Aktuelle Filmkritiken
THE SPY
Zu Beginn der 1960er Jahre befand sich der junge Staat Israel in Alarmbereitschaft. Zwar waren zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien, dem Libanon und Syrien auf der anderen Seite Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet worden. Das Land fühlte sich jedoch bedroht, etwa von den von den Nachbarstaaten aus operierenden "Fedajin" - unter denen sich insbesondere die 1959 von Yasir Arafat gegründete Fatah befand, die 1964 in die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO eingehen sollte.

Obwohl Israel zusammen mit Großbritannien und Frankreich in der Sueskrise 1956 den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel besetzt hatte, musste sich Israel nach einer Resolution der UN-Generalversammlung vom November 1956 hinter die Waffenstillstandslinie zurückziehen. Militärisch kam in der ersten Hälfte der 1960er Jahre die größte Bedrohung für Israel aus Syrien. Denn mit Unterstützung sowjetischer Waffen griff Syrien vor allem von den Golanhöhen aus Ziele in Israel an.

Auf dem historischen Hintergrund spielt die sechsteilige Netflix-Miniserie "The Spy". "Inspiriert von wahren Begebenheiten" erzählt sie von einem besonderen Spionagefall: Dem Mossad gelang es in den 1960er-Jahren, den Agenten Eli Cohen in Syrien einzuschleusen, der dank seiner Kontakte bis in die höchsten politischen Ebenen hinein einen entscheidenden Einfluss auf die gegen Israel gerichteten syrischen Geheimdienst-Aktivitäten nehmen konnte. Eli Cohen wurde so zu einem [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Netflix
MEIN LEBEN MIT AMANDA
Am 13. November 2015 erschütterten mehrere koordinierte, islamistisch motivierte Terroranschläge die Stadt Paris. Die Medien berichteten ausführlich, auch etwa darüber, dass eine Woche nach den Attentaten die Zahl der Todesopfer auf 130 stieg. Doch was für menschliche Schicksale sich dahinter verbergen, was für Auswirkungen für Angehörige ein solcher Anschlag hat, bleibt der Öffentlichkeit meistens unbekannt.

Im Spielfilm "Mein Leben mit Amanda" von Mikhaël Hers spielen die Anschläge von Paris eine zentrale Rolle, befindet sich doch unter den Todesopfern auch die alleinerziehende Mutter der siebenjährigen Amanda (Isaure Multrier). Einziger Verwandter des kleinen Mädchens ist ein Onkel, der Mittzwanziger David (Vincent Lacoste). Der Zuschauer hat ihn als unbekümmerten, in den Tag hinein lebenden Tagträumer erlebt, der den Pariser Sommer einfach genießt, und der sich in die junge Léna (Stacy Martin) verliebt. Über Wasser hält er sich mit Gelegenheitsjobs. Ob er für seine kleine Nichte Verantwortung übernehmen kann?

Von der Frage, wie alleinstehende Erwachsene auf einmal für Kinder Verantwortung übernehmen sollen oder müssen, handelt so mancher Film, etwa zuletzt Paola Randis Tito, der Professor und die Aliens. Stehen in Paola Randis Film eher skurril-komödiantische Aspekte im Vordergrund, so gelingt Regisseur Hers und seiner Mitautorin Maud Ameline eine ausgewogene Mischung aus dem Drama, das [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Nord-Ouest-Films
UND DER ZUKUNFT ZUGEWANDT
Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) darf nach mehr als zehn Jahren Gulag zusammen mit ihrer zehnjährigen, schwerkranken Tochter Lydia (Carlotta von Falkenhayn) zurück nach Deutschland. Zusammen mit den Haftgenossinnen Irma Seibert (Karoline Eichhorn) und Susanne Schumann (Barbara Schnitzler) wird sie in Freudenberg, dem späteren Eisenhüttenstadt, freundlich empfangen. Lydia wird im Krankenhaus vom freundlichen Arzt Konrad Zeidler (Robert Stadlober) endlich fachmännisch behandelt. Antonia kann endlich am Aufbau einer neuen deutschen Gesellschaft im Sinne des Kommunismus mitarbeiten, an den sie nach wie vor glaubt. Dabei wird sie von Konrad unterstützt, in den sie sich verliebt. Das Ganze hat allerdings einen "Haken": Die drei Frauen dürfen nicht über die Vergangenheit reden.

Über die ersten Jahre der DDR, in denen das Zusammenbrechen des Staates noch nicht offensichtlich war, sondern sich viele Menschen "der Zukunft zuwandten", um mit viel Idealismus etwas Neues in der deutschen Geschichte aufzubauen, wurden bislang wenige Filme gedreht. Autor und Regisseur Bernd Böhlich stellt in den Mittelpunkt die Frage, wie bereits zu Beginn der DDR Menschen damit umgehen, dass ihr Glaube an die Unfehlbarkeit ihres hehren Ideals erschüttert, und damit auch die Loyalität für die gemeinsame Sache in Frage gestellt wird. Damit handelt "Und der Zukunft zugewandt" davon, wie ein ganzes [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Neue Visionen
PLAY
"Avalonia" heißt das Virtual-Reality-Game, in das sich die 17-jährige Jennifer (Emma Bading) immer häufiger flüchtet. Denn in der realen Wirklichkeit kommt sie kaum zurecht. Nicht nur, dass sie sich für hässlich hält. Nach dem Umzug von Wuppertal nach München hat Jenny außerdem in der Schule keinen Anschluss gefunden. Kein Wunder, dass sie von einer Welt magisch angezogen wird, in der ihr Avatar gegen Monster und Drachen epische Kämpfe durchsteht.

Bei den Eltern Frank (Oliver Masucci) und Ariane (Victoria Mayer) schrillen die Alarmglocken, als sie nach einem Wochenende nach Hause zurückkommen und feststellen, dass ihre Tochter die ganze Zeit über nichts anderes getan hat, als in der virtuellen Welt zu "leben", um den höchsten Level im Spiel zu erreichen. Sie bestehen darauf, dass Jenny bei der Psychologin Dr. Nicole Gerber (Ulrike C. Tscharre) eine Therapie beginnt.

Drehbuchautor und Regisseur Phlip Koch, der in seinem Spielfilmdebüt Picco die Gewalteskalation in einem Jugendgefängnis gezeigt, und in Outside the Box die Gruppendynamik in einem Team-Event als Katalysator für den Druck in der Leistungsgesellschaft eingesetzt hatte, bleibt gesellschaftlich relevanten Themen treu. Hier setzt er Jennys Therapiestunden dazu ein, die widersprüchlichen Gefühle der jungen Frau zu verdeutlichen: Einerseits belügt sie nicht nur ihre Eltern, [mehr]

Text: José Garcia
Foto: ARD
LATE NIGHT - DIE SHOW IHRES LEBENS
Seit 30 Jahren moderiert die Britin Katherine Newbury (Emma Thompson) eine Late-Night-Talkshow. Damals war sie die erste Frau, die im US-amerikanischen Fernsehen für eine solche Sendung verantwortlich zeichnete. Seitdem hat sie eine ganze Reihe Preise gewonnen. Nach einer so langen Zeit scheint jedoch die Zeit gekommen zu sein abzutreten. Denn ihrem Autorenteam gehen die Ideen aus.

So kommt es, dass Programmchefin Caroline Morton (Amy Ryan) Katherine unter vier Augen mitteilt, dies sei ihre letzte Saison: Mit 56 Jahren sei sie zu alt - die jüngeren Zuschauer würden umschalten. Dazu kommt, dass der Showmasterin vorgeworfen wird, "ein Problem mit Frauen" zu haben. Im achtköpfigen Autorenteam sitzt keine einzige Frau.

Als einer der Autoren gefeuert wird, ergreift Katherines rechte Hand Brad (Denis O´Hare) die Gelegenheit, und stellt die junge Molly Patel (Mindy Kaling) ein, obwohl sie auf dem Comedy-Gebiet keinerlei Erfahrung hat. Dennoch will Molly beweisen, dass sie weit mehr als eine "Quotenfrau" ist. Kann der frische Wind, den sie bringt, die Show retten - oder kommt der Versuch zu spät?

"Late Night - Die Show ihres Lebens" nimmt sich kaum originell aus. Mindy Kaling hat als Drehbuchautorin für sich selbst eine Rolle geschrieben, die der von Anne Hathaway in Der Teufel trägt [mehr]

Text: José García
Foto: entertainment One
ZWEITE LEBEN DES MONSIEUR ALAIN, DAS
"Ich ruhe mich aus, wenn ich tot bin", sagt Monsieur Alain Wapler (Fabrice Luchini) ziemlich am Anfang von Hervé Mimrans Spielfilm "Das zweite Leben des Monsieur Alain". Das Vorstandsmitglied eines Automobilherstellers ist ganz offensichtlich "un homme pressé", so der Original-Filmtitel, ein getriebener Workaholic. Für die Tochter Julia (Rebecca Marder) hat er keine Zeit, er arbeitet bis an den Rand der körperlichen Erschöpfung ... und irgendwann einmal auch darüber hinaus: Monsieur Alain erleidet einen Schlaganfall. Danach ist das Leben nicht mehr, wie es war. Er hat insbesondere Probleme mit der Sprache — verheerend für einen Manager, der in zwei Wochen auf dem Genfer Autosalon ein neues Fahrzeugmodell präsentieren soll.

Logopädin Jeanne (Leïla Behkti) versucht ihm klarzumachen, dass er nur mit viel Ruhe, Geduld und harter Arbeit seine Sprache wiederfinden kann. Nun führen die Filmemacher Jeanne ein: Sie wurde nach der Geburt verlassen und adoptiert, und sucht nach ihrer biologischen Mutter. Deshalb hat sie auch so ihre Probleme, etwa mit Süßigkeiten. Alains Weg scheint ziemlich steinig zu werden.

Der Film basiert auf dem Buch "J´étais un homme pressé" von Christian Streiff, der als Vorstandsvorsitzender von Peugeot-Citroën einen Schlaganfall erlitt und dadurch sein Leben grundsätzlich ändern musste, einschließlich Pilgern auf dem Jakobsweg.

In einer französischen Komödie [mehr]

Text: José Garcia
Foto: NFP
I AM MOTHER
Der australisch-neuseeländische Film "I Am Mother" handelt von einem ähnlichen postapokalyptischen Virusangriff wie in Endzeit, auch wenn beide Filme visuell kaum unterschiedlicher sein könnten. Denn das Wenige an Landschaft, was im Film von Michael Lloyd Green (Drehbuch) und Grant Sputore (Regie) zu sehen ist, besteht aus verbrannter oder eher verseuchter Erde.

Der eigentliche Handlungsort des Filmes ist eine "Einrichtung zur Neubesiedlung", ein Hochsicherheitsbunker, in dem nach der angenommenen "Auslöschung" der Menschheit 63 000 menschliche Embryonen lagern. In der Einrichtung wird ein Androide (Stimme im Original: Rose Byrne) "geweckt" oder eingeschaltet, der dazu entwickelt wurde, die Erde neu zu besiedeln. Dafür transferiert er einen Embryo in eine künstliche Gebärmutter. Nach der "Geburt" sieht das Kind den Androiden als "Mutter". In einer schnellgeschnittenen Sequenz wird die Entwicklung der "Tochter" (Clara Rugaard) wiedergegeben, bis sie etwa 16 Jahre alt ist.

Die bis dahin innige Verbindung zwischen "Mutter" und "Tochter" wird aber bedroht, als eines Tages eine blutüberströmte fremde Frau (Hilary Swank) vor der Luftschleuse des Bunkers auftaucht und völlig aufgelöst um Hilfe schreit. Die bloße Existenz dieser Fremden stellt die Welt der "Tochter" auf den Kopf, weil sie davon ausgegangen war, dass alle Menschen durch ein Virus gestorben waren. Sie muss sich nun [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Concorde
ENDZEIT
Sogenannte postapokalyptische Filme stehen zurzeit hoch im Kurs. Die Online-Plattform Netflix bietet solche dystopische Serie, etwa The Rain oder Destination Io, die von einer Welt nach einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes handeln. Aber auch im heutigen Kino erleben sie eine beachtliche Konjunktur. So starten diese Woche gleich zwei Spielfilme, die als postapokalyptisch bezeichnet werden können.

Für den deutschen Film "Endzeit" adaptiert Olivia Vieweg ihre eigene gleichnamige Graphic Novel als Drehbuch. "Endzeit" spielt zwei Jahre, nachdem ein Virus die meisten Menschen in blutrünstige Kreaturen verwandelte. Überlebende gibt es nur noch in Weimar und Jena, wobei es heißt, in Jena würde an einem Gegenmittel experimentiert. Der Film beginnt aber in Weimar, dessen bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Goethe-Schiller-Denkmal Regisseurin Carolina Hellsgård und Szenenbildnerin Jenny Roesler mit einem postapokalyptischen Firnis überzogen haben. Ein Schutzzaun umgibt die Stadt, um die Angriffe der "Zombies" abzuwehren. Über den Zaun wacht ein Trupp, zu dem etwa auch die verängstigte Vivi (Gro Swantje Kohlhof) eingeteilt wird. Vivi ist schwer traumatisiert, nachdem sie beim Zombieangriff zwei Jahre zuvor ihre kleine Schwester nicht retten konnte. Am Schutzzaun lernt sie die burschikose Eva (Maja Lehrer) kennen, die sich auf der Suche nach dem Gegenmittel unbedingt nach Jena durchschlagen will.

Für ihre [mehr]

Text: José Garcia
Foto: farbfilm / Leah Striker
TOY STORY - ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO
Vor 24 Jahren begann die Zukunft in einer Filmsparte, die sich seitdem als auffallend innovativ und vielseitig erwiesen hat. John Lasseter, der spiritus rector des Animationsstudios "Pixar", brachte mit dem ersten Pixar-Langspielfilm "Toy Story" den ersten vollständig computeranimierten Spielfilm in die Kinos. In diesem knappen Vierteljahrhundert startete Pixar 20 Langspielfilme, denen ebenso viele Kurzfilme - einige von ihnen, etwa "La luna" (2011), "Der blaue Regenschirm" (2013) oder "Bao" (2018) wahre Meisterwerke - vorgeschaltet wurden.

Mit jedem neuen Pixar-Film wurde zwar die Animation vollkommener. Die eigentliche Stärke der Pixar-Animationsfilme liegt jedoch nicht auf der perfekten technischen Seite, sondern eher in der Komplexität der Drehbücher und der Figuren, die mit wenigen Ausnahmen ebenfalls immer größer wurde. Darin zeigt sich der von Lasseter selbst immer wieder angesprochene Einfluss, den Hayao Miyazaki auf Pixar ausübt. Miyazaki wurde als erster Animationsfilm-Regisseur im Jahre 2005 beim Filmfestival Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Davon zeugen außerdem die sieben Oscar-Nominierungen in der Kategorie "Originaldrehbuch", die Pixar-Filme erhalten haben.

"Toy Story" erzählte von Spielzeugen, die im Spielzeugzimmer eines Jungen namens Andy lebendig werden, sobald sie aus dem Blickfeld der Menschen verschwinden. Im Mittelpunkt steht der Cowboy Woody, der seinen ersten Platz im Kinderzimmer in Gefahr sieht, [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Disney
SO WIE DU MICH WILLST
Basierend auf dem (noch) nicht auf Deutsch erschienenen Roman "Celle que vous croyez" von Camille Laurens erzählt der Film von Safy Nebbou und seiner Mit-Drehbuchautorin Juli Peyr "So wie Du mich willst" von der etwa 50-jährigen Literaturdozentin Claire Millaud (Juliette Binoche).

Die attraktive Pariserin kämpft gegen die Einsamkeit und das Älterwerden an, nachdem ihr Mann sie nach zwanzig Jahren Ehe wegen einer Frau verlassen hat, die seine Tochter sein könnte. Deshalb unterhält sie eine Affäre zu Ludo (Guillaume Goux), der sein Sohn sein könnte. Aber auf Ludo ist kein Verlass. Der gut aussehende Architekt lässt sich etwa am Telefon durch seinen Mitbewohner Alex (François Civil) verleugnen.

In ihrer Eifersucht legt sich Claire ein falsches Facebook-Profil als 24-jährige Clara Antunès an, um Ludo auszuspionieren. Sie schickt Alex eine Freundschaftsanfrage, die er annimmt. Alex findet immer mehr Gefallen an "Clara", aber auch Claire verliebt sich in den jungen Mann. Als Alex irgendwann einmal verlangt, "Clara" persönlich kennenzulernen, stellt sich die Frage: Kommt es jetzt zum Offenbarungseid oder soll sie wie auch immer die Fassade aufrechterhalten?

Als Rahmenhandlung dienen Claires Gespräche bei ihrer Psychotherapeutin Dr. Bormans (Nicole Garcia), die eine etwaige Off-Stimme ersetzen, um ihre Stimmungen und Gefühle zu verdeutlichen. Der deprimierte Eindruck zu Beginn lässt [mehr]

Text: José Garcia
Foto: Alamode