Aktuelle Filmkritiken
CHAMPAGNER & MACARONS - EIN UNVERGESSLICHES GARTENFEST
Seit ihrem Regiedebüt "Lust auf anderes" ("Le goût des autres", 2000) kreisen die Filme von Agnès Jaoui, deren Drehbücher sie zusammen mit ihrem (ehemaligen) Lebenspartner Jean-Pierre Bacri schreibt, immer wieder um die Eitelkeit und Oberflächlichkeit des Kulturbetriebs, um den Preis, den Menschen für Anerkennung zu zahlen bereit sind. Themen, die das Duo Jaoui-Bacri bislang besonders überzeugend in ihrem mit dem Europäischen Filmpreis für das beste Drehbuch sowie mit dem Drehbuchpreis der Internationalen Filmfestspiele Cannes 2004 ausgezeichneten Meisterwerk "Schau mich an!" ("Comme une image") behandelten.

Für ihren aktuellen Spielfilm "Champagner & Macarons - Ein unvergessliches Gartenfest" ("Place publique") setzen Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri eine ähnliche Dramaturgie wie in ihren früheren Filmen ein. Es wird erneut von Paris aufs Land gefahren, auch wenn hier Nathalie (Léa Drucker) ein ums andere Mal betont, dass ihr neues Anwesen lediglich 35 Minuten von Paris entfernt sei. Um ihr Landhaus einzuweihen, hat die vielbeschäftigte Fernsehproduzentin einige Prominente eingeladen.

Was sie zurzeit am meisten beschäftigt: Das Karriereende des Moderators Castro (Jean-Pierre Bacri), dessen Stern längst verblasst ist, zu verhindern. Nicht nur Castro kommt zur Gartenparty, sondern ebenfalls seine Ex-Frau Hélène (Agnes Jaoui), die auch Nathalies Schwester ist. Später erscheint die gemeinsame Tochter von Hélène und Castro [mehr]

Text: José García
Foto: Tiberius Film
EIN KIND WIRD GESUCHT
"Ein Kind wird gesucht" basiert auf einer wahren Begebenheit: Eines Tages kehrt der zehnjährige Mirco abends von seinem Fußballtraining nicht zurück. Von ihm fehlt jede Spur. Der zuständige Chefermittler Ingo Thiel (Heino Ferch), selbst Vater zweier Söhne, verspricht Mircos Eltern, ihren Sohn zurückzubringen. Es beginnt die größte Suchaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte, eine langwierige und zermürbende Suchaktion. Thiel motiviert sein Team immer wieder, bloß nicht aufzugeben.

Mircos Eltern Reinhard (Johann von Bülow) und Sandra Schlitter (Silke Bodenbender) finden als Mitglieder einer evangelischen Freikirche bei aller Verzweiflung in ihrem tiefen Glauben an Gott Halt, auch wenn Reinhards Glaube an einen gütigen und gerechten Gott hart auf die Probe gestellt wird.


Interview mit Co-Drehbuchautorin Katja Röder

"Ein Kind wird gesucht" ist eine wahre Geschichte. Wie sind Sie darauf gekommen, sie zu verfilmen?

Der Produzent Nils Dünker hat mich vor drei Jahren darauf angesprochen. Zwei junge Produzenten, Eric Bouley und Christopher Sassenrath, hatten für ihn das Buch von Ingo Thiel optioniert, in dem er als Chef der Sonderkommission den Mordfall Mirco beschreibt. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie fasziniert ich von der dort geschilderten, umfangreichen und unglaublich detaillierten Ermittlungsarbeit war: Das war die harte Realität eines tragischen Falls und kein Krimi-Märchen. Mehr [mehr]

Text: José García
Foto: ZDF
SMALLFOOT - EIN EISIGARTIGES ABENTEUER
Der Mythos um einen behaarten, zweibeinigen, riesigen Schneemenschen namens "Yeti", der im Himalaya-Gebirge leben soll, einmal spiegelverkehrt erzählt: Im Animationsfilm "Smallfoot - Ein eisigartiges Abenteuer" lebt eine Yeti-Gemeinschaft auf einem von Wolken umgebenden hohen Berg. Sie leben im Glauben, dass unter den Wolken das Nichts ist - diese Lehre ist in Steinen gemeißelt, die der Schamane-Anführer "Steinbewahrer" in einer Art Mantel mit sich trägt.

Als der Sohn des Gongmeisters, der junge Migo (deutsche Stimme: Kostja Ullmann), nach einem Flugzeugabsturz einen Menschen mit einem im Vergleich zu ihm sehr kleinen Fuß entdeckt, hat er endlich Gewissheit darüber, dass es die "Smallfoots" wirklich gibt, dass es sich nicht nur um eine Legende handelt. Das ganze Dorf stellt ihn jedoch als Lügner dar, weil er die Weisheit des Steinbewahrers anzweifelt. Nur dessen Tochter Meechee (Aylin Tezel) und ein paar andere "Verrückte" glauben ihm. Migo wird aus dem Dorf verbannt. Auf der Suche nach Menschen beginnt der junge Yeti eine abenteuerliche Reise, bei der er den erfolglosen Tierdokumentationsfilmer Percy Patterson kennenlernt, ihn entführt und ihn mit in sein Dorf nimmt.

Der Name "Smallfoot" spielt auf die nordamerikanische Variante des "Yeti"-Mythos an, der dort "Bigfoot" genannt wird. Auch der Name "Migo" enthält eine solche Anspielung, da das [mehr]

Text: José García
Foto: Warner Bros.
GREYZONE - NO WAY OUT
Die Bedrohung durch den Terrorismus nach dem 11. September 2001 spielt in der filmischen Fiktion naturgemäß insbesondere in US-amerikanischen Spielfilmen eine große Rolle. Aber auch in europäischen Filmen, etwa in den in Berlin angesiedelten "A Most Wanted Man" und "Berling Falling", wird die Gefahr eines terroristischen Anschlages heraufbeschworen. Handelt "Berlin Falling" von einem mit den Taliban sympathisierenden Einzeltäter, der einen Anschlag auf den Berliner Hauptbahnhof plant, so führt der nach einer Romanvorlage von John Le Carré realisierte "A Most Wanted Man" direkt in die Welt der global operierenden Geheimdienste, wobei der Film außerdem moralische Fragen im Zusammenhang mit der Terroristenbekämpfung aufgreift.

Die dänisch-schwedisch-deutsche Fernsehserie "Greyzone - No Way Out", die zwar ZDFneo vom 13. September bis zum 11. Oktober in Doppelfolgen ausstrahlt, aber bereits in der ZDF-Mediathek vollständig abrufbar ist, erzählt von einer Kooperation europäischer Länder im Kampf gegen mögliche Terroranschläge auf europäischem Boden. Die Drehbuchautoren Oskar Söderlund und Morten Dragstedt sowie die Regisseure Jesper W. Nielsen (Folgen 1-5), Fredrik Edfeldt (Folgen 6-8) und Jörgen Bergmark (Folgen 9-10) verknüpfen zwei Erzählstränge miteinander.

Im Hafen von Göteborg macht die schwedische Polizeibeamtin Eva Forsberg (Tova Magnusson) eine erschreckende Entdeckung: Auf der Spur von Waffenschmugglern findet das Mitglied des schwedischen Nachrichtendienstes [mehr]

Text: José Garcia
Foto: ZDF, Agnete Schlichtkrull
DEFEKTE KATZE, DIE
Arrangierte Ehen gibt es offensichtlich in einigen Kulturkreisen noch, und das Kino erzählt gerne davon. Sowohl in "Hedis Hochzeit" als auch in "The Big Sick" sperren sich beispielsweise die jungen Protagonisten gegen die Bemühungen der Eltern, für sie eine vermeintlich passende Ehefrau zu finden. In "Menashe" war es ein chassidischer Witwer in Brooklyn, für den ein Heiratsvermittler eine Frau aussuchen sollte. Das Langfilmdebüt der deutschen Regisseurin iranischer Herkunft Susan Gordanshekan erzählt hingegen von einer arrangierten Ehe nach der Eheschließung.

Der in Deutschland aufgewachsene Assistenzarzt Kian (Hadi Khanjanpour) hat die sogenannten "Blind Dates" satt. Er möchte die Frau fürs Leben finden, und so geht er auf den Rat seiner Mutter ein, einer arrangierten Ehe zuzustimmen. Ausgewählt wird Mina (Pegah Ferydoni), die zwar in Iran lebt, sich aber auch ein Leben in Deutschland vorstellen kann. Obwohl man es nicht gerade Liebe auf den ersten Blick nennen kann, versuchen die beiden nicht mehr so ganz jungen Mina und Kian, ein gemeinsames Leben aufzubauen. Aber ihre Beziehung scheint so defekt zu sein wie die wegen eines Gendefekts ziemlich hässliche, graue, titelgebende Katze, die Mina eines Tages nach Hause bringt, und die Kian nicht ausstehen kann.

Mit viel Einfühlungsvermögen begleitet Regisseurin [mehr]

Text: José García
Foto: Alpenrepublik
WERK OHNE AUTOR
Mit seinem Spielfilmdebüt "Das Leben der Anderen" gewann Florian Henckel von Donnersmarck nicht nur den Oscar 2007 für den besten nichtenglischsprachigen Film und etwa 40 weitere internationale Filmpreise. Die fein austarierte Mischung aus Politthriller, menschlichem Drama und DDR-Gesellschaftsgemälde bedeutete auch eine Zäsur in der filmischen Auseinandersetzung mit der deutschen Zeitgeschichte. Vier Jahre später drehte Henckel von Donnersmarck in Hollywood den Genrefilm "The Tourist", der trotz hochkarätiger Besetzung mit Angelina Jolie und Johnny Depp kein großer Erfolg und von der Kritik eher verrissen wurde. Zwölf Jahre nach "Das Leben der Anderen" und acht nach seiner zweiten Regiearbeit stellte nun der deutsche Regisseur im Wettbewerb der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele von Venedig seinen dritten Spielfilm "Werk ohne Autor" vor.

Der dreistündige Film "Werk ohne Autor" erzählt aus drei Jahrzehnten und ebenfalls aus drei Epochen deutscher Geschichte vom Leben des Künstlers Kurt Barnert (Tom Schilling), dessen Biographie sich an den Lebenslauf von Gerhard Richter eng anlehnt. Als etwa Sechsjähriger besucht Kurt Barnert (noch von Cai Cohrs dargestellt) in Begleitung seiner Tante Elisabeth May (Saskia Rosendahl) 1937 in Dresden eine Ausstellung über "entartete Kunst" ? darunter Werke von Kandinsky und Picasso oder auch "Der Turm der blauen Pferde" von Franz Mark, das [mehr]

Text: José García
Foto: Buena Vista International
FATIMA. DAS LETZTE GEHEIMNIS
Über die Marienerscheinungen im portugiesischen Fatima gibt es bereits eine Reihe Dokumentar- und Spielfilme, so zuletzt Max Kronawitters Dokumentarfilm "Das große Finale — Das Sonnenwunder von Fatima", der die Erscheinungen von Fatima in den weltgeschichtlichen Zusammenhang — Erster Weltkrieg, russische Revolution, Verbreitung des Kommunismus in Europa — stellt. Der neue Film über Fatima mit dem Titel "Fatima. Das letzte Geheimnis" von Andrés Garrigó setzt sozusagen den Diskurs von Kronawitters Film insofern fort, als "Fatima. Das letzte Geheimnis" die Aussagen der Marienerscheinungen in Korrelation mit den Ereignissen des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts stellt. Regisseur und Produzent Garrigó: "Fatima besitzt eine prophetische Dimension. Die Aussagen der Gottesmutter sind in Erfüllung gegangen."

Der 80-minütige Film "Fatima. Das letzte Geheimnis", der zum 100. Jahrestag der Marienerscheinungen erscheint, setzt eine Rahmenhandlung ein, um die Haupthandlung aus der Sicht einer nichtgläubigen Frau zu betrachten: Die freiberufliche Schnittmeisterin Mónica (Eva Higueras) braucht einen neuen Auftrag. Da sie zurzeit nur Absagen bekommt, geht sie über die Vermittlung einer Freundin doch noch auf ein Angebot ein: Der Produzent Víctor (Fran Calvo) beauftragt sie mit dem Schnitt eines Filmes über Fatima. Mónica praktiziert den (katholischen) Glauben schon lange nicht mehr. Ein besonderes Interesse hat sie an diesem "Job" sicher [mehr]

Text: José García
Foto: Goya Producciones
OFFENES GEHEIMNIS
Die in Argentinien lebende Laura (Penélope Cruz) kommt nach offensichtlich längerer Zeit in ihr spanisches Heimatdorf zurück, um an der Hochzeit ihrer Schwester Ana (Inma Cuesta) teilzunehmen. Laura freut sich über das Wiedersehen insbesondere mit ihrem Vater Antonio (Ramón Barea), dem einstigen Landbesitzer. Aber auch Paco (Javier Bardem), der einst als Sohn einer Hausangestellten in Antonios Haus aufwuchs und es als Winzer zu einigem Wohlstand gebracht hat, merkt man an, was ihm das Widersehen mit Laura bedeutet.

Nach der ausgelassenen Hochzeitsfeier ist Lauras Tochter Irene (Carla Campra) verschwunden. Auf Irenes Bett findet Laura Zeitungsausschnitte von der Jahre zurückliegenden Entführung eines Mädchens aus der Gegend, die tragisch endete. Als nach einigen Tagen Irene immer noch nicht aufgetaucht ist, reist Lauras Mann Fernando (Ricardo Darín) aus Argentinien an, um nach seiner Tochter zu suchen.

Der iranische Drehbuchautor und Regisseur Asghar Farhadi, der mit "Nader und Simin — Eine Trennung" und "The Salesman" je einen Oscar gewann, dreht in einem nicht genannten spanischen Dorf mit spanischsprachigen Schauspielern. Was er aber erzählt, ist eine universelle Geschichte: Alles spricht für eine Entführung. Über dem Dorf hängt die Vorahnung, dass jemand aus der näheren Umgebung daran beteiligt sein könnte. Dadurch kommen alte Ressentiments und auch Klassendünkel sowie langbehütete [mehr]

Text: José García
Foto: Prokino
BALLON
In den gut 28 Jahren des Bestehens der Berliner Mauer starben mehr als hundert Menschen beim Versuch, sie zu überwinden. Laut "chronik-der-mauer.de" vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung und mit Deutschlandradio, gelang jedoch "mindestens 5 075 DDR-Bürgern auf zum Teil abenteuerlichen Wegen und unter Lebensgefahr in und um Berlin die Flucht durch die Sperranlagen in den Westteil der Stadt".

Zu den abenteuerlichen Fluchtversuchen gehören die Tunnel im Bereich der Bernauer Straße, deren Verlauf heute teilweise an Ort und Stelle markiert sind. Eine Gedenktafel am Haus Schönholzer Straße 7 berichtet vom dort endenden, sogenannten "Tunnel 29", durch den am 14. und 15. September 1962 insgesamt 29 Menschen (daher der Name) die Flucht gelang. Basierend darauf entstand im Jahre 2001 der Spielfilm "Der Tunnel" von Johannes W. Betz (Drehbuch) und Roland Suso Richter (Regie), der in zwei Teilen im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Als spektakulärste Flucht gilt freilich die "Ballonflucht": Am 16. September 1979 konnten die Familien Strelzyk und Wetzel aus Pößneck in Thüringen in einem selbstgebauten Heißluftballon über die innerdeutsche Grenze aus der DDR nach Westdeutschland fliehen. Drei Jahre später verfilmte Regisseur Delbert Mann für Disney die aufsehenerregende Flucht unter dem Titel "Mit dem Wind nach [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal
BABYLON BERLIN
Sie wird als die zurzeit spannendste und innovativste deutsche Fernsehserie beworben: Mit ihrem epischen, zwölfstündigen Erzählbogen soll "Babylon Berlin" im aktuell beliebten Serien-Genre neue Maßstäbe setzen. Basierend auf dem 2008 erstmals erschienenen Kriminalroman "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher ist "Babylon Berlin" in den späten 1920er Jahren angesiedelt. Im Mittelpunkt steht der junge Kölner Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch), der im Frühjahr 1929 nach Berlin geschickt wird, um den Kriminalfall eines von der Berliner Mafia geführten Pornorings zu lösen. Aus dem zunächst simplen Erpressungsfall entwickelt sich ein regelrechter politischer Skandal. Zusammen mit der Stenotypistin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und seinem Partner Bruno Wolter (Peter Kurth) wird Gereon Rath mit einem Dickicht aus Korruption, Drogen- und Waffenhandel konfrontiert.

Mit ihrer "kaleidoskopischen Erzählung" (so Mit-Regisseur Tom Tykwer) entwirft die Serie "Babylon Berlin" ein politisches und gesellschaftliches Bild Berlins am Vorabend der nationalsozialistischen Machtübernahme. Deutlich wird die Kehrseite der rauschenden Feste in den "goldenen Zwanzigerjahren" ? ein Begriff, gegen den sich der damals als Kaplan in Berlin wirkende spätere Bischof von Münster Clemens August von Galen entschieden verwahrte ? gezeigt: Armut und grassierende Arbeitslosigkeit sowie unmenschliche Lebensbedingungen in den Arbeiter-Mietskasernen im Kontrast zum unvorstellbaren Reichtum der Großindustriellen auf der einen, die aufkommenden Straßenkämpfe [mehr]

Text: José García
Foto: ARD