Aktuelle Filmkritiken
WENN DU KÖNIG WÄREST
Ein Buch über die Artus-Sage wird als allerdings eine Spur zu lang geratene Einführung in das Abenteuer "Wenn Du König wärst" aufgeblättert. Das Artus-Buch liegt in einem Karton auf dem Speicher bei Alex (Louis Ashbourne Serkis). Der Zwölfjährige hat es in der Schule nicht leicht. Aber noch schlimmer geht es seinem besten Freund Bedders (Dean Chaumoo), der von den Schul-Rabauken Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) regelrecht gequält wird.

Auf der Flucht vor den beiden Rowdys findet Alex auf einer Baustelle ein Schwert, das sich als Excalibur herausstellt. Gleichzeitig erwacht aus einem jahrhundertelangen Schlaf die Zauberin Lady Morgana (Rebecca Ferguson) in Gestalt eines Drachen. Sie hat es auf das Schwert abgesehen. Ist es möglich, dass Artus? sagenumwobenes Schwert Alex ausgesucht hat, um London vor den Angriffen der Zauberin zu schützen? Davon ist jedenfalls Merlin (Patrick Stewart) überzeugt, der den Jungen in Gestalt eines Jugendlichen (Angus Imrie) aufsucht, um ihn auf die Schlacht vorzubereiten.

Bereits in den Namen von Alex? Mitstreiter — Lance für Lancelot, Kaye für Kay, Bedders für Bedivere — befinden sich Anspielungen auf die Ritter der Tafelrunde, um die sich die Schüler in einer Szene tatsächlich auch versammeln. Auch wenn gegen Ende die Action etwas austauschbar wird, überzeugen die [mehr]

Text: José García
Foto: Fox
VAN GOHN - AN DER SCHWELLE ZUR EWIGKEIT
Der niederländische Maler Vincent van Gogh (1853-1890) gilt zusammen mit Paul Cézanne (1839-1906) und Paul Gauguin (1848-1903) als Wegbereiter der Moderne. Als er mit 37 Jahren starb, hinterließ van Gogh nach heutigem Wissensstand 864 Bilder und mehr als tausend Zeichnungen sowie eine umfangreiche Korrespondenz. In den letzten 70 Tagen seines Lebens malte der Künstler etwa 90 Gemälde. Zu seiner Lebenszeit verkaufte Vincent van Gogh ein einziges Bild. Die Kunstwelt und erste Sammlung erkannten den Wert seiner Werke erst 15 Jahre nach seiner Selbsttötung.

Über Vincent van Gogh wurden bereits etliche Filme gedreht. Besonders bekannt ist "Vincent van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft" (Regie: Vincente Minnelli und George Cukor) aus dem Jahre 1956 mit Kirk Douglas in der Hauptrolle. Auf die letzten Tage und Wochen seines Lebens konzentrieren sich "Van Gogh" (1991) von Maurice Pialat und zuletzt Loving Vincent von Dorota Kobiela und Hugh Welchman", der als eine Art Thriller die letzten Wochen im Leben des Künstlers zu rekonstruieren versucht und die Handlung aus der überlieferten Korrespondenz des Künstlers entwickelt, die dann in eine Art Animationsfilm umgesetzt wird.

Der 1951 geborene Julian Schnabel, der selbst als Künstler mit eigenen Werken in zahlreichen Museen der ganzen Welt vertreten ist, bietet eine [mehr]

Text: José Garcia
Foto: dcm
BERLIN STATION - STAFFEL 3
Der Spionagefilm erlebte seinen Höhepunkt in den sechziger und siebziger Jahren. Aber auch nach dem Ende des Kalten Krieges hat Berlin als Standort für Spionagefilme nichts von seiner Faszination verloren. So liefert Berlin die ideale Kulisse für die US-amerikanische Fernsehserie Berlin Station - Staffel 1, deren dritte Staffel der Streamingdienst "Netflix" kürzlich online gestellt hat. Der Serientitel "Berlin Station" spielt auf die Berliner CIA-Niederlassung an, die zu Beginn der Serie von einem regelrechten Erdbeben heimgesucht wird: Ein unter dem Decknamen "Thomas Shaw" agierender "Whistleblower" beliefert eine Berliner Zeitung mit Geheiminformationen. Der "Maulwurf", von dem klassische Spionagefilme handeln, hat in Zeiten von Julian Assange und Edward Snowden eine Begriffserweiterung erfahren: Er muss nicht unbedingt als Doppelagent für einen feindlichen Geheimdienst arbeiten. Nun beliefert er die Öffentlichkeit mit kompromittierenden internen Informationen. Die Suche nach Doppelagenten, die sich etwa durch viele Le-Carré-Romane und deren Verfilmungen wie ein roter Faden zieht, erhält dadurch eine Aktualisierung und Anpassung an heutige Verhältnisse - sozusagen als moderne Le-Carré-Version. Denn zu der Haupthandlung mit der Suche nach dem "Maulwurf" kommen einige Nebenstränge hinzu, die insbesondere mit Terrorismusbekämpfung und mit Spionageüberläufern zusammenhängen. In der zweiten Staffel standen die Bundestagswahl, der Aufstieg der rechtspopulistischen Partei "Perspektive für Deutschland" [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix
ALFONS ZITTERBACKE - DAS CHAOS IST ZURÜCK
Der zehnjährige Alfons Zitterbacke (Tilman Döbler) träumt davon, ein genialer Erfinder und außerdem als Astronaut das Weltall zu erobern. Fürs erste reichte es allerdings, wenn er halbwegs gut in der Schule und im Sport wäre. Aber Alfons stolpert nur so von einem Missgeschick ins nächste, so dass er nicht nur seine Eltern (Alexandra Maria Lara, Devid Striesow), sondern auch noch seine Lehrer und die Schuldirektorin (Katharina Thalbach) zur Verzweiflung treibt.

Von den Halbstarken in der Schule wird Alfons gehänselt. Nur sein Freund Benni (Leopold Ferdinand Schill) hält zu ihm. Zusammen mit ihm und mit der neuen Klassenkameradin Emilia (Lisa Moell) will Alfons an einem Fluggeräte-Wettbewerb in der Schule teilnehmen - und es allen, vor allem aber seinem Erzrivalen Niko (Ron Antony Renzenbrink) und dessen Arroganten Opa (Wolfgang Stumph) endlich zeigen.

Mit "Alfons Zitterbacke" verfilmt Max Schlichter die populäre Kinderbuch-Reihe "Alfons Zitterbacke - Geschichten eines Pechvogels" von Gerhard Holtz-Baumert, deren erster Band erstmals 1958 erschien. Regisseur Schlichter und seinen Mit-Drehbuchautoren Anja Flade-Kruse und John Chambers gelingt es, aus einer losen Anekdotensammlung eine durchgängige, rasante und mit vielen Einfällen gespickte Handlung zu machen.

Die Kinderdarsteller agieren genauso natürlich wie die prominenten Schauspieler, die sich mit offensichtlichem Spaß von den Kindern teilweise an der Nase herumführen [mehr]

Text: José García
Foto: X-Verleih / Edith Held
INFORMANTIN, DIE - DER FALL LISSABON
Aylin (Aylin Tezel) studiert in Wien Jura - als Teil eines Zeugenschutzprogramms. Als sie aber einen Notruf ihrer Schwester Elif (Pegah Ferydoni) bekommt, kehrt die junge Frau nach Berlin zurück, womit sie gegen die Auflagen des Zeugenschutzprogramms verstößt. Dies liefert LKA-Ermittlerin Hannah (Suzanne von Borsody) die Chance, Aylin wieder als verdeckte Ermittlerin einzusetzen. Sie soll den erfolgreichen Rechtsanwalt Engelhardt (Stefan Kurt) aushorchen, der offenbar in illegale Geldwäsche für Terrorgruppen verwickelt ist. Ihr gelingt es schnell, dass sich Engelhardts Sohn Alex (Franz Dinda) für sie interessiert. Aylin soll von Jan (Ken Duken) geführt werden, mit dem sie früher zusammen war. Allerdings ist Jan von Aylins Einsatz alles andere als begeistert, weil er ihn für viel zu gefährlich hält. Aylin bleibt jedoch nichts anderes übrig, als den Auftrag auszuführen - will sie nicht ihre Schwester und deren kleine Tochter in Gefahr bringen.

"Die Informantin - Der Fall Lissabon" ist der zweite Film einer Reihe, die im März 2016 begann. Der Fernsehfilm von Drehbuchautorin und Regisseurin Isabel Kleefeld setzt aber keine Kenntnis des ersten Films voraus. Über das eigentliche Thema Geldwäsche und die damit verbundene Ermittlertätigkeit hinaus handelt der Film insbesondere auch von den vielen Zwischentönen in den zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch in jedem [mehr]

Text: José García
Foto: ARD Degeto/Jonathan Ibeka
WILLKOMMEN IN MARWEN
In einer als Modell aufgebauten, fiktiven belgischen Stadt liefern sich animierte Puppen eine Schlacht: Zweiter-Weltkrieg-Pilot Captain Hogie, der zu seinem Uniform Frauenschuhe trägt, wird von deutschen Soldaten angegriffen und von einer Reihe Frauen verteidigt. Captain Hogie ist der Alter Ego des Künstlers Mark Hogancamp (Steve Carell), der in der Miniaturwelt von "Marwen" die inneren und äußeren Verletzungen aufzuarbeiten sucht, die er als Opfer eines brutalen Angriffes davon trug. Nach dieser Aggression verlor Hogancamp seine Erinnerungen, weswegen er sich mit ganz wenigen Ausnahmen von der realen Welt abschottet und in die virtuelle Welt von Marwen zurückzieht. Immer wieder wird Hogancamp von den bruchstückhaften Erinnerungen an die Nacht des Angriffs heimgesucht, weswegen er große Angst davor hat, beim bevorstehenden Gerichtstermin seinen Peinigern gegenüberzusitzen. Erst als in seine Nachbarschaft die bezaubernde Nicol (Leslie Mann) einzieht, traut sich Mark erstmals auch ohne seine Puppen vor die Tür.

Der Spielfilm "Willkommen in Marwen" von Regisseur Robert Zemeckis, der mit der "Zurück in die Zukunft"-Reihe und mit "Forrest Gump" große Erfolge feierte, und seiner Mitautorin Caroline Thompson basiert auf der wahren Geschichte des Künstlers Mark Hogancamp. Zemeckis konzentriert sich weniger auf die Kunstaspekte — Mark Hogancamp fotografiert das mit den Puppen inszeniere Kriegsgeschehen in Marwen ab, und [mehr]

Text: José García
Foto: Universal
UNSER TEAM - NOSSA CHAPE
Die Nachricht erschütterte nicht nur die Fußballwelt: Am 28. November 2016 stürzt das Charter-Flugzeug mit der Flugnummer LMI 2933 der inzwischen aufgelösten bolivianischen Fluggesellschaft LaMia ab, das die Mannschaft des brasilianischen Fußballclubs Chapecoense sowie Trainerstab, Funktionäre und Journalisten zum Finale-Hinspiel der Copa Sudamericana gegen Atletico Nacional in Medellin zum kolumbianischen Flughafen Rionegro bringen sollte. 71 Menschen sterben. Den Absturz überleben lediglich sechs Personen, darunter drei Spieler von Chapecoense.

Das Unglück erinnert an die bis dahin größte Flugzeugkatastrophe eines Fußfallclubs, als am 6. Februar 1958 auf dem Rückflug nach einem Europapokal-Spiel in Belgrad bei einem Zwischenstopp in München die halbe Mannschaft des englischen Clubs Manchester United ums Leben kam. Unter den Überlebenden befand sich Bobby Charlton, der 1966 mit England Weltmeister werden und 1968 zum ersten Sieg von Manchester United beim Europapokal der Landesmeister entscheidend beitragen sollte. Über das Manchester-United-Unglück drehte James Strong 2011 den auf Tatsachen beruhenden Fernsehfilm "United".

Jeff Zimbalist, Michael Zimbalist und Julian Duque gehen mit ihrem Film "Unser Team - Nossa Chape" einen anderen Weg: Ihr Dokumentarfilm zeigt nicht nur die Auswirkungen der Flugzeugkatastrophe für die Familien, für den Verein, ja für die 200 000 Einwohner-Stadt Chapecó im Südosten Brasiliens. Die Filmemacher stellen die Frage, wie es mit dem [mehr]

Text: José García
Foto: Weltkino/ All Rise
EIN GAUNER & GENTLEMANN
Forrest Tucker (1920-2004) verbrachte den größten Teil seines Lebens hinter Gittern, nachdem er mit 15 Jahren erstmals im Gefängnis landete. Zuletzt ergriff ihn die Polizei im Jahre 1999 — da war er schon 78 Jahre alt. Dazwischen konnte Tucker sage und schreibe 17 Mal aus einem Gefängnis ausbrechen, sogar aus der berüchtigten Insel Alcatraz. Dazwischen vertrieb er sich seine Zeit mit Banküberfällen. Das Erstaunliche dabei: Die Polizisten, die ihn zuletzt verhafteten, bezeichneten ihn als einen "charmanten Gentleman". Der Spielfilm "Ein Gauner & Gentleman" ("The Old Man & the Gun") setzt einen Artikel von David Grann im Magazin The New Yorker aus dem Jahre 2003 unter der Regie von David Lowery in eine Hollywood-Gaunergeschichte um.

"Ein Gauner & Gentleman" konzentriert sich auf Forrest Tuckers (Robert Redford) letzte Jahre: Zusammen mit John Waller (Tom Waits), mit dem er 1979 aus San Quentin geflohen war, und Teddy Green (Danny Glover), mit dem er in Alcatraz in den 1950er Jahren gesessen hatte, raubt der 70-jährige Tucker Banken am laufenden Band aus. Sein Markenzeichen und Schlüssel zum Erfolg: Ein "Hörgerät", mit dem er Polizeifunk hört. Auf der Flucht vor der Polizei, insbesondere vor Detective John Hunt (Casey Affleck), trifft Tucker zufällig die Liebe seines Lebens Jewel [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Eric Zachanowich DCM
VORHANG AUF FÜR CYRANO
Paris 1885. Edmond Rostand (Thomas Solivérès) hat gerade auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ein richtiges Fiasko erlebt. Außerdem wird Edmond ganz pessimistisch, wenn er an die Erfindung der Brüder Lumière denkt: "Bald gibt es keine Theater, nur noch bewegte Bilder." Zwei Jahre später hat Rostand nichts Neues zu Papier gebracht, und dem 29-jährigen Familienvater droht das Geld auszugehen.

Da trifft es sich gut, dass seine Gönnerin, die große Schauspielerin Sarah Bernhardt (Clémentine Célarié) ihn mit dem berühmten Schauspieler Constant Coquelin (Olivier Gourmet) bekannt macht. Weil Coquelins Geldgeber dessen Theater schließen wollen, sollte Coquelin in den nächsten drei Wochen kein Erfolgsstück auf die Bühne zaubern, steht Edmond unter Druck. Der Autor stößt auf den Schriftsteller Cyrano de Bergerac aus dem 17. Jahrhundert. Über den Inhalt des Stücks hat er aber keinen blassen Schimmer. Da liefert ihm das Leben den Stoff: Sein Freund, der gut aussehende Schauspieler Léo Volny (Tom Leeb), möchte die schöne Jeanne (Lucie Boujenah) erobern, kann seinen Gefühlen aber keinen richtigen Ausdruck verleihen. Da springt Edmond ein, und spricht im Schatten eines Balkons an Léos Stelle flammende Verse für Jeanne.

"Cyrano de Bergerac" gehört zu den Klassikern des französischen Theaters. Die Verfilmung von Jean-Paul Rappeneau mit Gérard Depardieu aus [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Prokino
OF FATHERS AND SONS - DIE KINDER DES KALIFATS
Der 13-jährige Osama und sein 12-jähriger Bruder Ayman spielen Fußball mit anderen Kindern - nichts Ungewöhnliches für Jungs in ihrem Alter. Allerdings besteht schon ein großer Unterschied zu den vielen fußballspielenden Kindern auf der ganzen Welt, denn als Kinder des islamistischen Milizionärs Abu Osama sollen Osama und Ayman zu "Gotteskriegern" erzogen werden.

Der in Berlin lebende syrische Filmemacher Talal Derki kehrte in seine syrische Heimat zurück, um mehr als zwei Jahre lang den Alltag des salafistischen Kämpfers Abu Osama und seiner Familie zu teilen. Daraus entstand der erschütternd-beeindruckende Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons - Die Kinder des Kalifats", der auf mehr als 100 Festivals weltweit vorgestellt, mit mehr als 20 Preisen - darunter dem renommierten "World Cinema Documentary Grand Jury Prize" des Sundance Film-Festivals 2018 sowie dem Deutschen Dokumentarfilmpreis 2018 - ausgezeichnet und außerdem für den Oscar als "Bester Dokumentarfilm" nominiert wurde. Nun startet der Film im regulären Kinoprogramm.

Der 1974 geborene Abu Osama zeigte sich von den Taliban und dem Wort "Islam" regelrecht fasziniert. Nun möchte er ein "gerechtes Kalifat" errichten, um Syrien zu befreien. Osama erachtet beispielsweise als ein "Gottes Geschenk", dass einer seiner Söhne an einem 11. September, dem Jahrestag des Angriffs auf das New Yorker World Trade Center, [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Port au Prince