Aktuelle Filmkritiken
1917
Mitten im Grabenkrieg des Ersten Weltkriegs 1917 erhalten die britischen Soldaten Schonfield (George MacKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) einen nahezu unmöglichen Auftrag: Sie sollen tief in Feindesgebiet eindringen, um einem Bataillon eine Nachricht zu überbringen. Von ihr hängt das Leben Hunderter ihrer Kameraden, unter denen sich auch Blakes Bruder befindet, ab. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Darüber hinaus droht von allen Seiten Gefahr. Denn es ist keineswegs sicher, dass sich alle deutschen Soldaten wirklich zurückgezogen haben. Zeitlich fällt die Handlung des Filmes demnach mit dem deutschen Rückzug zur sogenannten Siegfriedstellung im Frühjahr 1917 zusammen.

Das Besondere an "1917" von Regisseur Sam Mendes und seiner Mit-Drehbuchautorin Krysty Wilson-Cairns besteht nicht so sehr in der Handlung als vielmehr in der Art, wie der Film aufgenommen wurde. Laut der Produktionsfirma nahm der bekannte Kameramann Roger Deakins, der nach zwölf Nominierungen für "Blade Runner 2049" seinen ersten Oscar gewann, den ganzen Film in einem einzigen "Take" auf.

Ob dies wirklich so stimmt — mindestens ein Schnitt ist deutlich zu erkennen — sei dahingestellt. Jedenfalls ist die Kamera immer nahe an den Protagonisten, wodurch der Film ungemein unmittelbar wirkt, was darüber hinaus von Thomas Newmans treibender Filmmusik unterstützt wird. Der Zuschauer hat dadurch keine Chance, sich [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Universal
KNIVES OUT - MORD IST FAMILIENSACHE
In einem herrschaftlichen Landhaus wird der erfolgreiche Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) am Morgen nach seinem 85. Geburtstag tot aufgefunden. Alles sieht nach einem Selbstmord aus, denn zum Tatzeitpunkt war der alte Patriarch allein in seinem Zimmer. Weder die exzentrische Verwandtschaft noch das Personal wollen etwas gesehen haben. Der berühmte Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) wird allerdings anonym beauftragt, die Todesumstände zu untersuchen.

Nachdem Blanc zusammen mit den offiziellen Polizeiermittlern die Familienmitglieder befragt hat, kommen ihm Zweifel, ob nicht doch "Fremdeinwirkung" im Spiel war. Denn die ganze Wahrheit hat keiner von ihnen gesagt, und ein Motiv, den alten Mann zu töten, hätte auch jeder gehabt. Noch komplizierter wird die Lage, als der Notar der versammelten Familie eröffnet, der millionenschwere Autor habe kurz vor seinem Tod sein Testament geändert.

Mit "Knives Out - Mord ist Familiensache" liefert Drehbuchautor und Regisseur Rian Johnson eine stilechte Hommage an Agatha Christie. Dafür spricht das gehobene Ambiente in einem typisch englischen Landhaus, vor allem aber die Dramaturgie: Die Befragungen, die Verdachtsmomente, die jeden betreffen, die vielen humorvollen Momente, die Suche nach kleinsten, allen anderen bis auf den Detektiven unbemerkt gebliebenen Beweisen, die falschen Fährten, die zu einer vermeintlichen Auflösung des Falls führen, insbesondere aber auch die Versammlung [mehr]

Text: José Garcia
Foto: universum
JEANNE D´ARC
Der zweite Dumont-Film "Jeanne d´Arc" - nach Jeannette - Die Kindheit der Jeanne d Arc - beginnt 1430, als Jeanne (erneut Lise Leplat Prudhomme) in Ungnade gefallen ist, nachdem sie als Retterin Frankreichs gefeiert worden war. Militärischen Erfolgen gegen die Englänger folgt ihre Niederlage mit der französischen Armee in der Schlacht von Compiègne. Sie muss sich vor einem Kirchengericht verantworten, das sie als Ketzerin zum Tode verurteilt. Wurde "Jeannette - Die Kindheit der Jeanne d´Arc" mit Metal-Musik untermalt, so singt in "Jeanne d´Arc" die französische Chanson-Legende Christophe den Originaltext von Charles Péguy ein. Dazu hat Christophe eine getragene, fast sakrale Musik komponiert.

Die beiden Filme wecken darüber hinaus den Eindruck, gefilmtes Theater zu sein. Der expressionistische Gestus eines Dreyer weicht einer ausdrucksstarken, bei einigen Darstellern manchmal ins Chargieren kippenden Deklamation, die zusammen mit den beinahe abstrakten Bildern in den Kirchenräumen dem Text von Charles Péguy passend erscheint, von dem Regisseur Dumont sagt, er "bietet uns beides: das Geistige und das Zeitliche. Es ist sogar eine poetische Welt, in der das Geistige nur durch das Zeitliche möglich wird. Alles ist miteinander verbunden und auf mysteriöse Weise vereint. Sogar Humor ist in dieser sehr menschlichen Malerei vorhanden. Er findet einen [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Bruno Dumont / Grandfilm
JEANNETTE - DIE KINDHEIT DER JEANNE D´ARC
Als Nationalheldin Frankreichs, aber auch als 1920 von Benedikt XV. heiliggesprochene Märtyrin gehört Jeanne d´Arc oder Johanna von Orléans (1412-1431) zu den bekanntesten und am meisten inspirierenden Persönlichkeiten des europäischen Mittelalters. Ihr sind nicht nur Kirchen in mehreren französischsprachigen Ländern geweiht. Über sie verfassten außerdem Friedrich Schiller, Charles Péguy, Paul Claudel, George Bernard Shaw und Mark Twain sowie Voltaire und Bertolt Brecht eigene Werke. Über sie wurden darüber hinaus mehrere Spielfilme gedreht: Von den Kurzfilmen der Brüder Lumière (1899) und Georges Méliès (1900) über die Stummfilme von Cecil B. DeMille (1916) und Carl Theodor Dreyer (1928) - dessen "La Passion de Jeanne d?Arc als ein Meilenstein der Filmgeschichte gilt - bis zu den Filmen von Victor Fleming (1948) und Roberto Rossellini (1954), beide mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle. In jüngerer Zeit gesellten sich dazu die Spielfilme von Jacques Rivette (1994) und Luc Besson (1999).

Nun hat der französische Drehbuchautor und Regisseur Bruno Dumont, der letztes Jahr in Locarno für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, zwei Filme über Johanna von Orléans gedreht, die auf dem dreiteiligen Theaterstück "Jeanne d´Arc (Domrémy, les Batailles, Rouen)" von Charles Péguy aus dem Jahre 1897 sowie auf dem Drama "Le Mystère de la charité de Jeanne d´Arc" [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Bruno Dumont/Grandfilm
MESSIAH
Zu Jahresbeginn stellte die Streaming-Plattform Netflix eine Serie ein, die bereits in den ersten Tagen Widerspruch geweckt hat: Die aus zehn Folgen bestehende Serie "Messiah" handelt von einem jungen Mann (Mehdi Dehbi), der unvermittelt in Damaskus zu der Zeit als Prediger auftritt, als der IS nach dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte die Stadt belagert. Die CIA-Agentin Eva Geller (Michelle Monaghan) soll herausfinden, wer der Mann ist, der sich selbst "der zurückgekehrte Isa (Jesus)" oder "Milah" (Das Wort) nennt, der von seinen Anhängern aber als "Al-Massih" (Messias) bezeichnet wird.

Ist er ein Betrüger, der gar mit Terroristen in Verbindung steht und die politische Weltordnung zerstören will? Oder aber ein Prophet, der wirkliche Wunder vollbringt, wie seine Anhänger behaupten? Letzteres glaubt ausgerechnet der texanische Baptisten-Prediger Felix Iguero (John Ortiz), der sich in seinen Dienst stellt. Damit sind die drei Protagonisten unter einer Vielzahl an Figuren genannt, deren Handlungen und Schicksale die Serie miteinander verknüpft.

Damit geht aber auch ein ständiger Szenenwechsel, ein andauerndes Hin- und Herwechseln zwischen den einzelnen Handlungssträngen einher, das den Erzählfluss hemmt. Selten gelingt dadurch eine überzeugende Parallelmontage wie die drei Stränge verknüpfende in der 9. Folge. Dass die Autoren im biografischen Hintergrund einiger Figuren falsche Fährten legen, sorgt eher [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix
ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL
Der Erinnerungsroman der im Mai 2019 verstorbenen Judith Kerr "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", der 1971 unter dem Originaltitel "When Hitler Stole Pink Rabbit" veröffentlicht wurde, erhielt 1974 den deutschen Jugendliteraturpreis. Seitdem wird das Buch an Schulen gelesen, um Kindern die Zeit des Nationalsozialismus kindgerecht zu erklären. Das war ebenfalls das erklärte Ziel der Autorin: "Ich wollte Kinder damit vertraut machen, wie das mit Hitler zuging. Niemand hatte es bis dahin so richtig versucht, ich meine in Form einer erzählten Familiengeschichte von Flucht und Exil. Da uns nichts Schreckliches passiert war, was sich etwa mit Anne Frank vergleichen ließ, wurde die Geschichte für Kinder vielleicht zugänglicher. Das, so glaube ich, begründete den Erfolg."

Nun hat Caroline Link, die mit dem Oscar-prämierten "Nirgendwo in Afrika" (2001) bereits die Geschichte einer jüdischen Familie erzählte, die ins Exil geht, zusammen mit ihrer Mit-Drehbuchautorin Anna Brüggemann das Erinnerungsbuch verfilmt. Wie im Buch steht im Mittelpunkt des Filmes die neunjährige Anna Kemper (Riva Krymalowski), die 1933 erfahren muss, wie ihre bis dahin behütete Existenz in Berlin-Grunewald umgekrempelt wird. Denn ihr Vater, der bei den Lesern beliebte, aber bei den Theaterleuten gefürchtete Theaterkritiker und Journalist Arthur Kemper (Oliver Masucci), "steht auf einer Liste": Sollten die Nazis [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Warner Bros.
GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK, DER
Mit seiner Literatur-Fernsehsendung gehört Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) zu den einflussreichsten Literaturkritikern Frankreichs. Gebannt schaut sich der junge Autor Frédéric (Bastien Bouillon) die Sendung an, denn sein Roman soll von Rouche besprochen werden. Entsprechend enttäuscht reagieren er und seine Freundin Daphné (Alice Isaaz), eine junge Verlegerin, als es zur Besprechung seines Werkes nicht mehr kommt.

Bei einem Besuch im heimatlichen Finistère erfährt Daphné von ihrem Vater Gérard (Vincent Winterhalter) von einer "Bibliothek der abgelehnten Bücher". Dort entdeckt sie den Roman "Die letzten Stunden einer großen Liebe", der angeblich vom Pizzabäcker des Dorfes, dem schon verstorbenen Monsieur Pick, geschrieben wurde. Daphné bringt den Roman heraus, der ein großer Erfolg wird.

Jean-Michel Rouche ist jedoch davon überzeugt, dass es sich dabei um eine Fälschung handelt. Auf Spurensuche in Finistère lernt er die überaus literarisch gebildete Tochter des Pizzabäckers Joséphine (Camille Cottin) kennen. Zusammen machen sie sich auf, das Geheimnis des Romans von Monsieur Pick zu lüften.

Auch wenn es bei "Der geheime Roman des Monsieur Pick" vordergründig um eine Krimi-Handlung geht, nimmt sich der Film als eine Satire auf den Literaturbetrieb aus. Bei der Fülle an Romanen, die Jahr für Jahr erscheinen — "Frankreich hat mehr Autoren als Leser", heißt es im Film —, wundert [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Neue Visionen
SPIONE UNDERCOVER - EINE WILDE VERWANDLUNG
Superspion Lance Sterling wird von allen Kollegen bewundert - auch wenn er manchmal gegen die Vorschriften verstößt, weil er jede Menge Schurken im Alleingang erledigt. Fans in der Agentur begrüßen ihn nach jeder erfolgreichen Mission mit Applaus. Zu seinem Job gehört es natürlich auch, mit den coolsten technischen Spielereien ausgestattet zu sein, vor allem mit seinem schnittigen Zweisitzer, einem Audi RSQ e-tron. Lance und die anderen Agenten verlassen sich auf die Technikgenies, die hinter den Kulissen all diese Wunderwaffen entwickeln. Einer von ihnen ist der geniale Erfinder Walter Beckett. Allerdings wird der junge Mann eher als "Spinner" verspottet, weil er immer nach friedlichen "Gadgets" forscht. So entwickelt er statt einer Granate ein Geschoss, das eine Glitzer-Wolke ausstößt und das Bild eines süßen Kätzchens projiziert. Solche Bilder setzen Serotonin frei, das Glücksgefühle im Betrachter auslöst, die Aggression mindert und ihn so von seinem Vorhaben ablenkt.

Als sich aber Sterling einem besonders mächtigen Schurken mit Roboter-Arm namens Tristan McFord stellen muss, ist der Top-Agent auf einmal auf Walters Hilfe angewiesen, der zwar in Sozialkompetenz eher mangelhaft, dafür aber auf dem technischen Bereich brillant ist. Auch wenn Lance und Walter unterschiedlicher nicht sein könnten, schaffen sie es erst als Duo, Lances schwierigste Mission erfolgreich [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Fox
UNTERM BIRNBAUM
"Unterm Birnbaum" (1885) ist die einzige Kriminalgeschichte - oder eher ein Kriminaldrama - von Theodor Fontane. Auf dem Tag genau an seinem 200. Geburtstag strahlt das ZDF eine in der jetzigen Zeit spielende Adaption von Fontanes Novelle von Léonie-Claire Breinersdorfer (Drehbuch) und Uli Edel (Regie) aus.

Wie im Roman heißen die Protagonisten Abel (Fritz Karl) und Ursel Hradschek (Julia Koschitz), die ein Hotel mit Restauration in einem Oderbruchdorf betreiben. Weil sie - wie man so schön sagt - über ihre Verhältnisse leben, haben Ursel und Abel eine Menge Schulden angehäuft. Aus ihrer verzweifelten Lage meinen sie, nur einen Ausweg zu kennen - so verabreden sie sich zu einem Mord, der sie jedoch selbst zugrunde richten wird.

Dass der tote Gläubiger statt in einer Kutsche in einem modernen Sportwagen in der Oder versenkt wird, ist eine der erforderlichen Änderungen gegenüber der Vorlage, damit der Fontanesche Stoff in die Gegenwart transportiert wird. Zwar sind auch noch weitere Abweichungen gegenüber der Vorlage festzustellen. Der grundlegende Unterschied besteht aber darin, dass Fontane weder die Verabredung des Ehepaares Hradschek, den Gläubiger zu töten, noch den Mord erwähnt. Auch wenn sie nun im Film gezeigt werden, steht im Mittelpunkt die Figurenzeichnung, die menschlichen Abgründe, aus denen sie auf [mehr]

Text: José Garcia
Foto: ZDF / Hannes Hubach
STAR WARS - DER AUFSTIEG SKYWALKERS
Als 1977 ein Film mit dem deutschen Titel "Krieg der Sterne" in die Kinos kam, konnte kaum jemand ahnen, dass damit die wohl größte epische Filmreihe der Geschichte begonnen hatte. "Krieg der Sterne" erzählte vom Kampf einer Rebellengruppe gegen einen tyrannischen Diktator, der über das ganze Universum herrschen wollte - oder einfach vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Unter den Bösen befand sich ein gewisser Lord Darth Vader, die rechte Hand des "Imperators", der auf die dunkle Seite der Macht gewechselt war. Jeweils drei Jahre später wurde mit "Das Imperium schlägt zurück" (1980) und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983) die Trilogie vervollständigt.

Die Vorgeschichte, wie der "Auserwählte" Anakyn Skywalker der Versuchung der Macht verfallen und sich in Lord Vader verwandeln konnte, erzählte dann eine zweite Trilogie (nun Episode I - III genannt), die zwischen 1999 und 2005 das Kinolicht erblickte. Wiederum zehn Jahre später begann die dritte Trilogie (2015-2019) mit den Episoden VII bis IX, deren Handlung etwa dreißig Jahre später als die Zeit angesiedelt war, in der "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" spielte. Neben einem Wiedersehen mit einigen Helden der ersten Trilogie wurde eine neue Generation Protagonisten eingeführt, insbesondere die geheimnisvolle Rey (Daisy Ridley) und Ben Solo alias Kylo Ren [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Disney