Aktuelle Filmkritiken
TOY STORY - ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO
Vor 24 Jahren begann die Zukunft in einer Filmsparte, die sich seitdem als auffallend innovativ und vielseitig erwiesen hat. John Lasseter, der spiritus rector des Animationsstudios "Pixar", brachte mit dem ersten Pixar-Langspielfilm "Toy Story" den ersten vollständig computeranimierten Spielfilm in die Kinos. In diesem knappen Vierteljahrhundert startete Pixar 20 Langspielfilme, denen ebenso viele Kurzfilme - einige von ihnen, etwa "La luna" (2011), "Der blaue Regenschirm" (2013) oder "Bao" (2018) wahre Meisterwerke - vorgeschaltet wurden.

Mit jedem neuen Pixar-Film wurde zwar die Animation vollkommener. Die eigentliche Stärke der Pixar-Animationsfilme liegt jedoch nicht auf der perfekten technischen Seite, sondern eher in der Komplexität der Drehbücher und der Figuren, die mit wenigen Ausnahmen ebenfalls immer größer wurde. Darin zeigt sich der von Lasseter selbst immer wieder angesprochene Einfluss, den Hayao Miyazaki auf Pixar ausübt. Miyazaki wurde als erster Animationsfilm-Regisseur im Jahre 2005 beim Filmfestival Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Davon zeugen außerdem die sieben Oscar-Nominierungen in der Kategorie "Originaldrehbuch", die Pixar-Filme erhalten haben.

"Toy Story" erzählte von Spielzeugen, die im Spielzeugzimmer eines Jungen namens Andy lebendig werden, sobald sie aus dem Blickfeld der Menschen verschwinden. Im Mittelpunkt steht der Cowboy Woody, der seinen ersten Platz im Kinderzimmer in Gefahr sieht, [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Disney
SO WIE DU MICH WILLST
Basierend auf dem (noch) nicht auf Deutsch erschienenen Roman "Celle que vous croyez" von Camille Laurens erzählt der Film von Safy Nebbou und seiner Mit-Drehbuchautorin Juli Peyr "So wie Du mich willst" von der etwa 50-jährigen Literaturdozentin Claire Millaud (Juliette Binoche).

Die attraktive Pariserin kämpft gegen die Einsamkeit und das Älterwerden an, nachdem ihr Mann sie nach zwanzig Jahren Ehe wegen einer Frau verlassen hat, die seine Tochter sein könnte. Deshalb unterhält sie eine Affäre zu Ludo (Guillaume Goux), der sein Sohn sein könnte. Aber auf Ludo ist kein Verlass. Der gut aussehende Architekt lässt sich etwa am Telefon durch seinen Mitbewohner Alex (François Civil) verleugnen.

In ihrer Eifersucht legt sich Claire ein falsches Facebook-Profil als 24-jährige Clara Antunès an, um Ludo auszuspionieren. Sie schickt Alex eine Freundschaftsanfrage, die er annimmt. Alex findet immer mehr Gefallen an "Clara", aber auch Claire verliebt sich in den jungen Mann. Als Alex irgendwann einmal verlangt, "Clara" persönlich kennenzulernen, stellt sich die Frage: Kommt es jetzt zum Offenbarungseid oder soll sie wie auch immer die Fassade aufrechterhalten?

Als Rahmenhandlung dienen Claires Gespräche bei ihrer Psychotherapeutin Dr. Bormans (Nicole Garcia), die eine etwaige Off-Stimme ersetzen, um ihre Stimmungen und Gefühle zu verdeutlichen. Der deprimierte Eindruck zu Beginn lässt [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Alamode
PHOTOGRAPH - EIN FOTO VERÄNDERT IHR LEBEN FÜR IMMER
Im Jahre 2013 überraschte der aus Mumbai stammende Drehbuchautor und Regisseur Ritesh Batra mit seinem Spielfilmdebüt Lunchbox, der von einer zarten, alles andere als konventionellen Beziehung zwischen einer Hausfrau mit blendenden Kochkünsten und einem Versicherungsangestellten handelt, dem das eigentlich für den Ehemann gedachte Mittagessen irrtümlich immer wieder zugeliefert bekommt.

Für seinen nun im deutschen Kino anlaufenden Spielfilm "Photograph - Ein Foto verändert ihr Leben für immer" geht Ritesh Batra von einer ähnlichen Ausgangssituation aus. Mitten in Mumbai arbeitet Rafi (Nawazuddin Siddiqui) als Fotograf insbesondere für Touristen am bekannten Triumphbogen mit dem Namen "Gateway of India". Nachts teilt er sich ein ärmliches Zimmer mit anderen Männern, die entweder ebenfalls Junggesellen sind, oder deren Familie im Dorf lebt.

Als seine Großmutter (Farrukh Jaffar) ihn immer mehr bedrängt, endlich zu heiraten, schickt Rafi ihr kurzerhand ein Foto der schüchternen Fremden Miloni (Sanya Malhotra), die er zufällig fotografiert hat. Die alte Dame will sofort die junge Frau kennenlernen, und so muss Rafi sie ausfindig machen. Es gelingt dem Fotografen, die Wirtschaftsstudentin aus der Mittelklasse zu überzeugen, sich für ein paar Tage als seine Verlobte auszugeben.

Wie schon in "Lunchbox" arbeitet am Film ein internationales Team, unter anderem die Kameramänner Tim Gillis und Ben Kutchins und [mehr]

Text: José García
Foto: Amazon Studios
LEBERKÄSJUNKIE
"Leberkäsjunkie" wird Dorfpolizist Franz Eberhofer einmal genannt, weil er sich über die Anweisung des Arztes: "Viel Gemüse und keine Leberkässemmeln mehr!" hinwegsetzt. Aber der Eberhofer Franz muss sich nicht nur mit dem Cholesterinspiegel plagen. Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff), die sich von ihm halbwegs getrennt hat, muss für eine Prüfung lernen, und parkt kurzerhand den kleinen gemeinsamen Sohn Paul bei Franz. Und da brennt es auf dem benachbarten Mooshammerhof. Zunächst bricht Eberhofer nicht in Unruhe aus. Als jedoch die Leiche einer attraktiven Münchnerin entdeckt wird, und alles auf Mord hindeutet, muss er etwas tun. Zum Kreis der Verdächtigen gehören die Mutter des Opfers, Frau Grimm (Anica Dobra), ein schwules Paar (Robert Stadlober, Manuel Rubey) sowie das lokale Fußballidol Buengo (Castro Dokyi Affum). Der selbst ernannte Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) eilt dem Eberhofer zu Hilfe, um ihn bei den Ermittlungen zu beraten. Inzwischen hat sich die ruppige Mooshammer Liesl (Eva Mattes) bei den Eberhofers einquartiert.

Rita Falk siedelt ihre Provinzkrimis um Franz, Papa und Oma Eberhofer im (fiktiven) Niederkaltenkirchen an, wobei laut der Autorin Frontenhausen im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau der Ort mit den meisten Ähnlichkeiten mit der fiktiven Kleinstadt sein soll. In Frontenhausen trägt der in den Verfilmungen prominent zu [mehr]

Text: José García
Foto: Constantin
THE BEYOND
In dem gerade auf DVD erschienenen Science-Fiction-Film "The Beyond" erzählt Drehbuchautor und Regisseur Hasraf Dulull von einer plötzlich auftretenden "Anomalie" über der Erde. Es beginnt, indem es auf der Internationalen Raumstation unvermittelt zu einem Stromausfall kommt. Astronaut Jim Marcell wird vermisst. Über der Erde taucht ein mysteriöses Wurmloch, dem Wissenschaftler den Namen "The Void" ("Die Leere") geben. Die Leiterin der Weltraumbehörde Gillian Laroux (Jane Perry) schickt Sonden in die Anomalie, die aber verloren gehen.

Das ursprünglicher Vorhaben von Gillian Laroux, Astronauten dorthin zu entsenden, wird jedoch verworfen, nachdem Professor Jakob Brukiehm (David Bailie) darauf hinweist, dass sie den Druck der vom Wurmloch ausgehenden Gravitationswellen nicht standhalten könnten. Deshalb wird auf eine vom Militär entwickelte Robotertechnologie namens "Human 2.0" zurückgegriffen: Ein menschliches Gehirn wird in einen synthetischen Körper transplantiert. Nachdem der Versuch mit dem ersten Kandidaten, dem Rollstuhlfahrer und Drohnenpilot Carl Roberts (Tom Christian), scheitert, fällt die Wahl auf die Kosmologie-Wissenschaftlerin Jessica Johnson (Noeleen Comiskey). Sie steht nun vor der Frage, ihr bisheriges Leben aufzugeben: Sie würde dann in einem ganz anderen Körper weiterleben, falls sie überhaupt aus der Mission zurückkehrt. Denn was in der "Leere" des Wurmlochs oder an dessen Ausgang sein könnte, vermag niemand zu sagen.

Interessant an Hasraf Dululls Film [mehr]

Text: José García
Foto: Studio Hamburg
CLEO
Die verträumte Cleo (Marleen Lohse) fühlt sich ihrer Heimatstadt Berlin ganz besonders verbunden. Denn ihre eigene Biografie ist mit Berlins Geschichte verknüpft: Als ihr Vater Bernd (Fabian Busch) am 9. November 1989 seine hochschwangere Frau ins Krankenhaus fahren wollte, blieb das Auto in der feiernden Menschenmasse stecken. Cleos Mutter starb bei ihrer Geburt. Sie wuchs alleine beim Vater auf — bis ihre Abenteuerlust zu einem Unfall führte, bei dem ihr Vater starb. Die junge Frau gibt sich heute noch die Schuld am Tod ihrer Eltern. Wenn sie doch die Zeit zurückdrehen und damit den Tod ihrer Eltern verhindern könnte ...

Eine Chance dazu erhält sie, als sie dem gutaussehenden Paul (Jeremy Mockridge) begegnet. Denn er hat eine Karte ersteigert, die den Weg zum sagenumwobenen Schatz der legendären Brüder Sass, der berühmten Berliner Ganoven der 1920er Jahre, weist. Denn darunter soll sich eine magische Uhr befinden, mit der sich die Zeit zurückdrehen lässt.

Erik Schmitt und seine Mitautorin Stefanie Ren gestalten "Cleo" nicht nur als Streifzug durch die Berliner Geschichte, wozu auch die in schwarz-weißen, körnigen Bildern auftretenden berühmten Berliner Gestalten Albert Einstein, Max Planck oder Marlene Dietrich sowie die Brüder Sass selbst gehören.

Auch wenn im Film Einiges klischeehaft anmutet, überzeugen nicht nur [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Detailfilm / Johannes Louis
TITO, DER PROFESSOR UND DIE ALIENS
Ein italienischer Professor (Valerio Mastandrea) experimentiert in der Wüste von Nevada, ganz in der Nähe von Area 51, dem militärischen Sperrgebiet, in dem das US-Verteidigungsministerium Flugtests durchführt, um das sich aber auch allerlei Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit außerirdischem Leben samt UFOs ranken. Seit dem Tod seiner Frau liegt der "Professore" aber meistens auf dem Sofa, was ihm Stella (Clémence Poésy) vorwirft. Die heimlich in ihn verliebte, junge Frau ist sein einziger Kontakt mit der restlichen Welt. Der Professore wird aus seiner Lethargie gerissen, als ihn ein Päckchen aus der alten Heimat erreicht. Sein Bruder Fidel (Gianfelice Imparato), ebenfalls Witwer, teilt ihm mit, dass er bald sterben wird. Deshalb sollen seine Kinder, die 16-jährige Anita (Chiara Stella Riccio) und der siebenjährige Tito (Luca Esposito), nach Fidels Tod zu ihrem Onkel nach Amerika reisen.

Voller Erwartung fliegen Anita und Tito nach Las Vegas, schließlich habe dort jeder einen Swimmingpool, und in der Stadt würde auch Lady Gaga wohnen, weiß Anita ihrem Bruder zu berichten. Mit ganz großen Augen schauen sich die Kinder die Touristenattraktionen in der Stadt an. Aber die Autofahrt führt aus Las Vegas heraus und in die Wüste hinein. Am Ende einer langen Fahrt finden sie sich in einer Einöde [mehr]

Text: José Garcia
Foto: eksystent
HAUS DES GELDES - 3. TEIL
Zusammen mit der US-amerikanischen Serie Stranger Things - 3. Staffel gehört der spanische Banküberfall-Mehrteiler "Haus des Geldes" ("La casa de papel") zu den Zugpferden des Online-Streaming-Diensts Netflix. Laut eigenen Angaben ist "Haus des Geldes" die international meistgesehene nicht-englischsprachige Serie auf Netflix. Ursprünglich als 15-teilige Serie à 70 Minuten im spanischen Fernsehen ab Mai 2017 ausgestrahlt, schnitt sie Netflix für einen internationalen Markt neu. Daraus wurden zwei "Teile" (statt "Staffeln") mit 13 beziehungsweise neun Episoden à 40 bis 55 Minuten. Den ersten Teil veröffentlichte Netflix im Dezember 2017, den zweiten Anfang April 2018.

"Haus des Geldes" ging von einer für das Genre genialen Idee aus: Eine Bank zu überfallen könnte zwar etwas Geld bringen. Richtig "Kohle" kann man aber da machen, wo Geld, und zwar echtes Geld gedruckt wird, in der Bandknotendruckerei. Ein mysteriöser Mann, der sich als "Professor" (Álvaro Morte) bezeichnet, schart acht Spezialisten um sich, um den größten Raubüberfall in der Geschichte Spaniens in die Tat umzusetzen. Um ihre Identität zu verschleiern, reden sie sich nur unter dem jeweiligen, nach Städten benannten Aliasnamen an: Berlin, Tokio, Rio, Nairobi, Denver, Oslo, Helsinki und Moskau.

Dafür brauchen sie nicht nur einen ausgeklügelten Plan, um mit ihrem schweren Gerät in die [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix / Tamara Arranz
AUSGEFLOGEN
Die alleinerziehende Mutter Héloïse (Sandrine Kiberlain), die ein gut gehendes Restaurant betreibt, lebt in einem prachtvollen Haus in Paris. Wie der Zuschauer aus einer Rückblende erfährt, beschloss sie vor zwölf Jahren, ihren Mann Franck (Yvan Attal) zu verlassen. Die älteren Kinder Theo (Victor Belmondo) und Lola (Camille Claris) sind schon aus dem Haus ausgezogen. Die Jüngste Jade (Thaïs Alessandrin) wohnt noch bei ihr. Sie bereitet sich auf das Abitur vor, was Héloïse auf eher unkonventionelle Art unterstützt.

Zum Studium hat sich Jade aber an einer kanadischen Universität beworben. Dass auch das Nesthäkchen, ihr "Baby" (daher auch der Original-Filmtitel "Mon bébé") flügge werden soll, veranlasst Héloïse, in den letzten Tagen vor Jades Abitur und Auszug so gut wie jeden Augenblick mit ihrem Handy festzuhalten. Als das Smartphone abhanden kommt, setzen sie und die Kinder alles daran, es wiederzufinden — bis Héloïse versteht, dass sie eines solchen Hilfsmittels nicht bedarf, um diese kostbaren Momente zu genießen.

Drehbuchautorin und Regisseurin Lisa Azuelos verarbeitet ihre eigenen Erlebnisse. Der Eindruck wird dadurch verstärkt, dass ihre eigene Tochter Thaïs Alessandrin Jades Rolle übernommen, und auch an der Entwicklung der Dialoge mitgewirkt hat. "Ausgeflogen" erzählt vor allem eine universelle Mutter-Tochter-Geschichte mit sowohl lustigen als auch nachdenklichen und wirklich anrührenden [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Alamode
LEID UND HERRLICHKEIT
Einige Monate vor seinem 70. Geburtstag am 25. September stellte Pedro Almodóvar auf dem Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2019 seinen 22. Langspielfilm vor, der offensichtlich etliche autobiographische Elemente enthält. "Leid und Herrlichkeit" ("Dolor y gloria") liest sich in seiner Autofiktion als eine Art filmische Memoiren des Regisseurs, den die Leit-Online-Filmdatendank "IMDb" als "den international am meisten gefeierten spanischen Filmemacher seit Luis Buñuel" bezeichnet.

"Leid und Herrlichkeit" handelt von einem alternden Filmregisseur, der unter großen physischen, aber auch psychischen Schmerzen leidet. Die mithilfe einer Infografie von einer Off-Stimme erklärten Rücken- und sonstige Schmerzen und Beschwerden sind wohl der Grund, warum Salvador Mallo (Antonio Banderas) seit mehr als dreißig Jahren keinen Film mehr gedreht hat — ein bedeutsamer Unterschied zu Pedro Almodóvar selbst, der gerade in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre international bekannt wurde, und seitdem mehr als 15 Spielfilme drehte. Salvador hat sich immer mehr zurückgezogen und lebt in einer Madrider Wohnung, die immer mehr einem Museum ähnelt. "Hier ist alles seltsam", sagt die Zugehfrau des Regisseurs einmal.

Die Handlung wird vorangetrieben, als eine Kinemathek die Vorführung einer restaurierten Fassung seines Filmes "Sabor" ("Geschmack") ankündigt, mit dem Salvador Mitte der achtziger Jahre große Erfolge feierte. Natürlich möchte die Kinemathek den Regisseur und [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Studiocanal