comiczeichnung Callahans zurück, auf der drei Sheriffs zu sehen sind, die in der Wüste vor einem leeren Rollstuhl stehen. Diese Worte - wörtlich übersetzt: "Keine Sorge, weit wird er zu Fuß nicht kommen" - sagt einer der Sheriffs. Genau dieser schwarze Humor prägt ebenfalls den Spielfilm von Gus Van Sant mit demselben Originaltitel, der in Deutschland allerdings unter dem Verleihtitel "Don´t worry, weglaufen geht nicht" diese Woche in den Kinos startet.

Das Drehbuch von Gus Van Sant, Jack Gibson und William Andrew Eatman beschränkt sich jedoch auf einen Ausschnitt im Leben des John Callahan, auf die Überwindung der Trunksucht und auf den Beginn seiner Arbeit als Zeichner. Die Handlung beginnt an dem letzten Tag, an [mehr]

Text: José García
Foto: NFP
DEINE JULIET
London, Ende der 1940er Jahre: Die junge Juliet Ashton (Lily James) feiert ihre ersten Erfolge als Schriftstellerin. Ihr Verleger und bester Freund Sidney (Matthew Goode) besteht darauf, dass sie von einer Lesung zur nächsten reist, um sich bekannt zu machen. Unvermittelt bekommt Juliet aber einen Brief aus der Kanalinsel Guernsey, in dem der Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman) sie nach einem Buch fragt, das der örtliche Literaturverein "Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf" lesen könnte.

Der Literaturclub hatte dessen liebenswerten und teils exzentrischen Mitgliedern über die Zeit des Zweiten Weltkriegs hinweg geholfen. Juliet beschließt kurzerhand, sich eine Auszeit zu nehmen und nach Guernsey zu reisen. Denn der Literaturverein könnte ein interessanter Stoff für ihren nächsten Roman liefern. Auf der Insel angekommen, lässt sie die Geschichte ihrer Bewohner schon bald nicht mehr los.

"Deine Juliet" basiert auf dem historischen Roman "The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society" (2008) von Mary Ann Shaffer und Annie Barrow, der weltweit mehr als 7,5 Millionen Mal verkauft wurde. In der "F.A.Z." nannte es Felicitas von Lovenberg damals "ein Kleinod, ein wunderbares, tatsächlich bezauberndes Buch". Die Rezensentin lobte insbesondere die humorvoll-exzentrischen Charakterbilder, die vor dem Hintergrund von Krieg und Besatzung Tiefe und Gewicht bekämen.

Regisseur [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal
AUS NÄCHSTER DISTANZ
Seit dem Spielfilm "Die syrische Braut" beschäftigt sich der 1954 in Jerusalem geborene Filmregisseur Eran Riklis mit dem Leben in seiner Heimat. Die von der Kölner Produktionsfirma "Heimatfilm" mitproduzierten Spielfilme, so etwa "Lemon Tree" und "Mein Herz tanzt"("Dancing Arabs") haben Riklis zu einem der in Europa bekanntesten israelischen Filmregisseure gemacht. Seine mit verschiedenen Preisen ausgezeichneten Filme erzählen anhand eines persönlichen Schicksals sensibel von den alltäglichen Unmenschlichkeiten, welche die politische Situation im Nahen Osten den dort lebenden Menschen abverlangt, sowie von der schwierigen Suche nach Identität in einem Klima der gesellschaftlichen Stigmatisierung.

In seinen Filmen bietet Drehbuchautor und Regisseur Eran Riklis unterschiedliche Perspektiven des Lebens im Nahen Osten. Mit dem nun anlaufenden Spielfilm "Aus nächster Distanz" (Originaltitel: "Shelter") setzt er eine neue Wendung hinzu. Dazu führt Riklis selbst aus: "Dies ist ein weiteres Kapitel in meinem langfristigen Bemühen, die komplexen Probleme des Nahen Ostens intensiver darzustellen, zu verstehen, zu untersuchen und das Publikum damit zu konfrontieren — immer wieder aus einem neuen Blickwinkel und diesmal mit einem Hauch von Geheimnis im Gewand eines Thrillers als kammerspielartige Story, die sich in einem Safehouse entwickelt. In einem sicheren Haus."

Denn "Aus nächster Distanz" gehört als waschechter Agententhriller zu einem [mehr]

Text: José García
Foto: NFP
GRENZENLOS
Basierend auf dem gleichnamigen Roman des schottischen Journalisten J. M. Ledgard, erzählt "Grenzenlos" ("Submergence") die Liebesgeschichte von zwei jungen Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Welten stammen: Als sie sich die beiden kennenlernen, gibt James More (James McAvoy) vor, als Wasserbauingenieur in Afrika zu arbeiten. In Wirklichkeit bereitet er sich hier, in einem abgelegenen Hotel in der Normandie, auf seinen nächsten Auftrag als Undercoveragent in Somalia vor.

Danny Flinders (Alicia Vikander) steht vor einer Expedition in die Gewässer vor Grönland. Bei einem Tauchgang soll sie den Meeresgrund auf Erkenntnisse über den Ursprung des Lebens untersuchen. Sie verlieben sich ineinander, müssen aber bald getrennte Wege gehen: Während James von Dschiadisten gefangen gehalten wird, steckt Danny in einem Tauchboot am Meeresgrund — ohne zu wissen, ob James noch am Leben ist.

Drehbuchautor Erin Dignam und Regisseur Wim Wenders verknüpfen die zwei auf verschiedenen Kontinenten angesiedelten Handlungsstränge — sie in Grönlands Tiefsee, er in einem Kerker in Afrika — mit der gemeinsamen Episode in der Normandie. Die Verschiedenartigkeit der Handlungsorte bietet zwar Kameramann Benoît Debie eine wunderbare Möglichkeit, ansprechende Bilder aus diesen Welten zu liefern. Die Filmemacher schaffen es jedoch nur bedingt, sie zu verbinden, obwohl sich die beiden Liebenden in ähnlich lebensbedrohlichen Situationen befinden — [mehr]

Text: José García
Foto: Warner
THE CROSSING
Zeitreisen-Filme stellen nicht erst seit Robert Zemeckis´ "Zurück in die Zukunft" (1985) ein beliebtes Filmgenre dar. Wie in diesem Klassiker führt die Reise meistens in die Vergangenheit, um dort irgendetwas "zurechtzubiegen". Seltener sind die Science-Fiction-Filme, in denen Menschen aus der Zukunft in unsere Gegenwart kommen. Deshalb ist es schon interessant, dass die zwei bekanntesten Online-Plattformen "Netflix" und "Amazon" zur gleichen Zeit jeweils eine Serie mit gerade dieser Handlung eingestellt haben.

Wird in der kanadischen Netflix-Serie "Travelers" eine Gruppe von Menschen aus der Zukunft auf eine Reise mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit ins 21. Jahrhundert mit der Mission geschickt, die Menschheit vor unterschiedlichen Katastrophen zu bewahren, was freilich der Serie einen episodischen Charakter verleiht, so nimmt sich in der Amazon-Serie "The Crossing" die Handlung einheitlicher aus.

Die Autoren Dan Dworkin und Jay Beattie siedeln die vom amerikanischen Produktionsstudio ABC für Amazon entwickelte Serie "The Crossing" in der beschaulichen Kleinstadt Port Canaan an der Westküste der Vereinigten Staaten an. Dorthin hatte sich Sheriff Jude Ellis (Steve Zahn) nach einem einschneidenden Erlebnis versetzen lassen, um ein ruhiges Leben zu führen. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als urplötzlich Menschen am Strand angespült werden. Die meisten von ihnen sind tot, aber 47 Menschen haben überlebt.

Sie [mehr]

Text: José García
Foto: ABC Studios
WIR SIND CHAMPIONS
Aufgrund persönlicher Probleme baut Marco (Javier Gutiérrez), der als Co-Trainer bei einer Mannschaft der ersten spanischen Basketballliga arbeitet, einen Verkehrsunfall. Trunkenheit am Steuer, Widerstand gegen die Staatsgewalt ... Eigentlich kann Marco froh sein, dass er lediglich zu Sozialstunden verurteilt wurde. Die Richterin hat sich dafür allerdings etwas einfallen lassen: Der von Javier Gutiérrez mit offensichtlichem Spaß als Ekelpaket dargestellte Profitrainer soll eine aus geistig behinderten Jungs zusammengewürfelte Mannschaft für einen Sonderwettbewerb trainieren.

Sport als Weg zur eigenen Umkehr, zum Umkrempeln des eigenen Lebens ? das ist eigentlich ein beliebtes Filmgenre. Und damit auch der letzte Zuschauer es auch versteht, wird im Film mehrfach darauf hingewiesen, dass es in "Wir sind Champions" eigentlich darum geht. Aber der spanische Regisseur Javier Fesser erneuert dieses bekannte Genre insbesondere durch eine gute Portion politisch unkorrekten Humors. Zwar ist die Haupthandlung größtenteils vorsehbar, zwar ist die um Marcos Ehe gestrickte Nebenhandlung eher misslungen. Aber "Wir sind Champions" macht nicht nur Spaß, teilweise großen Spaß.

Fessers Film bewegt sich auf einem schmalen Grat, denn "Wir sind Champions" geht das Risiko ein, seine Protagonisten als Hofnarren darzustellen, sie auf eine Funktion zu reduzieren: Den Zuschauer zum Lachen zu bringen. "Wir sind Champions" umschifft aber diese Gefahr, weil der Regisseur [mehr]

Text: José García
Foto: Concorde
PAPILLON
Henri Charrière erlangte weltweite Berühmtheit mit seinem 1970 erschienenen Roman "Papillon", der Autobiografisches mit fiktionalen Elementen verknüpfte. Der 1906 geborene, wegen der Schmetterling-Tätowierung "Papillon" genannte Henri Charrière wurde Anfang der 1930er Jahre zu Unrecht zu lebenslanger Verbannung in der berüchtigten Strafkolonie St. Laurent in Französisch-Guayana verurteilt. Dort kam er zusammen mit weiteren Verurteilten im Jahre 1933 an.

Wie ihm die allgemein als unmöglich angesehene Flucht nach 12 Jahren gelang, erinnert an den Abenteuerroman "Der Graf von Monte Christo" von Alexandre Dumas. Bereits 1973 wurde Charrières "Papillon" unter demselben Namen von Franklin J. Schaffner für die große Leinwand adaptiert. Die Hauptrolle des Henri "Papillon" Charrière spielte Steve McQueen. Dustin Hoffman verkörperte Louis Dega, den ebenfalls verurteilten Kunstfälscher, mit dem er sich anfreundet. Nun haben den Roman Aaron Guzikowski (Drehbuch) und Michael Noer (Regie) neu verfilmt.

Unabhängig von jedem Vergleich mit dem "Original", bietet Noers Neuinterpretation der "Papillon"-Geschichte zunächst einmal große Schauwerte: Der Berliner Kameramann Hagen Bogdanski bietet nicht nur großartige Naturaufnahmen. Er vermittelt aber auch die bei der Überfahrt und auch im Gefängnis herrschende Enge. Unterstützt wird er dabei von der teilweise spannungsgeladenen Musik von David Buckley.

Auch wenn Action samt der zum Gefängnisgenre typischen Gewalt einen großen Raum einnimmt, steht im Mittelpunkt [mehr]

Text: José García
Foto: Constantin
YOU ARE WANTED
Der junge Familienvater Lukas Franke (Matthias Schweighöfer), der als Event-Manager in der Berliner Filiale einer amerikanischen Luxushotelkette arbeitet, wird Opfer eines Hacker-Angriffes und damit in einen Strudel krimineller Machenschaften hineingezogen, der sein bürgerliches Leben auf den Kopf stellt. Lukas gerät sogar ins Visier des Bundeskriminalamtes BKA, das ihn verdächtigt, Mitglied einer terroristischen Gruppe namens AntIPode zu sein. Als nicht nur er, sondern auch seine Frau Hanna (Alexandra Maria Lara) und sein kleiner Sohn Leon (Franz Hagn) bedroht werden, bleibt ihm nichts anderes übrig, als unterzutauchen und seine Unschuld zu beweisen. Unterstützt wird er dabei von der tatkräftigen, vom selben Hacker angegriffenen Lena Arandt (Karoline Herfurth) sowie von einem jugendlichen Netz- und Hackspezialisten namens Dalton (Louis Hofmann).

Der Beginn der für die Internetplattform Amazon gedrehten ersten deutschen Original-Serie "You Are Wanted" erinnert an manche Filme des Suspense-Meisters Alfred Hitchcock, deren Protagonisten Normalbürger sind, die durch einen Zufall oder irgendwelche Umstände in geheimnisvolle und bedrohliche Vorgänge hineingezogen werden, so etwa der von James Stewart verkörperte Dr. McKenna in "Der Mann, der zuviel wusste" (1956) oder der von Cary Grant gespielte Werbefachmann Roger O. Thornhill in "Der unsichtbare Dritte" ("North by Northwest", 1959). Auch Lukas Franke ist ein solcher Jedermann, der, ohne die Polizei [mehr]

Text: José García
Foto: Amazon
HOTEL TRANSSILVANIEN 3 - EIN MONSTERURLAUB
Das zum Sony-Konzern gehörende, vor 12 Jahren gegründete Animationsstudio "Sony Pictures Animation" brachte 2012 mit "Hotel Transsilvanien" einen Familienfilm ins Kino, der dem Begriff "Monster" eine neue Qualität verlieh. Denn diese ziehen sich von den lästigen Menschen zurück - Graf Dracula, liebevoll von seinen Freunden Draku genannt, eröffnete deshalb ein Hotel ausschließlich für Monster. Allerdings verläuft sich ins Hotel zufällig auch ein Mensch, der junge Discjockey Johnny, in den sich ausgerechnet Drakus Tochter Mavis verliebt. Der drei Jahre später angelaufene "Hotel Transsilvanien 2" war freilich sieben Jahre danach angesiedelt, als Mavis und Johnny bereits verheiratet sind und einen Sohn namens Dennis haben. Allerdings hat sich die Blutsauger-Seite bei ihm noch nicht ausgeprägt. Deshalb nimmt Draku die "Erziehung" seines Enkels selbst in die Hand. Einen weiteren Konflikt führt Drakus uralter Vater Vlad ein, dem die Freundlichkeit seines Sohnes zu den Menschen ein Dorn im Auge ist.

Nun steht im dritten "Hotel Transsilvanien"-Film mit dem Untertitel "Ein Monsterurlaub" eine Kreuzfahrt im Mittelpunkt, zu der Mavis ihren Vater und natürlich die restliche Familie und weitere Freunde einlädt. Die Monster genießen jede Menge Spaß an Bord. Allerdings ziehen ein paar Wolken auf, als Mavis herausfindet, dass sich ihr Vater Draku in die schöne, geheimnisvolle [mehr]

Text: José García
Foto: Sony