Aktuelle Filmkritiken
THE BANKER
"Inspiriert von wahren Ereignissen" erzählt der Apple TV+ -Film "The Banker" die Geschichte von Aufstieg und Fall des ersten Afroamerikaners, der ins Bankgeschäft einstieg. Bernard Garrett (Anthony Mackie) besaß bereits als Kind ein ausgeprägtes Talent für Zahlen und einen für seine Stellung als Schuhputzer ungewöhnlichen Geschäftssinn. Schon damals dachte er an Immobiliengeschäfte, aber dies war in Texas nicht möglich.

Die Gelegenheit bietet sich ihm 1954 in Los Angeles. Durch seine Frau Eunice (Nia Long) lernt er den Nachtclub-Besitzer Joe Morris (Samuel L. Jackson) kennen, der sein Investor und Partner wird. Als die beiden das Gebäude erwerben wollen, das die größte Bank der Stadt beherbergt, brauchen sie einen weißen "Strohmann", denn für Schwarze ist ein solches Geschäft in den 1960er Jahren tabu. Dafür bietet sich der junge Matt Steiner (Nicholas Hoult) an.

Neben dem überzeugenden Produktionsdesign hat sich Regisseur George Nolfi einiges einfallen lassen, um der Handlung Rhythmus zu verleihen, etwa eine schnellgeschnittene Sequenz über Matts Lernerfolge oder auch eine parallelgeschnittene Szene zwischen der Vorbereitung auf ein entscheidendes Geschäftstreffen und dem eigentlichen Treffen. Dennoch bleibt die Inszenierung eher konventionell.

Vordergründig erzählt "The Banker" vom "American Dream" eines jungen Mannes, der es vom Schuhputzer zum Millionär schafft. Weil aber, wie es einmal heißt, der amerikanische [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Apple TV+
GETRIEBENEN, DIE
Die Bilder aus dem Spätsommer 2015 bleiben vielen Menschen noch gut in Erinnerung: Tausende Flüchtlinge machen sich von Budapest zur österreichischen Grenze auf, und zwingen insbesondere die politische Führung Deutschlands dazu, auf die immer bedrohlicher werdende Situation zu reagieren. Die unkontrollierte Grenzöffnung spaltet das Land: Loben die einen Merkels humanitäres Engagement, so kritisieren die anderen die Entscheidung als nicht verfassungskonform.

In seinem Sachbuch "Die Getriebenen" stellte "Welt"-Korrespondent Robin Alexander die These auf, weder die Kanzlerin noch die Bundesregierung hätten planvoll gehandelt. Sie seien eher von den sich überschlagenden Ereignissen Getriebene gewesen; daher der Buchtitel. In seinem auf Recherchen in Berlin, Brüssel, Wien, Budapest und der Türkei basierenden Buch rekonstruiert er die Schlüsselentscheidungen.

Der gleichnamige Fernseh-Spielfilm, den die ARD am Mittwoch, den 15. April ausstrahlt beziehungsweise seit dem 8. April in der ARD-Mediathek abgerufen werden kann, wurde "nach Motiven des Sachbuchs von Robin Alexander" gedreht. Zwar versichert Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, der Film sei "bis ins Detail faktenbasiert" und komme "der Wahrheit sehr nahe". Eine Schrifttafel weist allerdings zu Beginn: "Die Spielszenen können nur eine Annährung an das wirkliche Geschehen sein". Denn sie stellen selbstverständlich eine Verdichtung der Geschehnisse dar, in der die Fiktion die Leerstellen möglichst authentisch ergänzt.

Entsprechend dem [mehr]

Text: José Garcia
Foto: ARD
THE VALHALLA MURDERS
In den letzten Jahren lässt sich ein signifikanter Anstieg der Serien aus den nordischen Ländern feststellen. Das "Nordic Noir"-Genre zeichnet sich durch Krimi-Handlungen in betont düsterer Anmutung aus. Ihnen gemeinsam sind außerdem ein größeres dramaturgisches Gewicht weiblicher Protagonisten sowie eine größere Realitätsnähe etwa in den Dialogen als in den einschlägigen Hollywood-Serien.

Die erste für die Plattform "Netflix" produzierte isländische Serie "The Valhalla Murders" (Originaltitel: "Brot") hat genau diese Merkmale: Sie handelt von schrecklichen Morden in Reykjavik, die zunächst einmal auf keinerlei Verbindung untereinander hinzuweisen scheinen. Nach und nach zeigt sich aber, dass die Mordserie offensichtlich mit ungeklärten Ereignissen zusammen hängt, die rund 35 Jahre früher in einem mittlerweile verlassenen Kinderheim für Jungen namens "Valhalla" stattgefunden haben. Darüber hinaus erzählt die von Thordur Palsson entwickelte achtteilige Serie aus der Sicht der Kommissarin Kata (Nína Dögg Filippusdóttir), die zusammen mit dem aus Oslo angeforderten, aber ebenfalls aus Reykjavik stammenden Ermittler Arnar (Björn Thors) die Mordserie aufklären soll.

Die Drehbuchautoren entwerfen ein ganzes Ensemble um die zwei Protagonisten — vom Polizeichef Magnús (Sigurdur Skúlason) über die neuernannte Leiterin der Mordkommission Helga über die Rechtsmedizinerin Hugrun bis zum IT-Spezialisten Erlingur. Das jeweilige Privatleben von Kata, insbesondere die Probleme mit ihrem pubertierenden Sohn, und von Arnar mit [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix
KALIFAT
Die islamistische Terrorismusgefahr spielt nicht nur in US-amerikanischen Spielfilmen eine wichtige Rolle. Auch in Europa setzen sich Filmemacher damit auseinander, etwa in der schwedisch-dänisch-deutschen Serie Greyzone - No Way Out, die von einem geplanten islamistisch motivierten Anschlag auf schwedischem Boden erzählt, den eine Beamtin aus dem schwedischen Nachrichtendienst SÄPO verhindern will.

Eine SÄPO-Mitarbeiterin steht ebenfalls im Mittelpunkt der aus acht Folgen mit je 45 Minuten bestehenden Netflix-Serie "Kalifat": Fatima (Aliette Opheim) wird gerade vom Dienst suspendiert, als sie einen Anruf aus Syrien erhält. Die junge Pervin (Gizem Erdogan) war offensichtlich vor einiger Zeit ihrem Mann Husam (Amed Bozan) von Schweden nach Raqqa gefolgt, der für den IS an vorderster Front kämpfen will. Sein Kommandochef Omar (William Legue) bereitet derweil ein Attentat auf schwedischem Boden vor. Pervin erlebt den IS-Horror in Raqqa, und hat nur noch eins im Sinn: Sie will zurück nach Stockholm, auch wegen ihrer kleinen Tochter. Wie soll sie es aber anstellen? Die Gelegenheit bietet sich, als eine Nachbarin verhaftet wird. Denn sie übergibt Pervin ein Handy. Die junge Frau ruft ihre ehemalige Lehrerin Dolores (Monica Albornoz) an, die sie mit Fatima in Verbindung setzt.

Der Handlungsstrang in Syrien ist klar strukturiert: Auf der einen Seite die bösen [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Johan Paulin/SVT
UNGLAUBLICHE GESCHICHTEN
Mit eher bescheidenem Angebot ging vor kurzem der Apple-Streamingdienst "Apple TV+" an den Start. Umso sehnsüchtiger wurde die von Steven Spielberg produzierte, bereits bei der Plattform-Vorstellung im März 2019 angekündigte Serie "Unglaubliche Geschichten" ("Amazing Stories") erwartet.

Unter demselben Titel produzierte Spielberg zwar in den 1980er Jahren zwei Staffeln mit insgesamt 47 Folgen. Bei der nun anlaufenden Serie, die Apple TV+ wöchentlich einstellt, handelt es sich aber nicht um ein "Remake", sondern um neue, in sich geschlossene Episoden, um eine "Anthologie-Serie". Nachfolgende Besprechung basiert auf den zwei ersten Folgen.

Die erste, 54-minütige Folge "Der Keller" handelt von einer Zeitreise: Die Brüder Jake (Micah Stock) und Sam Taylor (Dylan O´Brien) sollen ein hundert Jahre altes Haus renovieren. Mitten in einem heftigen Sturm wird Sam im Keller von einem lauten Pfeifton heimgesucht; plötzlich findet er sich im Jahre 1919 wieder. Er lernt die junge Evelyn Porter (Victoria Pedretti) kennen, die in dem Haus mit ihrer Mutter wohnt. Bald kommen sich die beiden näher. Nicht nur aus dem Grund möchte Sam Evelyn ins 21. Jahrhundert mitnehmen. Denn die Musikleidenschaft der jungen Frau wird von der Mutter unterdrückt. Außerdem soll sie bald einen reichen Witwer heiraten, den Evelyn nicht liebt.

In der zweiten, ebenfalls 54-minütigen Folge "Das [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Apple TV+
NARZISS UND GOLDMUND
Aus einer verschneiten Landschaft ragt das mittelalterliche Kloster Mariabronn heraus. Dorthin wird der ungestüme zehnjährige Goldmund (Jeremy Miliker) von seinem cholerischen Vater gebracht. Der ältere Narziss (Oskar von Schönfels), der sich bereits für ein Leben in Gehorsam, Keuschheit und Armut entschieden hat, soll den Neuankömmling an die strengen Lebensregeln des Klosters anpassen helfen. Schnell freunden sich die zwei so unterschiedlichen Jungen an.

Sieben Jahre später erkennt Narziss (nun: Sabin Tambrea), dass Goldmunds (Jannis Niewöhner) Weg ein anderer ist, und ermuntert ihn, das Kloster zu verlassen. Für Goldmund beginnt eine rastlose Wanderschaft. Der junge Mann erlebt Glück und Freiheit, aber auch Elend, Krieg und die tödliche Pest. Viele Frauen kreuzen seinen Weg, bis er in Lene (Henriette Confurius) seine große Liebe findet. Nach etlichen Jahren kehrt er als Bildhauer ins Kloster zurück, wo er eine Kapelle errichten möchte.

Die Filmadaption des gleichnamigen Romans von Hermann Hesse "Narziss und Goldmund" durch den österreichischen Drehbuchautor und Regisseur Stefan Ruzowitzky besticht durch seine Ausstattung. Dem Film sind die Bemühungen anzumerken, mittels Kostüme und Schauplätze die Lebensbedingungen im Mittelalter wiederzugeben. Eindrücklich und aktueller denn je nehmen sich etwa die Szenen aus, in denen die Pest grassiert.

Dramaturgisch greift Ruzowitzky auf Rückblenden zurück, um insbesondere Goldmunds Erfahrungen — "mehr [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Jürgen Olczyk / Sony
MIRAGE - GEFÄHRLICHE LÜGEN
Der Streaming-Markt wächst immer weiter: Zu den Hauptanbietern in Deutschland Netflix und Amazon kam Ende vergangenes Jahrs noch Apple TV+ hinzu. Am 24. März soll dann Disney TV + mit einem umfangreichen Angebot - dem ganzen Filmkatalog von Disney, Pixar, Star Wars, Marvel und National Geographic sowie mit Eigenproduktionen - an den Start gehen.

Aber auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wollen im Kampf um die Gunst der Serien-Zuschauer mithalten. Deshalb riefen Anfang Mai 2017 France-Télévision, das ZDF sowie die italienische TV-Anstalt RAI die "European Alliance" ins Leben, eine Kooperationsplattform mit dem Ziel, in den nächsten Jahren gemeinsam eine Reihe von sogenannten High-End-Serien zu koproduzieren. Die erste aus der Zusammenarbeit entstandene fiktionale Serie wird nun ab dem 22. März im ZDF ausgestrahlt: "Mirage - Gefährliche Lügen" besteht aus drei etwa je 100-minütigen Teilen.

Internationalität zeichnet nicht nur die produzierenden Fernsehanstalten, sondern auch das Autorenteam und das Schauspielerensemble aus. Dazu erklärt Regisseur Louis Choquette: "Die Sprache der Serie ist eine universelle. Autoren aus Frankreich, ein Regisseur aus Quebec, Schauspieler aus Deutschland, England, Frankreich, Kanada, Marokko, den Vereinigten Arabischen Emiraten und vielen Ländern mehr: Diese Serie ist das Ergebnis einer einzigartigen Zusammenarbeit."

Entsprechend der angesprochenen Internationalität handelt "Mirage - Gefährliche Lügen" von internationaler Industriespionage. Im [mehr]

Text: José Garcia
Foto: ZDF / Eric Vernazobres
ZU WEIT WEG
Dem Braunkohletagebau sind in den letzten Jahrzehnten eine ganze Reihe Ortschaften in Nordrhein-Westfalen zum Opfer gefallen. Im Spielfilm "Zu weit weg" von Susanne Finken (Drehbuch) und Sarah Winkenstette (Regie) muss der 12-jährige Ben (Yoran Leicher) deshalb mit seiner Familie umziehen. Besonders zu schaffen macht ihn, dass er nicht mehr der gefeierte Torjäger in der Fußball-Jugendmannschaft seines Heimatortes sein kann.

Als Ben in die nächstgrößere Stadt umgezogen ist, wird er zwar vom lokalen Fußballverein aufgenommen. Aber Ben sitzt entweder auf der Bank oder muss als Verteidiger spielen. Als Stürmer spielen darf dagegen Tariq (Sobhi Awad), ein Flüchtling aus Aleppo, der ebenfalls an der Schule neu ist. Bald erfährt Ben, warum es Tariq immer wieder zum Bahnhof zieht. Vielleicht haben die beiden mehr gemeinsam, wie es auf den ersten Blick scheint?

"Zu weit weg" erzählt eine Freundschaftsgeschichte vor dem Hintergrund von Heimatverlust und Integration. Irgendwann einmal versucht Ben, wieder seine alten Freunde zu besuchen, muss aber feststellen, dass er inzwischen einfach "zu weit weg" wohnt. Er lebt nun lediglich einige Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt, und dennoch scheint die Entfernung so groß zu sein, wie die, die Tariq von seinem Heimatland Syrien trennt. Dennoch: Die Filmemacherinnen vergleichen hier nicht. Sie lassen vielmehr unaufgeregt die [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Weydemann Bros.
HUNTERS
Die Amazon-Serie "Hunters" beginnt im Juni 1977 in Maryland, an der Ostküste der Vereinigten Staaten nahe Washington D.C. Und sie fängt mit einem Paukenschlag an: Biff Simpson (Dyland Baker), ein Berater von Präsident Jimmy Carter, hat zu einer Grillparty auch einen neuen Mitarbeiter eingeladen. Dessen Frau wird bleich, als sie den Gastgeber erblickt, denn er habe ihre gesamte Familie ermordet. Biff ist als Nazi entlarvt worden, der in den Vereinigten Staaten seit dreißig Jahren unter neuer Identität lebt. Schnell greift er zu einer Pistole, und tötet kurzerhand alle Partygäste, aber auch seine eigene Frau und seine Kinder.

Der Serientitel "Hunters" bezieht sich auf die "Nazi-Jäger", eine zusammengewürfelte Truppe, die vom KZ-überlebenden und inzwischen schwerreich gewordenen Meyer Offerman (Al Pacino) angeführt wird. Die zweite Hauptfigur heißt Jonah Heidelbaum (Logar Lerman), der von Offerman aufgenommen wird, nachdem seine Großmutter Ruth Heidelbaum (Jeannie Berlin) ermordet wurde. Nach einigem Zögern tritt der Junge der Gruppe bei. Zu ihr gehören nicht nur das Ehepaar Mindy (Carol Kane) und Murray (Saul Rubinek) Markowitz, das ebenfalls Ausschwitz überlebte, sondern auch einige Jüngere.

Dass sich der jüdische Schauspieler Lonny Flash (Josh Radnor) ebenfalls als Nazi-Jäger betätigt, wirkt plausibel. Beim Vietnam-Veteranen mit asiatischem Migrationshintergrund Joe Mizushima (Louis Ozawa) und bei [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Amazon
ONWARD: KEINE HALBEN SACHEN
Der 22. Langspielfilm aus dem Animationsstudio Pixar "Onward: Keine halben Sachen" von Dan Scanlon ist in einer Elfenwelt angesiedelt, in der die Brüder Ian und Barley Lightfoot mit ihrer Mutter ein gewöhnliches Teenager-Leben leben. Ihre Welt war zwar früher voll Zauberei und Magie, wobei eine ausgedehnte Kamerafahrt zu Filmbeginn einen Eindruck davon liefert. Nun wurde aber die Magie durch Technologie — Autos und Handys — verdrängt. Elfen, Zwerge, Riesen, Haustier-Drachen, Einhörner und andere Fabelwesen führen nun in der Kleinstadt New Mushroomton ein bequemeres, aber auch langweiligeres Leben.

Zu Ians 16. Geburtstag kann seine Mutter endlich ihrem Sohn das ungewöhnliche Geschenk aushändigen, das der noch vor Ians Geburt verstorbene Vater hinterließ. Zusammen mit seinem Bruder Barley muss der junge Elf herausfinden, ob es in ihrer Welt noch Zauberei gibt, damit er 24 Stunden mit seinem Vater zusammen sein kann. Bis dahin müssen die beiden Brüder allerdings eine ganze Reihe Abenteuer erleben.

Wie immer bei einem "Pixar"-Film besticht die Animation, was auch die detailreichen Hintergründe mit einschließt. Die großen Augen und der expressive Mund verleihen den Figuren eine außergewöhnliche Ausdrucksfähigkeit. Wie es bei den Pixar-Filmen üblich ist, werden immer wieder bekannte Spielfilme (hier etwa "Der Herr der Ringe" oder "Indiana Jones") oder auch Videospiele [mehr]

Text: José García
Foto: Disney