Aktuelle Filmkritiken
EDIE - FÜR TRÄUME IST ES NIE ZU SPÄT
Jahrzehntelang hat die nun 83-jährige Edie (Sheila Hancock) ihren seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzenden Mann gepflegt. Als dieser plötzlich stirbt, und ihre Tochter Nancy (Wendy Morgan) die alte Dame in ein Altersheim abschieben will, beschließt Edie, sich einen fast vergessenen Traum zu erfüllen: Endlich den Berg Suilven in den schottischen Highlands zu erklimmen. Ihr Vater wollte zwar immer mit ihr auf den Berg. Vor Edies Hochzeit kam es nicht mehr dazu, und später erlaubte es ihr verstorbener Ehemann nicht.

Mit ihrer ebenfalls in die Jahre gekommenen Wanderausrüstung fährt Edie nach Schottland. Dort wird sie von einem jungen Mann fast umgerannt, der in aller Eile seine Freundin zum Zug bringen möchte. Jonny (Kevin Guthrie) will es irgendwie wiedergutmachen, und bietet Edie Obdach für eine Nacht an. Am nächsten Morgen stellt sie fest, dass Jonny in dem Städtchen ein Klettergeschäft betreibt. Dort bekommt sie nicht nur die richtige Ausrüstung. Für ein üppiges Honorar erklärt sich der junge Mann bereit, als ihr Bergführer Edie auf den Gipfel des berüchtigten Suilven zu bringen.

Die Handlung von "Edie - Für Träume ist es nie zu spät" erinnert an den Spielfilm Picknick mit Bären, in dem sich ein alternder Reiseschriftsteller auf eine lange Wanderung aufmachte. [mehr]

Text: José García
Foto: Cape Wrath Films
MAQUIA - EINE UNSTERBLICHE LIEBESGESCHICHTE
In ihrem Regiedebüt erzählt Mari Okada, die bislang als Drehbuchautorin gearbeitet hatte, aus dem mythischen Japan in der für das fernöstliche Land typischen Animationsform namens "Anime". "Maquia - Eine unsterbliche Liebesgeschichte" wurde beim Shanghai International Film Festival mit dem "Best Animation Award" ausgezeichnet.

Im Lande Iorph leben jenseits der Menschenwelt ätherische, ewig junge Wesen mit langen blonden Haaren und weißen Gewändern, die seit Jahrhunderten gemeinsam in einem mystischen Tuch, dem "Hibiol", das Geschehen eines jeden Tages verweben - und damit auch ihre Gedanken und Gefühle. Ihr friedliches Leben gerät jedoch aus dem Fugen, als die Sippe von einer fremden Armee angegriffen wird. Ihre Freundin Leylia wird entführt, aber Maquia gelingt die Flucht. Als sie allein durch den Wald streift, entdeckt sie einen Säugling, den sie Erial nennt. Maquia zieht Erial wie ein eigenes Kind auf. Während aber Erial wächst, bleibt Maquia ewig jung.

Die "ewige Liebe" des deutschen Verleihtitels bezieht sich auf die unbedingte Liebe einer Mutter, die allerdings durch die menschliche Vergänglichkeit und eine außermenschliche Sehnsucht geprägt wird. Die Animation zeichnet sich durch einen großen Detailreichtum in den Landschaften, die aus "Maquia" ein bildgewaltiges Epos macht. Damit kontrastiert aber die einfache Zeichnung der Gesichter mit den anime-typischen großen Augen.

Dass Maquia gleichzeitig [mehr]

Text: José García
Foto: universum
BREAKTHROUGH - ZURÜCK INS LEBEN
Menschen, die für klinisch tot erklärt und dann wieder ins Leben zurückgeholt wurden, erzählen in der Regel von sogenannten Nahtoderfahrungen. Ähnliche Visionen schilderte John Smith zwar nicht, als er in St. Charles, Missouri, im Januar 2015 aus dem Koma erwachte. Der 14-jährige John war aber 15 Minuten lang ohne Sauerstoffzufuhr unter dem Eis eines kleinen Sees. Als die Rettungsmannschaften ihn herausholten, konnten sie bei ihm keinen Puls feststellen. Sie brachten ihn dennoch in die Notaufnahme eines nahegelegenen Krankenhauses, wo ein Ärzteteam 45 Minuten lang um Johns Leben kämpfte - vergeblich, denn alle Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Inzwischen war Johns Adoptivmutter im Krankenhaus eingetroffen. Die Ärzte sagten ihr, sie könne sich von ihrem Sohn verabschieden. Joyce jedoch betete: "Heiliger Geist, bringe meinen Sohn sofort zurück!" Auf medizinisch unerklärliche Weise meldete das EKG-Gerät auf einmal einen Puls bei John. In der Krankenakte wurde später vermerkt: "Patient dead, mother prayed, patient came back to life" ("Patient tot. Die Mutter betete. Der Patient wurde wieder lebendig").

Joyce Smith berichtete ihre Erlebnisse im Zusammenhang mit der wundersamen Heilung ihres Sohnes im Buch "The Impossible: The Miraculous Story of a Mother´s Faith and Her Child´s Resurrection", das sie 2017 gemeinsam mit Ginger Kolbaba schrieb. Basierend auf dem Buch [mehr]

Text: José García
Foto: Fox
STAN & OLLIE
Sie traten zwischen 1927 und 1950 in mehr als 100 Filmen auf, wobei mehr als die Hälfte Kurzfilme waren, die in der klassischen Kinozeit als Vorprogramm eingesetzt wurden. Stan Laurel und Oliver Hardy - Stan & Ollie oder auch "Dick und Doof" - wurden neben den Marx-Brothers (Filme: 1929-1949) die bekanntesten Komiker im klassischen Studio-Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre.

Drehbuchautor Jeff Pope und Regisseur Jon S. Baird erzählen in ihrer Filmbiografie "Stan & Ollie" nach einem kurzen Ausschnitt aus ihrer besten Zeit 1937, als nach Unstimmigkeiten im Umgang mit den Studios das Duo für einige Zeit auseinandergeht, insbesondere von der England-Tour, die Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) 1953 unternahmen. Ihre Filmzeit war schon zu Ende, weswegen sie zu Beginn der Tour vor leeren Zuschauerränge auftreten.

Sie geben aber nicht auf. Stan hört nie auf, neue Gags zu entwickeln, die Werbung für die Tour zündet endlich. Aber die Unstimmigkeiten der Vergangenheit tauchen wieder auf, wozu auch ihre Frauen Lucille (Shirley Henderson) und Ida (Nina Arianda) kräftig beitragen - die Tournee wird zu einer Bewährungsprobe für ihre Freundschaft.

Von Freundschaft handelt "Stan & Ollie" ganz besonders. Der Film bietet einen Einblick in das Privatleben des Komiker-Duos, wobei er auf [mehr]

Text: José García
Foto: SquareOne
NUR EINE FRAU
Mitten in Berlin: Aynur (Almila Bagriacik) geht ihrem jüngsten Bruder Nuri (Rauand Taleb) ein paar Schritte voraus. Er wollte sie ja unbedingt bis zur Bushaltestelle begleiten. Plötzlich holt der junge Mann eine Pistole aus der Tasche heraus, und zielt damit auf den Kopf seiner Schwester. Nuri feuert dreimal auf Aynur, die mitten auf der Straße liegen bleibt. Mit dieser eindrücklichen Szene lassen Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseurin Sherry Hormann ihren Spielfilm "Nur eine Frau" beginnen. Darin zeichnet der über weite Strecken dokumentarisch anmutende Spielfilm tatsachengetreu das Schicksal von Hatun Sürücü nach, die sich selbst den Namen Aynur ("Mondstrahl") gab, und am 7. Februar 2005 in Berlin-Tempelhof von einem ihrer Brüder durch drei Kopfschüsse ermordet wurde. "Nur eine Frau" rekonstruiert Aynurs letzte Jahre, wie es zu dieser Tat kam - und der Film macht es aus ihrer eigenen Perspektive, wofür sie selbst immer wieder aus dem Off spricht. Als 16-Jährige wird die selbstbewusste Aynur, die immer wieder gegen die Traditionen ihrer Familie aufbegehrt, mit einem Cousin aus der Türkei verheiratet. Sie lebt kurze Zeit in Istanbul, kehrt aber schwanger alleine nach Berlin zurück, weil ihr Mann sie schlägt.

Im Gegensatz zum Film "Die Fremde" (Feo Aladag, 2009), der sich ebenfalls an [mehr]

Text: José Garcia
Foto: NFP
KLEINEN HEXENJÄGER, DIE
Der zehnjährige Jovan (Mihajlo Milavic) führt aufgrund einer angeborenen Zerebralparese ein ziemlich eingeschränktes Leben. Die Störungen des Nervensystems und der Muskulatur zwingen ihn dazu, in der Schule die Pausen im Unterrichtsraum zu verbringen statt mit den andern auf dem Schulhof zu tollen, sowie regelmäßig eine physiotherapeutische Praxis zu besuchen. Jovan zieht sich in seine eigene Fantasiewelt zurück, wo er als Superheld brilliert, Schurken in die Schranken weist, und dabei seine körperliche Beeinträchtigung überwindet.

Jovans Leben erfährt aber eine grundlegende Wendung, als eine neue Schülerin in seine Klasse kommt: Milica (Silma Mahmuti) ist umgezogen, weil ihr Vater eine neue Freundin hat, und sie deshalb mit ihrer Mutter zur Großmutter gezogen ist. Die Oma nennt die "Neue" abfällig "die Hexe". Milica nimmt die Bezeichnung ernst, denn sie ist davon überzeugt, dass die Frau ihren Vater verhext hat. Jovan soll ihr helfen, ihren Vater aus dem Zauberbann der Hexe zu befreien.

Basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Jasminka Petrovic weist der erst 28-jährige Regisseur Rasko Miljkovic in seinem Spielfilmdebüt auf die Gefühlsverwirrungen bei Scheidungskindern hin. Miljkovic gelingt es, die durchaus ernste Haupthandlung mit einem Nebenstrang zu verknüpfen, die sich an die aktuell beliebten Superhelden-Filme anlehnt — so hat Jovan in seinem Kinderzimmer eine Modellstadt zusammengestellt, [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Der Filmverleih
EDEN
Eine filmische Aufarbeitung kann die Flüchtlingskrise in all ihren Facetten kaum darstellen, schon gar nicht ein 90-minütiger oder zweistündiger Spielfilm. Ein Mehrteiler bietet zumindest die Chance, unterschiedlichen und teilweise sehr verschiedenen Protagonisten ein Gesicht zu geben, vielleicht sogar den Charakter des einen oder anderen von ihnen etwas mehr zu vertiefen.

Die sechsteilige, deutsch-französische Serie "Eden", die von mehreren Filmgesellschaften und Fernsehanstalten produziert wurde, stellt menschliche Schicksale in verschiedenen europäischen Ländern in den Mittelpunkt. Die Drehbücher stammen aus der Feder mehrerer deutscher und französischer Autoren, wobei als Headautor Constantin Lieb firmiert. Regie führt Dominik Moll, der als Sohn einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters zweisprachig aufwuchs. Gedreht wurde in fünf Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, Griechisch und Arabisch. All diese Angaben verdeutlichen den enormen Aufwand bei der Entwicklung einer Serie, die ersichtlich zu den großen diesjährigen Serienprojekten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehört.

Die Eingangssequenz hängt eng mit einem Erlebnis des Regisseurs zusammen. Dominik Moll fand ein Internetvideo, in dem "Urlaubsgäste Zeugen der Landung eines Schlauchboots voller afrikanischer Flüchtlinge werden. Die Migranten springen aus dem Boot, rennen den Strand hoch und verschwinden in den Dünen." Laut Moll fasse dieses Video das Thema der Miniserie anschaulich zusammen: "Das Eindringen einer Welt in eine andere." Der Regisseur [mehr]

Text: José García
Foto: ARD
EIN LETZTER JOB
James Marsh (Regie) und Joe Penhall (Drehbuch) bringen nach einer wahren Begebenheit den größten Juwelier-Raub in der Geschichte Großbritanniens auf die Leinwand, den legendären "Hatton Garden-Einbruch", bei dem im April 2015 Diamanten im Wert von etwa 200 Millionen Pfund gestohlen wurden. Geplant wurde der Einbruch vom 77-jährigen Brian Reader, der für dessen Durchführung eine "Rentner-Gang" zusammenstellte: Mit einer einzigen Ausnahme waren seine Komplizen ebenfalls über 60, ja sogar über 70 Jahre alt.

Nach einigen Dokumentarbildern führt "Ein letzter Job" die verschiedenen Bandenmitglieder ein, allen voran Brian Reader (Michael Caine). Als Mechaniker verkleidet dringen sie an den Osterfeiertagen in die Depotfirma ein, die ihren Kunden Schließfächer vermietet. Sie bohren in die Wand des Tresorraums ein Loch, und können zwei Tage später mit Juwelen und Bargeld entkommen. Dann aber bricht ein Streit darüber aus, wie die Beute verteilt werden soll, während die Polizei mit den Ermittlungen beginnt.

Die Filmemacher gestalten ihren Film zunächst einmal als Gaunerkomödie, wobei die Witze über das Alter und dessen Gebrechen sowie die Situationskomik den meisten Raum einnehmen. Die Ausführung des Einbruchs wird detailliert beschrieben, wobei eine schnellgeschnittene Sequenz mit der Leerung der Schließfächer für einen höheren Schnittrhythmus sorgt.

Die Stimmung wird allerdings immer düsterer, so dass sich die anfängliche [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Studiocanal
ATLAS
Der sechzigjährige Walter (Rainer Bock) arbeitet als Möbelpacker bei der Spedition von Roland Grone (Uwe Preuss), die sich auf Zwangsräumungen spezialisiert hat. Walter scheint aber völlig gleichgültig zu sein gegenüber dem Leid der Menschen, in deren Privatsphäre er täglich eindringen muss. Zusammen mit den zwielichtigen Familienclan der Afsaris und mit Hilfe des Gerichtsvollziehers Alfred (Thorsten Merten) kauft Grone dann billig Häuser, entmietet sie, um sie anschließend für ein Vielfaches wieder zu verkaufen.

Damit verhilft er den Afsaris, zu denen auch der neue Kollege Moussa (Roman Kanonik) gehört, zur Geldwäsche. Allerdings weigert sich ein letzter Mieter auszuziehen. In dem jungen Mann (Albrecht Schuch) glaubt Walter seinen Sohn Jan wiederzuerkennen, den er seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen hat. Damals hatte er das Besuchsverbot überschritten und zwei Polizisten krankenhausreif geschlagen, weswegen er ins Gefängnis wanderte.

Walter offenbart sich Jan nicht, aber er nähert sich ihm und dessen Familie (Nina Gummich, Johannes Gevers) behutsam an. Als Walter klar wird, dass die Männer, auf die sich Grone eingelassen hat, nicht vor Gewalt zurückschrecken, gerät der 60-Jährige zunehmend unter Druck. Für das Drehbuch von "Atlas" gewannen Regisseur David Nawrath und sein Mit-Autor Paul Salisbury 2015 den Emder Drehbuchpreis. Hauptdarsteller Rainer Bock, der bislang ganz andere, eher "intellektuelle" [mehr]

Text: José Garcia
Foto: 23/5 Film, Tobias von dem Borne
WENN DU KÖNIG WÄREST
Ein Buch über die Artus-Sage wird als allerdings eine Spur zu lang geratene Einführung in das Abenteuer "Wenn Du König wärst" aufgeblättert. Das Artus-Buch liegt in einem Karton auf dem Speicher bei Alex (Louis Ashbourne Serkis). Der Zwölfjährige hat es in der Schule nicht leicht. Aber noch schlimmer geht es seinem besten Freund Bedders (Dean Chaumoo), der von den Schul-Rabauken Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) regelrecht gequält wird.

Auf der Flucht vor den beiden Rowdys findet Alex auf einer Baustelle ein Schwert, das sich als Excalibur herausstellt. Gleichzeitig erwacht aus einem jahrhundertelangen Schlaf die Zauberin Lady Morgana (Rebecca Ferguson) in Gestalt eines Drachen. Sie hat es auf das Schwert abgesehen. Ist es möglich, dass Artus? sagenumwobenes Schwert Alex ausgesucht hat, um London vor den Angriffen der Zauberin zu schützen? Davon ist jedenfalls Merlin (Patrick Stewart) überzeugt, der den Jungen in Gestalt eines Jugendlichen (Angus Imrie) aufsucht, um ihn auf die Schlacht vorzubereiten.

Bereits in den Namen von Alex? Mitstreiter — Lance für Lancelot, Kaye für Kay, Bedders für Bedivere — befinden sich Anspielungen auf die Ritter der Tafelrunde, um die sich die Schüler in einer Szene tatsächlich auch versammeln. Auch wenn gegen Ende die Action etwas austauschbar wird, überzeugen die [mehr]

Text: José García
Foto: Fox