Aktuelle Filmkritiken
A RAINY DAY IN NEW YORK
In seinem je nach Zählung 49. oder 50. Spielfilm in einem halben Jahrhundert kehrt Woody Allen nach Manhattan zurück, um die romantische Komödie "A Rainy Day in New York" zu drehen. In einer kleinen Universitätsstadt haben sich Gatsby (Timothée Chalamet) und Ashleigh (Elle Fanning) kennen- und lieben gelernt. Er stammt aus einer wohlhabenden New Yorker Familie, ist ein kleines Genie. In der Kleinstadt sucht der waschechte New Yorker Gatsby offensichtlich Abstand von seiner versnobten Familie - ohne jedoch auf ihr Geld zu verzichten. Als Ashleigh das Angebot erhält, für die Unizeitung ein Interview mit dem berühmten Filmregisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) zu führen, bietet sich Gatsby an, ihr seine Lieblingsorte in Manhattan zu zeigen und ein romantisches Wochenende in der Großstadt zu verbringen. Doch dann läuft alles anders als geplant: An einem verregneten Tag in New York können ganz schön viele Dinge passieren - und am Ende ist alles ganz anders als geplant.

Wie in den meisten Woody-Allen-Filmen spielt von Anfang an die Musik eine besondere Rolle. In seiner dritten Zusammenarbeit mit dem New Yorker Regisseur entlockt Kameramann Vittorio Storaro der Stadt wunderbare Bilder, auch wenn die geplante Kutschfahrt im Central Park - eine Reminiszenz an Allens "Manhattan" (1979) - doch [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Filmwelt
THE UNLISTED
In der rasanten Eröffnungsszene der australischen Netflix-Serie "The Unlisted" fliehen vier Jugendliche aus einem Van. Obwohl sie verfolgt und von Überwachungskameras gesichtet werden, gelingt es ihnen zu entkommen. Das berühmte Opernhaus Sydney, das kurz ins Bild kommt, gibt Auskunft darüber, in welcher Stadt "The Unlisted" angesiedelt ist.

Nach einem Schnitt werden nun die eigentlichen Hauptfiguren der Serie mit der primären Zielgruppe Kinder und Jugendliche vorgestellt. Es handelt sich um die 12-jährigen Zwillingsbrüder Dru (Vrun Rao) und Kal (Ved Rao), die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Allerdings mit einem Unterschied: Die Brille, die Dru trägt, spielt auch dramaturgisch eine bedeutende Rolle. Denn als in der Schule ein Zahnarztbesuch obligatorisch wird, bittet Dru seinen Bruder Kal, für ihn ein zweites Mal hinzugehen. Dafür braucht Kal lediglich Drus Brille aufzusetzen ? die Mogelei fällt niemandem auf.

Nach dem Zehnarztbesuch geschieht Erstaunliches: Eine Dame von der "Global Child Initiative" erscheint in der Klasse mit einer Art iPad - mit dem sie das Verhalten der Schüler kontrollieren kann. Plötzlich fallen alle in eine Art Trance ... alle bis auf Dru, der sich ja vor dem Zahnarztbesuch gedrückt hatte. Darüber hinaus hat Kal auf einmal riesige Kräfte, denn er war ja zweimal beim Zahnarzt. Der Zusammenhang ist offensichtlich. [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix
SCHÖNSTE ZEIT UNSERES LEBENS, DIE
In Woody Allens Midnight in Paris reist ein amerikanischer Möchtegern-Schriftsteller in der französischen Hauptstadt in die vergangene Zeit, in der seine großen Vorbilder lebten. Schließlich stellt er fest, dass die Frau, in die er sich in dieser Epoche verliebt hatte, Sehnsucht nach einer noch weiter vergangenen Zeitspanne spürt. Dabei ist natürlich etwas "Magie" im Spiel.

Auf eine solche Magie verzichtet Antoine (Guillaume Canet) im nun anlaufenden Spielfilm "Die schönste Zeit unseres Lebens": Antoine führt das Unternehmen "Time Travellers", das mittels historischer Rekonstruktion in einem Filmstudio gut betuchten Kunden die Möglichkeit bietet, in eine bestimme vergangene Zeit für einen Abend zu "reisen". Der zynisch-desillusionierte Comic-Zeichner Victor (Daniel Auteuil), der von seiner Frau Marianne (Fanny Ardant) gerade vor die Tür gesetzt wurde, bekommt von seinem Sohn Maxime (Michaël Cohen) als Geschenk einen solchen Abend.

Victor sucht sich einen bestimmten Tag im Jahr 1974 aus, an dem er sich im Lyoner Café "La belle époque" (so auch der Originaltitel des Filmes) in seine Frau verliebte. Bald lässt er sich darauf ein - vielleicht zu sehr, denn Victor verliebt sich in die Schauspielerin Margot (Doria Tillier), die die Rolle der jungen Marianne in der "historischen Rekonstruktion" spielt. Für Victor wird es zunehmend schwerer, die [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Constantin
OFFICIAL SECRETS
Am 25. Februar 2004 steht Katharine Gun (Keira Knightly), Mandarin-Übersetzerin des britischen Geheimdienstes GCHQ, wegen Verstoßes gegen den "Official Secrets Act" vor Gericht. Damit beginnt der auf wahren Ereignissen basierende Spielfilm von Gavin Hood "Official Secrets". Katharine Gun hatte im Februar 2003 einer britischen Zeitung ein streng geheimes und brisantes Dokument zugespielt.

Kurz nachdem Premier Tony Blair im Fernsehen erklärt hatte, der Krieg gegen den Irak sei "unvermeidlich" - tatsächlich fiel am 20. März 2003 eine Länderkoalition unter der Führung der Vereinigten Staaten in den Irak ein, um das Regime von Saddam Hussein zu stürzen -, erhält Katharine Gun ein "top secret"-Memo. Darin fordert der US-Geheimdienst NSA die britischen Kollegen auf, einige Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Damit soll belastendes Material gesammelt werden, um eine Zustimmung zur UN-Resolution für den Irakkrieg zu erpressen. Katharine gerät in einen moralischen Zwiespalt, entscheidet sich aber, das Dokument an die Öffentlichkeit zu leaken. Die brisanten Informationen werden von Journalist Martin Bright (Matt Smith) im "Observer" veröffentlicht.

Der australische Regisseur Gavin Hood entwickelt seinen Thriller nah an den tatsächlichen Ereignissen. Im Mittelpunkt steht der Gewissenskonflikt der Übersetzerin, die mit der Herausgabe des geheimen Dokuments hofft, einen ungerechten Krieg zu verhindern. Das Drehbuch von Hood und seinen Mitautoren Gregory [mehr]

Text: José Garcia
Foto: entertainment One
MORGEN SIND WIR FREI
16. Januar 1979: Der Schah von Persien Reza Pahlavi flüchtet ins Ausland. Im Februar 1979 kehrt Ayatollah Khomeini aus dem Pariser Exil nach Teheran zurück, und ruft die "Islamische Revolution" aus. In Hossein Pourseifis Spielfilm "Morgen sind wir frei" sieht der in Ost-Berlin lebende iranische Dissident Omid (Reza Brojerdi) darin die Chance, in seiner Heimat etwas Neues aufzubauen. Dafür muss er aber Beate (Katrin Röver), mit der er seit zwölf Jahren verheiratet ist, und die achtjährige Tochter Sarah (Luzie Nadjafi) hat, davon überzeugen. Beate ist nicht ganz so begeistert wie ihr Mann. Weil ihr aber die Promotion in der DDR verwehrt wird, stimmt sie zu.

Nach der anfänglichen Aufbruchsstimmung verschlechtert sich unaufhaltsam die Lage für Beate und ihre Tochter. Insbesondere Sarah bekommt es in der Schule mit der Erziehung in einem islamistischen Land zu tun. Anhand der Verwandlung einer anfangs westlich gekleideten und geschminkten Sekretärin im Chemischen Institut, in dem Beate arbeitet, verdeutlicht der deutsche Regisseur mit iranischen Wurzeln Hossein Pourseifi, wie sich die Lage vor allem für die Frauen verschlimmert.

Pourseifi verleiht "Morgen sind wir frei" dadurch einen gewissen dokumentarischen Charakter, dass er immer wieder Original-Aufnahmen in seinen Film einbaut. Darin sind sowohl Straßenproteste als auch Interviews mit Khomeini zu sehen. [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Little Dream Pictures
BIS DANN, MEIN SOHN
Trauerarbeit, die Verarbeitung eines traumatischen Verlusts, gehört zu den häufigen Kinosujets. So musste etwa zuletzt im französischen Film von Mikhaël Hers Mein Leben mit Amanda eine Siebenjährige den von den islamistisch motivierten Terroranschlägen vom 13. November 2015 in Paris verursachten Tod ihrer Mutter aufarbeiten.

Als noch dramatischer nimmt sich für die Eltern der Tod eines Kindes aus. Im Jahre 1994 drehte der chinesische Regie-Altmeister Zhang Yimou den von vielen als sein Meisterwerk angesehenen Spielfilm "Leben!", der von den Schicksalsschlägen einer vierköpfigen Familie im Laufe mehrerer Jahrzehnte von den 1940er Jahren bis zur chinesischen Kulturrevolution erzählt. Die beiden Kinder der Familie sterben: Der Sohn wird in den Zeiten des "Großen Sprungs nach vorne" unter den Trümmern einer Schulwand begraben, die der LKW des KP- Bezirksparteifunktionärs rammt. Die schwangere Tochter verblutet viele Jahre später, als es bei der Geburt zu Komplikationen kommt, und die angehenden, "kulturrevolutionären" Mediziner, die vorher die "konterrevolutionären" Ärzte aus dem Krankenhaus verbannt hatten, die Blutung nicht stoppen können. Obwohl Zhang Yimou wegen der kritischen Haltung seines Filmes mit einem zweijährigen Berufsverbot belegt wurde, konnte "Leben!" international gezeigt werden. Er gewann den Großen Preis der Jury in Cannes, und wurde für den Golden Globe nominiert.

Eine Familiengeschichte über mehrere [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Piffl Medien
THE REPORT
Der Name Abu-Ghuraib wurde im Mai 2004 zum Synonym von Folter und schwerem Missbrauch, als in die Medien gelangte Berichte und Fotos belegten, dass im gleichnamigen Zentralgefängnis in Bagdad die US-Besatzungstruppen irakische Gefangene vergewaltigten, misshandelten und folterten, in etwa 100 Fällen bis zum Tod. Die Insassen seien zu "90 Prozent unschuldig" gewesen, erklärte später die damalige Abu-Ghuraib-Kommandantin Janis Karpinski. Im Zentralgefängnis sollten nicht nur Menschen weggesperrt, sondern auch Informationen für den militärischen Nachrichtendienst beschafft werden.

Auf wahren Ereignissen basierend, erzählt der Spielfilm "The Report" von Daniel J. Jones (Adam Driver), der als Ermittler des US-Senats von der Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) den Auftrag erhält, eine Untersuchung über die Verwendung von Folter durch die CIA nach den Anschlägen vom 11. September zu leiten. Seine Suche nach der Wahrheit bringt ans Licht, wie weit der US-Geheimdienst bereit war zu gehen, um Beweise zu untergraben.

Drehbuchautor und Regisseur Scott Z Burns bekennt den Einfluss von Politthrillern wie "Die drei Tage des Condor" (Sydney Pollack, 1975) und "Die Unbestechlichen" (Alan J. Pakula, 1976) auf seinen Film. Denn in "The Report" geht es ebenfalls darum, die fragwürdigen Methoden des Geheimdienstes an den Pranger zu stellen.

Auch wenn sich der Sachverhalt ziemlich komplex ausnimmt — allein die [mehr]

Text: José Garcia
Foto: DCM
LARA
Jan-Ole Gerster gelang mit seinem Spielfilmdebüt Oh Boy ein glänzender Erfolg. Im Mittelpunkt von "Oh Boy" steht ein Endzwanziger, der nicht recht weiß, welche Richtung sein Leben nehmen soll. Deshalb schlendert er gerne durch das nächtliche Berlin, immer neugierig auf die Begegnung mit Menschen. Damit portraitiert Jan Ole Gerster nicht nur einen jungen Mann, sondern das ganze Lebensgefühl einer Generation, der vor allem eins fehlt: Orientierung, einfach ein Ziel in ihrem Leben.

Sieben Jahre später hat Gerster ein Drehbuch von Blaz Kutin verfilmt: Laras (Corinna Harfouch) 60. Geburtstag fällt mit einem wichtigen Klavierkonzert ihres Sohnes Viktor (Tom Schilling) zusammen, dessen Karriere sie entworfen hat. Seit Wochen ist Viktor für seine Mutter jedoch nicht erreichbar, so dass ihr Zweifel kommen, ob sie bei Viktors Uraufführung überhaupt willkommen ist. Kurzerhand kauft sie sämtliche Restkarten und verteilt sie an jeden, dem sie an diesem Tag begegnet.

Ähnlich "Oh Boy" spielt sich die Handlung von "Lara" an einem Tag in Berlin ab. Die Menschen, denen sie an diesem einen Tag begegnet, führen ihr vor Augen, dass sie im Laufe ihres Lebens vielleicht falsche Entscheidungen getroffen hat. Etwa, den Traum einer gefeierten Pianistin aufzugeben, und deshalb umso verbissener den Erfolg ihres Sohnes zu forcieren. [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal / Marco Krüger
VERTEIDIGER DES GLAUBENS
Ein Dokumentarfilm bleibt in der Regel hinter dem Anspruch zurück, "die" Wirklichkeit abzubilden, weil diese Realität selektiv gesehen und wiedergegeben wird. Problematisch ist es nur, wenn dem Anliegen des Regisseurs durch die Wahl der Interviewpartner nachgeholfen wird. Christoph Röhls "Verteidiger des Glaubens" versammelt so gut wie nur Interviewpartner, die von Benedikt enttäuscht sind - daher die Schlussfolgerung des Films, Ratzinger sei gescheitert.

Der 90-minütige Film zeichnet die verschiedenen Stationen im Leben von Joseph Ratzinger nach. Röhl, der sich als Atheist bezeichnet und daraus "keinen Hehl" macht, legt Wert darauf, die Wandlung vom "jungen Theologieprofessor", der Kardinal Frings zum Konzil begleitete, zum Gegner des Konzils darzulegen. Röhl befragt eine Reihe Ratzinger- und Kirchenkritiker, wobei Erzbischof Georg Gänswein nicht nur als Feigenblatt eingeführt wird - seine Aussagen werden ins Lächerliche gezogen oder einfach mitten im Satz abgeschnitten.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diejenigen, die Benedikt ein "Scheitern" bescheinigen, gerade es sind, die seit mehr als fünfzig Jahren erfolglos darum kämpfen, eine "neue" Kirche hervorzubringen. So sagt der suspendierte Priester Tony Flannery im Hinblick auf das Zweite Vatikanische Konzil: "Unsere Generation glaubte, wir würden eine neue Kirche erschaffen, dass wir das Alte überwunden hätten, und eine strahlende Zukunft vor uns läge."


Interview mit Peter [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Flare Film_Kolja Raschke
SALMAS GEHEIMNIS
Nach einer Art Prolog mit drei Kindern und einer Off-Stimme, in der es um die Überwindung des Todes geht, beginnt die eigentliche Geschichte des mexikanischen Animationsfilms "Salmas Geheimnis" an einem "Tag der Toten", als die drei erwähnten Kinder etwa 16 Jahre alt sind. Das Leben der filmtitelgebenden Salma bestand größtenteils darin, nach Hinweisen auf die Identität ihrer Eltern zu suchen, die sie nie kennengelernt hat. Obwohl sich Selma mit ihren Pflegebrüdern Jorge und Pedro sehr gut versteht, kann ihr Verhältnis zur Großmutter der beiden Jungs gelinde gesagt als angespannt bezeichnet werden.

Am 2. November ist die ganze Stadt Santa Clara in Bewegung. Denn am "Tag der Toten" werden in Mexiko Altäre geschmückt, um der Verstorbenen zu gedenken. Salma entdeckt ein altes Buch über die Geschichte von Santa Clara. Sie hofft darin etwas über ihre Eltern zu erfahren. Das Buch erweist sich als ein magisches Buch, das eine Tür zur Welt der Toten öffnet. Zusammen mit Jorge und Pedro begibt sich Salma auf eine Reise in das bunte Reich der Toten. Es beginnt ein spektakuläres Abenteuer, das möglicherweise Licht auf die Frage wirft, warum sie als kleines Kind verlassen wurde.

Die Figurenzeichnung erinnert an den Pixar- Film Coco - Lebendiger als [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Kinostar