Aktuelle Filmkritiken
KÖNIG DER LÖWEN, DER
Als Animationsfilm bescherte "König der Löwen" ("The Lion King") 1994 der Disney-Company große Erfolge sowie mehr als 968 Millionen Dollar Einnahmen. In Deutschland sahen ihm mehr als 11 Millionen Zuschauer — nur "Das Dschungelbuch" konnte unter den Disney-Filmen mehr Menschen in die Kinos locken.

Die an Shakespeares "Hamlet" angelehnte Handlung dürfte also einem breiten Publikum bekannt sein: Das Löwenbaby Simba wird als Thronnachfolger dem gesamten Tierreich präsentiert. Simba vergöttert seinen Vater, König Mufasa, kann aber kaum erwarten, selbst König zu werden. Sein Onkel Scar hat allerdings eigene Pläne, den Thron zu besteigen. Nach Mufasas Tod zwingt er Simba, das Königreich zu verlassen und ins Exil zu gehen. Dort lernt Simba das Erdmännchen Timon und das Warzenschwein Pumbaa. Sie helfen ihm, erwachsen zu werden, Verantwortung anzunehmen und in seine Heimat zurückzukehren, um den Thron zu beanspruchen.

Seit kurzem verfilmt Disney die großen Animationserfolge, etwa "Dumbo", "Aladdin" oder demnächst "Mulan" als Realfilm neu, wobei sich bei "König der Löwen" die Bezeichnung "Realfilm" ziemlich unangemessen ausnimmt. Denn Regisseur Jean Favreau, der mit der "Realverfilmung" von "Das Dschungelbuch" im Jahre 2016 an der Kinokasse reüssierte (966 Millionen Dollar), gestaltet seinen Film komplett am Computer.

Visuell ist "Der König der Löwen" sehr ansprechend: Meistens ist die Animation, etwa [mehr]

Text: José García
Foto: Disney
MADE IN CHINA
Der junge Fotograf François (Frédéric Chau) hat sich nach einem zehn Jahre zurückliegenden, heftigen Streit mit seinem Vater Meng (Bing Yin) von seinen asiatischen Wurzeln losgesagt. Als aber seine Freundin Sophie (Julie de Bona) schwanger wird, drängt sie ihn, sich mit seinem Vater zu versöhnen - schließlich soll ihre Tochter wissen, wer ihr Großvater ist. François macht sich zusammen mit seinem Freund Bruno (Medi Sadoun) auf den Weg zum Chinatown von Paris, den 13. Bezirk, in dem er aufgewachsen ist, in den er aber seit einem Jahrzehnt keinen Fuß mehr gesetzt hat. Von allen möglichen Verwandten wird François überschwänglich begrüßt - nur sein Vater und sein kleiner Bruder Félix (Steve Tran), den er kaum kennt, zeigen kein Interesse am verlorenen Sohn. Die Versöhnung wird schwieriger als zunächst gedacht. Aber bald drängt auch Bruno darauf, denn er hat sich in François´ Jugendfreundin Lisa (Mylène Jampanoï) verguckt.

Das Drehbuch von Regisseur Julien Abraham und Mitautor Kamel Guemra verknüpft nach einer Idee von Hauptdarsteller Frédéric Chau selbst zwei ernste Themen miteinander, die in eine komödiantische Handlung eingepasst werden. Einerseits geht es um das Erforschen der eigenen Identität: François scheint teilweise französischer als jeder Franzose werden zu wollen - was bereits in seinem Vornamen wohl [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Etienne George
TRAUMFABRIK
Im Sommer 1961 läuft das DEFA-"Studio für Spielfilme" in Potsdam-Babelsberg auf vollen Touren. In "Traumfabrik" gibt Regisseur Martin Schreier nach einem Drehbuch von Arend Remmers eine Kostprobe: Als Piraten, Römer, Ägypter ... gekleidete Schauspieler, ja sogar ein Kamel huschen über die Leinwand wie in einem Hollywood-Studio aus der goldenen Zeit.

Emil Hellwerk (Dennis Mojen) ist gerade aus der Armee entlassen, und sucht hier mit Hilfe seines Bruders Alex (Ken Duken) Arbeit. Als Komparse verliebt er sich Hals über Kopf in die französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle). Zum versprochenen Rendezvous am 13. August kann aber Milou nicht erscheinen, denn die DDR hat in der Nacht ihre Grenzen geschlossen. Auf der Glienicker Brücke wird der aus einem Westberliner Hotel kommenden Milou von bewaffneten Soldaten die Weiterfahrt in Richtung Babelsberg verwehrt. Obwohl sie dann nach Paris zurückfährt, gibt Emil nicht auf. Er schmiedet einen spektakulären Plan, um seine große Liebe wiederzusehen.

Die Filmemacher gestalten "Traumfabrik" als großen, klassischen Liebesfilm in opulenter Kulisse, die Kameramann Martin Schlecht in Cinemascope und in bunten, ja fast blendenden Farben ausleuchtet. Zusammen mit der teilweise majestätischen Musik spiegeln die Bilder nicht nur die Gefühle der Protagonisten wider. Darüber hinaus vermitteln sie das Gefühl einer verschönerten Wirklichkeit, die mit dem [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Tobis/ Julia Terjung
STRANGER THINGS - 3. STAFFEL
Mit der Serie "Stranger Things" landete der Online-Streaming-Dienst Netflix einen Riesenerfolg. Die von den Zwillingsbrüdern Matt und Ross Duffer entwickelte Serie erweist sich als Flaggschiff der Online-Plattform. Zwar veröffentlicht Netflix keine Zuschauerzahlen, aber die Online-Filmseite "moviepilot" gibt einige Zahlen an, die diese Aussage untermauern: Der erste Trailer zur dritten "Stranger Things"-Staffel sei mit 21 Millionen Klicks das meistgeschaute Netflix-Video bei YouTube. Und von den ersten 10 Plätzen nehme die Serie drei ein. Außerdem "orchestrierte Netflix für Staffel 3 eine der aufwendigsten und langwierigsten Werbekampagnen seiner Geschichte".

Mehr als auf die Handlung an sich mit ihren paranormalen Phänomenen und Monstern ist der Erfolg auf die sympathischen Kinderdarsteller zurückzuführen. Im Mittelpunkt stehen vier zu Beginn etwa elfjährige Jungen, von denen einer spurlos verschwindet. Bald taucht wie aus dem Nichts ein verstört wirkendes Mädchen auf, das die Jungs "Elfi" (Millie Bobby Brown) nennen. Elfis plötzliches Erscheinen zitiert unmittelbar einen der großen Kinoerfolge der achtziger Jahre, Steven Spielbergs "E.T. - Der Außerirdische" (1982). Wie E.T. bringt Elfi Hoffnung in eine Gemeinschaft, die durch außergewöhnliche Ereignisse in die Krise geraten ist. Der nostalgische Blick auf die achtziger Jahre - oder eher auf die Darstellung dieses Jahrzehnts in Filmen und Songs - ist wohl auch der Schlüssel [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix
GEHEIMNIS EINES LEBENS
Basierend auf dem Roman, "Geheimnis eines Lebens" (Originaltitel: "Red Joan") von Jennie Rooney schildert der gleichnamige Spielfilm die Lebensgeschichte der englischen Sekretärin Melita Norwood (im Film Joan Stanley), die mehr als 40 Jahre lang für russische Geheimdienste arbeitete und erst 1999 entlarvt wurde.

Damit beginnt denn auch der Spionagethriller: Die etwa 85-jährige Joan Stanley (Judi Dench) lebt in einem Londoner Vorort, in dem sie ihr unauffälliges Rentnerdasein verbringt, als sie plötzlich vom MI5 festgenommen wird. Denn sie soll Geheimnisse an die Russen verraten haben. Ihre fast ein halbes Jahrhundert andauernde Karriere als russische Informantin kommt in Rückblenden zum Vorschein: Im Jahre 1938 studiert Joan (nun von Sophie Cookson dargestellt) in Cambridge Physik. Sie verliebt sich in den ebenso attraktiven wie manipulativen Kommunisten Leo Galich (Tom Hughes). Wenige Jahre später arbeitet sie während des Zweiten Weltkriegs für ein geheimes Nuklear-Forschungsprojekt. Sie erkennt, dass die Welt im Kräftemessen zwischen Ost und West kurz vor der gegenseitigen Zerstörung steht. Deshalb lässt sie sich vom KGB rekrutieren. Muss sie, um ihre Liebe und den Frieden zu retten, ihr Land verraten?

Das Verhör, bei dem Jean Stanley ihr Sohn Nick (Ben Miles) als Anwalt beisteht, bildet eine Art Rahmenhandlung für das in Rückblenden nacherzählte Spionageleben Jeans. Auch [mehr]

Text: José García
Foto: entertainment One
KROOS
Ein Bild aus dem Dokumentarfilm "Kroos" mag für die eigentliche Aussage des Films von Manfred Oldenburg stehen. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist am Abend des 13. Juli 2014 nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien Weltmeister geworden. Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel lassen sich mit dem Trainer- und Betreuerstab sowie mit der gesamten Mannschaft in der deutschen Kabine in Rio de Janeiro ablichten. Mit der gesamten Mannschaft? Nein: Im Hintergrund kann man Toni Kroos erkennen, der sich in eine Ecke zurückgezogen hat, und sich seelenruhig seinem "Arbeitsgerät", den Fußballschuhen widmet. Toni Kroos, der Spielmacher auf dem Rasen übt sich außerhalb des Fußballfeldes in Zurückhaltung, als ginge ihn der ganze Rummel um die wohl beliebteste Sportart der Welt gar nicht an.

Warum Toni Kroos trotzdem dazu zustimmte, dass über ihn ein Dokumentarfilm gedreht wird, erklärt er in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger": "Mein Privatleben soll grundsätzlich auch privat bleiben. Trotzdem habe ich der Anfrage zu einem Kinodokumentarfilm gerne zugestimmt, da ich sie als eine große Ehre und Bestätigung sehe". Gerade die Diskretion in seinem Privatleben macht einen Dokumentarfilm über den erfolgreichsten deutschen Fußfallspieler aller Zeiten besonders interessant. Für dieses Interesse sprechen etwa seine mehr als 20 Millionen Instagram-Follower: Toni Kroos hat mehr [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Broadview Pictures
EIN BECKEN VOLLER MÄNNER
Der etwa 50-jährige Bertrand (Mathieu Amalric) steckt in einer regelrechten Lebenskrise. Arbeit findet er schon lange nicht mehr, aber ebenso wenig den Antrieb, um Arbeit zu suchen. Eher zufällig lernt Bertrand eine Gruppe Männer, die sich unter der Leitung der ehemaligen Profi Delphine (Virginie Efira) als Synchronschwimmer versuchen. Auch wenn sie die sportliche Betätigung nicht ganz so richtig ernst nehmen, gibt sie ihnen eine Möglichkeit, ihrem Alltag zu entfliehen. Denn auch sie sind samt und sonders "Looser", wie der Zuschauer aus der Sicht Bertrands ganz bald feststellen kann.

Dies gilt ebenso für Delphine, die mit dem Trainieren der männlichen Synchronschwimmer ihrem Alkoholproblem zu entkommen versucht. Ein Rückfall Delphines führt dazu, dass die nach einem Sportunfall an den Rollstuhl gefesselte, ebenfalls ehemalige Profi Amanda (Leïla Bekhti) einen ganz neuen Wind in die müde Männertruppe hineinbringt. Schließlich wollen sie an der Weltmeisterschaft im Synchronschwimmen in Norwegen teilnehmen.

Regisseur Gilles Lellouche und seinen Drehbuch-Mitautoren Ahmed Hamidi und Julien Lambroschini geht es offensichtlich nicht in erster Linie um den sportlichen Erfolg oder um den Sport an sich. Die Protagonisten ihres Films haben alle große Probleme, ob es um den gewalttätigen Laurent (Guillaume Canet), den in zwischenmenschlichen Beziehungen überforderten Thierry (Philippe Katerine), den Pleite-Unternehmer Marcus (Benôit Poelvoorde) [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal
SIEBEN SEITEN DER WAHRHEIT
Im Spielfilm "Rashomon" (1950) erzählt der japanische Meisterregisseur Akira Kurosawa dasselbe Geschehen aus vier verschiedenen Blickwinkeln, womit ein "unzuverlässiges Erzählen" thematisiert, beziehungsweise die Existenz einer objektiven Wahrheit in Frage gestellt wird. Die sechsteilige australische Serie "Sieben Seiten der Wahrheit", die am 4. und 11. Juli auf ARTE ausgestrahlt wird, setzt ein ähnliches Stilmittel ein, das sowohl im Original- ("Seven Types of Ambiguity") als auch im deutschen Serientitel zum Ausdruck kommt.

Der Börsenmakler Joe Marin (Alex Dimitriades) soll ein paar Tage mit seinem siebenjährigen Sohn Sam (Harrison Molloy) allein verbringen, denn seine Frau Anna (Leeanna Walsman) fährt auf Geschäftsreise. Deshalb will Joe den Jungen nachmittags von der Schule abholen. Eigentlich sollten die Schüler von einem Zoobesuch um 15.15 Uhr zurück sein. Aber nun heißt es, sie kämen erst eine Stunde später zurück - so wenigstens laut einem Anruf bei Joes Sekretärin. Als Joe deshalb um 16.15 Uhr in der Schule ankommt, ist Sam nirgends zu finden. Nach mehreren erfolglosen Anrufen bei Familien von Klassenkameraden bricht Joe in Panik aus - er ruft Anna an, die noch auf dem Weg zu ihrer Geschäftsreise war und schnellstens zurückkehrt. Schließlich melden sie Sam als Vermissten bei der Polizei. Der einzige Anhaltspunkt: Sam soll mit einem [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Arte
TOLKIEN
John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973) gehört zu den bekanntesten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, ist "Der Herr der Ringe" doch eines der meistgelesenen Bücher der letzten Jahrzehnte. Mit "Mittelerde", wo "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit" angesiedelt sind, erschuf J.R.R. Tolkien nicht nur eine eigene Welt, sondern auch eine wahre Mythologie. Diese erschließt sich freilich erst richtig in seiner unter dem Titel "Das Silmarillion" 1977 von seinem Sohn Christopher posthum veröffentlichten Sammlung von Erzählungen aus der Zeit der "Altvorderen", um Tolkiens Sprache zu übernehmen. Es enthält darüber hinaus eine poetische Schöpfungsgeschichte, die einerseits den großen Mythologien verwandt, andererseits aber auch mit dem christlichen Glauben vereinbar ist ? mitsamt dem Sündenfall reiner Geister und der Schöpfung der "Sterblichen, ewig dem Tode Verfallenen", also der Menschen, wobei für Tolkien Sterblichkeit "Geschick und Gabe Gottes" zugleich ist.

Unter dem schlichten Filmtitel "Tolkien" schildert die erste Filmbiografie über J.R.R. Tolkien die Kindheits- und Jugendjahre des späteren Oxford-Professors für Altenglisch, der mythologische Sprachen und Geschichten erfand. Die Drehbuchautoren David Gleeson und Stephen Beresford sowie Regisseur Dome Karukoski erzählen auf zwei Zeitebenen: Die Rahmenhandlung bildet die Schlacht an der Somme 1916 während des Ersten Weltkriegs. Im Fieberwahn taumelt der junge Leutnant Tolkien (Nicholas Hoult) durch die [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Fox
DARK - 2. STAFFEL
Die deutsche Netflix-Serie "Dark" wurde 2018 mit sieben Grimme-Preisen ausgezeichnet. Die erste deutsche Netflix-Eigenproduktion feierte außerdem großen internationalen Erfolg unter den nicht-englischsprachigen Netflix-Serien. "Dark" verknüpfte das Schicksal von vier Familien in einer fiktiven Stadt auf drei verschiedenen Zeitebenen, in den Jahren 1953, 1986 und 2019. Verschwinden zu Beginn der Handlung Kinder, so scheinen sich die Tragödien alle 33 Jahre zu wiederholen.

In der zweiten Staffel, die nun anderthalb Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Staffel ab dem 21. Juni von Netflix ins Netz gestellt wird, kommen noch zwei weitere Zeitebenen dazu. Einerseits endete Staffel 1 mit einem Epilog im Jahre 2052, wo Jonas (Louis Hofmann) - die eigentliche zentrale Figur der ganzen Serie - unerwartet landete. Dazu kommt zu Beginn der zweiten Staffel eine weitere Zeitebene, die im Jahre 1921 angesiedelt ist. "Wo ist der Ursprung? Wo hat alles begonnen?" - Mit diesen aus dem Off gesprochenen Worten reist der Zuschauer noch weiter in die Vergangenheit als in der ersten Staffel. Es ist der 21. Juni - derselbe Tag, an dem die zweite Staffel uraufgeführt wird. Der Tunnel, der als Ort für die Zeitreisen dient, wird ausgehoben. Da geschieht schon ein erster Mord - die Anspielung auf Kain und Abel [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix