Aktuelle Filmkritiken
MORGEN SIND WIR FREI
16. Januar 1979: Der Schah von Persien Reza Pahlavi flüchtet ins Ausland. Im Februar 1979 kehrt Ayatollah Khomeini aus dem Pariser Exil nach Teheran zurück, und ruft die "Islamische Revolution" aus. In Hossein Pourseifis Spielfilm "Morgen sind wir frei" sieht der in Ost-Berlin lebende iranische Dissident Omid (Reza Brojerdi) darin die Chance, in seiner Heimat etwas Neues aufzubauen. Dafür muss er aber Beate (Katrin Röver), mit der er seit zwölf Jahren verheiratet ist, und die achtjährige Tochter Sarah (Luzie Nadjafi) hat, davon überzeugen. Beate ist nicht ganz so begeistert wie ihr Mann. Weil ihr aber die Promotion in der DDR verwehrt wird, stimmt sie zu.

Nach der anfänglichen Aufbruchsstimmung verschlechtert sich unaufhaltsam die Lage für Beate und ihre Tochter. Insbesondere Sarah bekommt es in der Schule mit der Erziehung in einem islamistischen Land zu tun. Anhand der Verwandlung einer anfangs westlich gekleideten und geschminkten Sekretärin im Chemischen Institut, in dem Beate arbeitet, verdeutlicht der deutsche Regisseur mit iranischen Wurzeln Hossein Pourseifi, wie sich die Lage vor allem für die Frauen verschlimmert.

Pourseifi verleiht "Morgen sind wir frei" dadurch einen gewissen dokumentarischen Charakter, dass er immer wieder Original-Aufnahmen in seinen Film einbaut. Darin sind sowohl Straßenproteste als auch Interviews mit Khomeini zu sehen. [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Little Dream Pictures
BIS DANN, MEIN SOHN
Trauerarbeit, die Verarbeitung eines traumatischen Verlusts, gehört zu den häufigen Kinosujets. So musste etwa zuletzt im französischen Film von Mikhaël Hers Mein Leben mit Amanda eine Siebenjährige den von den islamistisch motivierten Terroranschlägen vom 13. November 2015 in Paris verursachten Tod ihrer Mutter aufarbeiten.

Als noch dramatischer nimmt sich für die Eltern der Tod eines Kindes aus. Im Jahre 1994 drehte der chinesische Regie-Altmeister Zhang Yimou den von vielen als sein Meisterwerk angesehenen Spielfilm "Leben!", der von den Schicksalsschlägen einer vierköpfigen Familie im Laufe mehrerer Jahrzehnte von den 1940er Jahren bis zur chinesischen Kulturrevolution erzählt. Die beiden Kinder der Familie sterben: Der Sohn wird in den Zeiten des "Großen Sprungs nach vorne" unter den Trümmern einer Schulwand begraben, die der LKW des KP- Bezirksparteifunktionärs rammt. Die schwangere Tochter verblutet viele Jahre später, als es bei der Geburt zu Komplikationen kommt, und die angehenden, "kulturrevolutionären" Mediziner, die vorher die "konterrevolutionären" Ärzte aus dem Krankenhaus verbannt hatten, die Blutung nicht stoppen können. Obwohl Zhang Yimou wegen der kritischen Haltung seines Filmes mit einem zweijährigen Berufsverbot belegt wurde, konnte "Leben!" international gezeigt werden. Er gewann den Großen Preis der Jury in Cannes, und wurde für den Golden Globe nominiert.

Eine Familiengeschichte über mehrere [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Piffl Medien
THE REPORT
Der Name Abu-Ghuraib wurde im Mai 2004 zum Synonym von Folter und schwerem Missbrauch, als in die Medien gelangte Berichte und Fotos belegten, dass im gleichnamigen Zentralgefängnis in Bagdad die US-Besatzungstruppen irakische Gefangene vergewaltigten, misshandelten und folterten, in etwa 100 Fällen bis zum Tod. Die Insassen seien zu "90 Prozent unschuldig" gewesen, erklärte später die damalige Abu-Ghuraib-Kommandantin Janis Karpinski. Im Zentralgefängnis sollten nicht nur Menschen weggesperrt, sondern auch Informationen für den militärischen Nachrichtendienst beschafft werden.

Auf wahren Ereignissen basierend, erzählt der Spielfilm "The Report" von Daniel J. Jones (Adam Driver), der als Ermittler des US-Senats von der Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) den Auftrag erhält, eine Untersuchung über die Verwendung von Folter durch die CIA nach den Anschlägen vom 11. September zu leiten. Seine Suche nach der Wahrheit bringt ans Licht, wie weit der US-Geheimdienst bereit war zu gehen, um Beweise zu untergraben.

Drehbuchautor und Regisseur Scott Z Burns bekennt den Einfluss von Politthrillern wie "Die drei Tage des Condor" (Sydney Pollack, 1975) und "Die Unbestechlichen" (Alan J. Pakula, 1976) auf seinen Film. Denn in "The Report" geht es ebenfalls darum, die fragwürdigen Methoden des Geheimdienstes an den Pranger zu stellen.

Auch wenn sich der Sachverhalt ziemlich komplex ausnimmt — allein die [mehr]

Text: José Garcia
Foto: DCM
LARA
Jan-Ole Gerster gelang mit seinem Spielfilmdebüt Oh Boy ein glänzender Erfolg. Im Mittelpunkt von "Oh Boy" steht ein Endzwanziger, der nicht recht weiß, welche Richtung sein Leben nehmen soll. Deshalb schlendert er gerne durch das nächtliche Berlin, immer neugierig auf die Begegnung mit Menschen. Damit portraitiert Jan Ole Gerster nicht nur einen jungen Mann, sondern das ganze Lebensgefühl einer Generation, der vor allem eins fehlt: Orientierung, einfach ein Ziel in ihrem Leben.

Sieben Jahre später hat Gerster ein Drehbuch von Blaz Kutin verfilmt: Laras (Corinna Harfouch) 60. Geburtstag fällt mit einem wichtigen Klavierkonzert ihres Sohnes Viktor (Tom Schilling) zusammen, dessen Karriere sie entworfen hat. Seit Wochen ist Viktor für seine Mutter jedoch nicht erreichbar, so dass ihr Zweifel kommen, ob sie bei Viktors Uraufführung überhaupt willkommen ist. Kurzerhand kauft sie sämtliche Restkarten und verteilt sie an jeden, dem sie an diesem Tag begegnet.

Ähnlich "Oh Boy" spielt sich die Handlung von "Lara" an einem Tag in Berlin ab. Die Menschen, denen sie an diesem einen Tag begegnet, führen ihr vor Augen, dass sie im Laufe ihres Lebens vielleicht falsche Entscheidungen getroffen hat. Etwa, den Traum einer gefeierten Pianistin aufzugeben, und deshalb umso verbissener den Erfolg ihres Sohnes zu forcieren. [mehr]

Text: José García
Foto: Studiocanal / Marco Krüger
VERTEIDIGER DES GLAUBENS
Ein Dokumentarfilm bleibt in der Regel hinter dem Anspruch zurück, "die" Wirklichkeit abzubilden, weil diese Realität selektiv gesehen und wiedergegeben wird. Problematisch ist es nur, wenn dem Anliegen des Regisseurs durch die Wahl der Interviewpartner nachgeholfen wird. Christoph Röhls "Verteidiger des Glaubens" versammelt so gut wie nur Interviewpartner, die von Benedikt enttäuscht sind - daher die Schlussfolgerung des Films, Ratzinger sei gescheitert.

Der 90-minütige Film zeichnet die verschiedenen Stationen im Leben von Joseph Ratzinger nach. Röhl, der sich als Atheist bezeichnet und daraus "keinen Hehl" macht, legt Wert darauf, die Wandlung vom "jungen Theologieprofessor", der Kardinal Frings zum Konzil begleitete, zum Gegner des Konzils darzulegen. Röhl befragt eine Reihe Ratzinger- und Kirchenkritiker, wobei Erzbischof Georg Gänswein nicht nur als Feigenblatt eingeführt wird - seine Aussagen werden ins Lächerliche gezogen oder einfach mitten im Satz abgeschnitten.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diejenigen, die Benedikt ein "Scheitern" bescheinigen, gerade es sind, die seit mehr als fünfzig Jahren erfolglos darum kämpfen, eine "neue" Kirche hervorzubringen. So sagt der suspendierte Priester Tony Flannery im Hinblick auf das Zweite Vatikanische Konzil: "Unsere Generation glaubte, wir würden eine neue Kirche erschaffen, dass wir das Alte überwunden hätten, und eine strahlende Zukunft vor uns läge."


Interview mit Peter [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Flare Film_Kolja Raschke
SALMAS GEHEIMNIS
Nach einer Art Prolog mit drei Kindern und einer Off-Stimme, in der es um die Überwindung des Todes geht, beginnt die eigentliche Geschichte des mexikanischen Animationsfilms "Salmas Geheimnis" an einem "Tag der Toten", als die drei erwähnten Kinder etwa 16 Jahre alt sind. Das Leben der filmtitelgebenden Salma bestand größtenteils darin, nach Hinweisen auf die Identität ihrer Eltern zu suchen, die sie nie kennengelernt hat. Obwohl sich Selma mit ihren Pflegebrüdern Jorge und Pedro sehr gut versteht, kann ihr Verhältnis zur Großmutter der beiden Jungs gelinde gesagt als angespannt bezeichnet werden.

Am 2. November ist die ganze Stadt Santa Clara in Bewegung. Denn am "Tag der Toten" werden in Mexiko Altäre geschmückt, um der Verstorbenen zu gedenken. Salma entdeckt ein altes Buch über die Geschichte von Santa Clara. Sie hofft darin etwas über ihre Eltern zu erfahren. Das Buch erweist sich als ein magisches Buch, das eine Tür zur Welt der Toten öffnet. Zusammen mit Jorge und Pedro begibt sich Salma auf eine Reise in das bunte Reich der Toten. Es beginnt ein spektakuläres Abenteuer, das möglicherweise Licht auf die Frage wirft, warum sie als kleines Kind verlassen wurde.

Die Figurenzeichnung erinnert an den Pixar- Film Coco - Lebendiger als [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Kinostar
ZWINGLI - DER REFORMATOR
Der Reformationstag am 31. Oktober ist inzwischen in neun Bundesländern Feiertag: Den neuen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schlossen sich 2018 Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein an. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg gefestigt haben. Ob Luther die "Thesen", mit denen er die Missstände in der katholischen Kirche anprangern wollte, tatsächlich anbrachte, wird von Historikern jedoch angezweifelt. Sicher ist es, dass er sie an Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, schickte. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu einem Bruch zwischen Luther und der katholischen Kirche gekommen war - dieser erfolgte erst mit der Exkommunikation durch Leo X. am 3. Januar 1521 und die daraufhin über ihn verhängte Reichsacht auf dem Wormser Reichstag am 30. April 1521 -, feiern Protestanten weltweit den 31. Oktober als den Beginn der Reformation.

Neben der evangelisch-lutherischen Kirche entstand ebenfalls im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts in der Schweiz die reformierten oder evangelisch-reformierten Kirchen, die auf Ulrich Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf zurückgehen. Wurde der Reformationstag 2003 als Datum ausgewählt, um den Spielfilm Luther uraufzuführen, so startet 16 Jahre später im Kino - nachdem [mehr]

Text: José Garcia
Foto: W-Film
BRITTANY RUNS A MARATHON
Die 27-jährige Brittany Forgler (Jillian Bell) leidet unter Antriebslosigkeit: Der Wecker klingelt um 12.37 Uhr, im Job hat sie Probleme und der Arzt, den sie aufgesucht hat, um sich ein Rezept für das amphetaminhaltige Adderall ausstellen zu lassen, geht gar nicht darauf ein. Stattdessen spricht er von einer "gesunden Lebensweise", die Brittany beherzigen soll. Dazu gehört natürlich auch Bewegung, aber für ein Fitness-Studio hat die junge Frau kein Geld. Deshalb beschließt sie, einfach zu laufen. Drehbuchautor und Regisseur Paul Downs Colaizzo unterstricht dadurch diesen ersten Wendepunkt, dass gerade Musik anhebt, als Brittanys Off-Stimme ihr erstes Ziel angibt: "Einmal um den Block".

Obwohl Brittany auf ihrem Weg allen möglichen Menschen ausweichen muss, hält sie zunächst einmal daran fest. Ein weiterer Schritt folgt, als sich die junge Frau einer Laufgruppe anschließt, um drei Kilometer zu laufen. Mittels schnellgeschnittener Sequenz sieht der Zuschauer, erstens wie Brittany immer besser läuft, und zweitens dass sie zusammen mit ihrer Nachbarin Catherine (Michaela Watkins) und mit Seth (Micah Stock) bald ein unzertrennliches Trio bildet, das sich als nächstes Ziel den filmtitelgebenden Marathonlauf anvisiert.

Dem auf einer wahren Geschichte - die echte Britanny ist im Abspann zu sehen - basierenden Film gelingt es nicht immer, über das Offensichtliche hinauszugehen. Denn [mehr]

Text: José García
Foto: DCM
PREIS DER FREIHEIT
Der DDR-Geschichte in den Achtzigerjahren widmen sich seit einiger Zeit manche Filme und Serien. Das Interesse daran ist verständlich, vollzog sich in diesem Jahrzehnt, zunächst für die meisten Menschen verborgen, der Niedergang eines ganzen sozioökonomischen Systems. Fernsehserien bieten mit ihrer komplexeren, mehrere Handlungen umfassenden Dramaturgie einen stimmigen Ansatz, um der Vielschichtigkeit des Themas gerecht zu werden.

Zu den bekanntesten TV-Serien, die sich mit den 1980er Jahren in der DDR befassen, gehört Weissensee, die sich in bisher vier Staffeln der DDR-Geschichte von 1980 bis Herbst 1990 aus der Sicht zweier Familien annähert. Konzentriert sich "Weissensee" auf die Stasi-Welt, so legt die Serie "Deutschland 83" beziehungsweise Deutschland 86 - die dritte Staffel "Deutschland 89" wurde gerade abgedreht - den Akzent auf die Stasi-Auslandsaufklärung sowie auf die Wege, nach denen die Hauptverwaltung Aufklärung HVA und die Kommerzielle Koordination KoKo der DDR suchen, um der drohenden Staatspleite zu entgehen.

Im Mittelpunkt des Dreiteilers "Preis der Freiheit", den das ZDF ab dem 28. Oktober in die Mediathek einstellt und ab dem 4. November linear sendet, steht die Kommerzielle Koordination KoKo im DDR-Ministerium für Außenhandel. Ihr Leiter Alexander Schalck-Golodkowski (1932-2015) ist zwar die eigentliche Hauptfigur. Sein Darsteller Thomas Thieme wird aber "als Gast" [mehr]

Text: José García
Foto: ZDF/ Mathias Bothor
DAS GRÖSSTE GESCHENK
Zwar gibt es wunderbare Filme über Vergebung und Versöhnung - von "The Straight Story - Eine wahre Geschichte" (1999) über "Pieces of April - Ein Tag mit April Burns" (2003) bis hin zu "Hotel Ruanda" (2004) und "Shooting Dogs" (2005). Aber Rache ist ein häufiges Motiv in Spielfilmen - nicht nur etwa in alten Western oder im sogenannten Film-noir-Genre.

Juan Manuel Cotelo, der mit seinen vorherigen Dokumentarfilmen unter Beweis gestellt hat, dass Filme mit religiösem Inhalt ein größeres Publikum ansprechen, hat nun "Das größte Geschenk", einen Film über Vergebung und Versöhnung, mit beeindruckenden Geschichten gedreht. In Frankreich trifft er auf Tim Guénard, der als Dreijähriger von seiner Mutter verlassen wurde. Später verprügelte ihn sein Vater so, dass Tim mehrere Jahre im Krankenhaus verbringen musste. In Spanien lebt die mehrfache Mutter, Journalistin und paralympische Skifahrerin Irene Villa. Zusammen mit ihrer Mutter wurde sie Opfer eines Terroranschlags. Irene verlor beide Beine und drei Finger. Tim und Irene haben in der Vergebung Glück gefunden. Opfer und Täter begegnen einander in Ruanda oder in Kolumbien. Menschen, deren ganze Familie ausgelöscht wurde, vergeben demjenigen, der ihre Lieben mit eigenen Händen umgebracht hat.

"Das größte Geschenk" ist ein frohmachender, hoffnungsvoll stimmender Film. In den meisten Fällen wird [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Fundación Infinito